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Kanker

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Tierart – Spinnentiere > Sonstige Spinnentiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Opiliones (diverse Gattungen und Arten)
  • Ordnung: Weberknechte (Opiliones)
  • Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
  • Familien: u. a. Phalangiidae (Schneider), Sclerosomatidae, Nemastomatidae
  • Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Gebirge, Höhlen – weltweit außer Antarktis
  • Größe: Körperlänge 1–22 mm, Beinspannweite bis über 15 cm
  • Gewicht: wenige Milligramm bis ca. 0,5 g
  • Lebenserwartung: meist 1–2 Jahre, in tropischen Regionen teils länger

Aussehen & Merkmale

Kanker – so die im deutschen Sprachraum vor allem in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland gebräuchliche Bezeichnung für Weberknechte – gehören zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida), sind aber keine echten Spinnen. Der auffälligste Unterschied zu Webspinnen liegt im Körperbau: Während Spinnen eine deutliche Einschnürung zwischen Vorder- und Hinterkörper (Prosoma und Opisthosoma) besitzen, sind diese beiden Körperabschnitte beim Kanker breit miteinander verwachsen. Der Körper wirkt dadurch kompakt und eiförmig bis rundlich.

Kanker besitzen wie alle Spinnentiere vier Beinpaare. Diese sind bei vielen Arten extrem lang und dünn im Verhältnis zum kleinen Körper, was ihnen das charakteristische „stelzenartige" Erscheinungsbild verleiht. Das zweite Beinpaar ist häufig das längste und dient als Tastorgan, mit dem das Tier seine Umgebung abtastet. Die Cuticula ist meist bräunlich, grau oder schwärzlich gefärbt; einige Arten zeigen einen auffälligen Sattelfleck auf dem Rücken. Auf der Oberseite des Prosomas sitzt ein sogenannter Augenhügel mit einem Paar einfacher Augen (Ocellen), die lediglich Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen können. Im Gegensatz zu Webspinnen besitzen Kanker keine Spinndrüsen und keine Giftdrüsen.

Ein weiteres diagnostisches Merkmal ist das Vorhandensein von Stinkdrüsen (Wehrdrüsen, Odoriferi), die an der Vorderseite des Körpers münden. Diese sondern bei Gefahr ein übelriechendes Sekret ab, das Fressfeinde abschreckt.

Lebensraum & Verbreitung

Die Ordnung der Opiliones umfasst weltweit über 6.600 beschriebene Arten in rund 50 Familien. Kanker besiedeln nahezu alle terrestrischen Lebensräume von den Tropen bis in subarktische Regionen. In Mitteleuropa sind etwa 100 Arten nachgewiesen. Typische Habitate sind feuchte Laubwälder, Wiesen, Hecken, Gärten, Mauern, Felsfluren und Höhlen. Einige Arten wie der Große Kanker (Phalangium opilio) aus der Familie Phalangiidae sind ausgesprochene Kulturfolger und häufig an Hauswänden und in Kellern zu finden. Andere Vertreter, etwa aus der Familie Nemastomatidae, bewohnen die Streuschicht feuchter Wälder und sind auf spezifische Biotope angewiesen.

In höheren Gebirgslagen kommen spezialisierte Arten vor, die als Endemiten auf einzelne Gebirgszüge beschränkt sein können. Höhlenbewohnende Kanker, sogenannte Troglobionten, zeigen oft reduzierte Augen und verlängerte Extremitäten als Anpassung an das lichtlose Habitat.

Ernährung

Kanker sind Allesfresser (Omnivore) mit einer breiten Nahrungspalette. Sie ernähren sich von kleinen Insekten, Milben, Springschwänzen und anderen Gliederfüßern, nehmen aber ebenso tote tierische Substanz, Pilzsporen, Pflanzensäfte und weiches Pflanzenmaterial auf. Im Gegensatz zu Webspinnen, die ihre Beute vorverdauen und ausschließlich flüssige Nahrung aufnehmen, können Kanker feste Nahrungspartikel zerkleinern und direkt aufnehmen. Die kräftigen Cheliceren (Kieferklauen) dienen dem Ergreifen und Zerkleinern der Nahrung. Diese Fähigkeit zur Aufnahme fester Kost ist innerhalb der Spinnentiere ungewöhnlich und stellt einen ökologischen Vorteil dar, da Kanker ein wesentlich breiteres Nahrungsspektrum nutzen können als die meisten Verwandten.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten mitteleuropäischen Kankerarten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in geschützten Verstecken unter Steinen, Rinde, in Mauerspalten oder zwischen dichter Vegetation. Nach Einbruch der Dunkelheit begeben sie sich auf Nahrungssuche und durchstreifen dabei systematisch ihr Umfeld. Dabei nutzen sie das verlängerte zweite Beinpaar als Tastorgan, das ständig in Bewegung ist und die Umgebung abtastet.

Ein typisches Abwehrverhalten ist die Autotomie: Wird ein Kanker an einem Bein gepackt, kann er dieses an einer vorgebildeten Bruchstelle abwerfen. Das abgetrennte Bein zuckt aufgrund autonomer Muskelkontraktionen noch minutenlang weiter, was den Angreifer ablenkt. Anders als bei manchen Krebstieren können Kanker ein verlorenes Bein jedoch nicht regenerieren.

Einige tropische und gemäßigte Arten zeigen ein auffälliges Aggregationsverhalten: Hunderte bis Tausende Individuen versammeln sich an geschützten Stellen zu dichten Schlafgemeinschaften. Dieses Verhalten dient vermutlich dem Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden, da die Stinkdrüsensekrete in der Gruppe konzentrierter wirken.

Fortpflanzung & Aufzucht

Kanker unterscheiden sich von den meisten übrigen Spinnentieren durch eine direkte, innere Befruchtung mittels eines ausstülpbaren Begattungsorgans (Penis) beim Männchen. Diese Form der Kopulation ist bei Spinnentieren eine Ausnahme – Webspinnen etwa übertragen ihr Sperma indirekt über umgewandelte Pedipalpen. Die Paarung erfolgt bei mitteleuropäischen Arten