Japanischer Riesensalamander
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Andrias japonicus
- Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
- Familie: Riesensalamander (Cryptobranchidae)
- Gattung: Andrias
- Lebensraum: Klare, kühle Fließgewässer in bewaldeten Bergregionen Japans
- Größe: Bis zu 150 cm Gesamtlänge, durchschnittlich 60–90 cm
- Gewicht: Bis zu 25 kg, in Ausnahmefällen über 30 kg
- Lebenserwartung: Über 50 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 70 Jahre und mehr
Aussehen & Merkmale
Der Japanische Riesensalamander zählt zu den größten lebenden Amphibien der Erde. Nur sein naher Verwandter, der Chinesische Riesensalamander (Andrias davidianus), erreicht noch größere Körpermaße. Der massige, dorsoventral abgeflachte Körper ist an ein Leben am Grund fließender Gewässer angepasst. Der breite, flache Kopf geht fast ohne erkennbaren Hals in den Rumpf über. Die Augen sind auffallend klein, lidlos und seitlich am Kopf positioniert – ein Hinweis auf die eingeschränkte Bedeutung des Sehsinns bei dieser Art.
Die Haut ist faltig, runzelig und weist entlang der Körperflanken deutliche Hautlappen auf. Diese vergrößern die Körperoberfläche und dienen der Hautatmung, die bei adulten Tieren einen erheblichen Anteil des Gasaustauschs ausmacht. Die Grundfärbung variiert von dunkelbraun über graubraun bis rötlichbraun, oft mit unregelmäßigen dunkleren Flecken übersät. Die Bauchseite ist etwas heller. Die Haut ist nicht beschuppt, sondern glatt und schleimig – typisch für Amphibien. Vier relativ kurze, kräftige Gliedmaßen tragen den schweren Körper; die Vorderbeine besitzen vier, die Hinterbeine fünf Zehen.
Ein seitlich abgeflachter Schwanz, der etwa ein Drittel der Gesamtlänge ausmacht, dient als Antriebsorgan beim Schwimmen. Bei Bedrohung sondern die Hautdrüsen ein weißliches, nach japanischem Pfeffer riechendes Sekret ab, das dem Tier im Japanischen den Volksnamen „Ōsanshōuo" (großer Pfefferfisch) eingebracht hat.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Andrias japonicus beschränkt sich auf die japanischen Hauptinseln Honshū, Shikoku und Kyūshū. Die Art bewohnt dort klare, sauerstoffreiche Bergbäche und Flüsse in Höhenlagen zwischen 300 und 700 Metern über dem Meeresspiegel. Als Habitat bevorzugt der Riesensalamander Gewässerabschnitte mit felsigem Untergrund, Unterspülungen und natürlichen Hohlräumen, die ihm als Tagesversteck und Laichplatz dienen.
Die Wassertemperatur in den besiedelten Biotopen liegt in der Regel zwischen 10 und 20 °C. Stehende Gewässer oder stark verschmutzte Flussabschnitte werden gemieden. Der Japanische Riesensalamander ist daher ein zuverlässiger Indikator für gute Wasserqualität. Durch Verbauung von Flussläufen, Begradigungen und den Bau von Wehren ist das verfügbare Habitat in den letzten Jahrzehnten erheblich geschrumpft.
Ernährung
Als opportunistischer Prädator ernährt sich der Japanische Riesensalamander von einem breiten Beutespektrum. Auf dem Speiseplan stehen Fische, Flusskrebse, Frösche, Insektenlarven und gelegentlich kleine Schlangen oder Nagetiere, die ins Wasser geraten. Die Jagd erfolgt vorwiegend aus dem Hinterhalt: Das Tier verharrt regungslos am Gewässergrund und schnappt blitzschnell zu, sobald eine Beute in Reichweite kommt.
Die Wahrnehmung potenzieller Nahrung erfolgt weniger über die schwach ausgeprägten Augen als über Erschütterungsreize und chemische Signale. Spezialisierte Sinneszellen in der Haut, vergleichbar dem Seitenlinienorgan der Fische, ermöglichen es dem Salamander, Wasserbewegungen in unmittelbarer Nähe präzise zu registrieren. Der Stoffwechsel ist niedrig, sodass ausgewachsene Tiere auch längere Fastenperioden problemlos überstehen.
Verhalten & Lebensweise
Der Japanische Riesensalamander ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich unter Felsvorsprüngen, in Uferhöhlen oder unter umgestürzten Baumstämmen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit verlässt er sein Versteck, um auf Nahrungssuche zu gehen. Die Tiere sind überwiegend standorttreu und bewohnen über Jahre hinweg dasselbe Revier. Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben sie einzelgängerisch und zeigen wenig Toleranz gegenüber Artgenossen in unmittelbarer Nähe.
Die Fortbewegung an Land ist unbeholfen und langsam; im Wasser dagegen kann der Salamander mit kräftigen Schwanzschlägen überraschend schnell schwimmen. Trotz seiner Größe verhält sich das Tier überwiegend unauffällig. Außerhalb der Paarungszeit werden Konflikte mit Artgenossen meist durch Drohgebärden – Aufreißen des Mauls und seitliches Körperdrehen – gelöst, ohne dass es zu ernsthaften Verletzungen kommt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate August bis September. Dominante Männchen besetzen geeignete Bruthöhlen an Flussufern und verteidigen diese aggressiv gegen Rivalen. Diese Männchen werden als „Dennushi" (Höhlenmeister) bezeichnet. Während der Balz locken sie durch Körperbewegungen und chemische Signale paarungsbereite Weibchen in ihre Höhle.
Ein Weibchen legt zwischen 400 und 600 Eier in perlschnurartigen Strängen ab, die vom Männchen sofort besamt werden. Anschließend übernimmt das Männchen die alleinige Brutpflege – ein unter Amphibien ungewöhnliches Verhalten