Kartoffel
KFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist eine stärkereiche Knollenfrucht aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und zählt zu den bedeutendsten pflanzlichen Futtermitteln in der Tierernährung. Sowohl in roher als auch in gekochter, gedämpfter oder getrockneter Form findet sie Verwendung in der Fütterung verschiedener Nutz- und Heimtiere. In der Tierernährung wird die Kartoffel als Energiefuttermittel eingestuft, da ihr hoher Stärkegehalt eine gut verfügbare Energiequelle darstellt. Sie dient in der Regel als Ergänzungsfuttermittel und nicht als Alleinfuttermittel, da ihr Proteingehalt und ihr Mineralstoffprofil allein keine bedarfsdeckende Versorgung gewährleisten.
Historisch spielte die Kartoffel vor allem in der Schweine- und Rinderfütterung eine zentrale Rolle. Heute findet sie zusätzlich Eingang in getreidefreie Hunde- und Katzenfuttermittel sowie in Spezialfutter für Pferde und Geflügel. Neben der frischen Knolle werden industriell erzeugte Nebenprodukte wie Kartoffelpülpe, Kartoffelflocken, Kartoffelprotein und Kartoffelstärke verarbeitet.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die frische Kartoffel besteht zu rund 77 % aus Wasser, was ihren vergleichsweise niedrigen Energiegehalt in der Frischmasse erklärt. Auf die Trockenmasse bezogen zeigt sich jedoch ein nährstoffreiches Profil:
- Stärke: 60–75 % der Trockenmasse – leicht verdauliche Energiequelle
- Rohprotein: 8–11 % der Trockenmasse – biologisch relativ hochwertig dank eines günstigen Aminosäureprofils mit nennenswerten Gehalten an Lysin
- Rohfett: unter 1 % – die Kartoffel ist praktisch fettfrei
- Rohfaser: 2–4 % der Trockenmasse – gering, daher keine nennenswerte Strukturwirkung
- Mineralstoffe: Kalium ist mit Abstand der dominierende Mineralstoff (ca. 20 g/kg TM); Calcium und Phosphor liegen in vergleichsweise niedrigen Konzentrationen vor, wobei das Calcium-Phosphor-Verhältnis ungünstig ausfällt
- Vitamine: Relevante Gehalte an Vitamin C (Ascorbinsäure) und B-Vitaminen (insbesondere B1, B3, B6); Vitamin A und D fehlen weitgehend
Ein kritischer Inhaltsstoff ist das Glykoalkaloid Solanin, das vor allem in grünen Stellen, Keimen und der Schale konzentriert vorkommt. Solanin ist hitzestabil und wird beim Kochen nur teilweise abgebaut. Es kann bei allen Tierarten zu Vergiftungserscheinungen führen.
Für welche Tiere geeignet?
- Schweine: Klassisches Kartoffelfutter-Tier. Gedämpfte oder gekochte Kartoffeln werden seit Jahrhunderten in der Schweinemast eingesetzt. Die Stärke wird von Schweinen hervorragend verwertet. Rohe Kartoffeln sind schlecht verdaulich und sollten vermieden werden.
- Rinder: Sowohl Milchkühe als auch Mastrinder können rohe und gedämpfte Kartoffeln erhalten. Bei Milchkühen sollte die Futtermenge begrenzt bleiben, da ein Überangebot die Pansenfermentation ungünstig beeinflussen kann.
- Geflügel: Gekochte Kartoffeln eignen sich als Energieträger in der Hühner- und Entenfütterung. Rohe Kartoffeln werden schlecht verwertet.
- Pferde: Grundsätzlich möglich, aber nur in kleinen Mengen und ausschließlich gekocht. Die stärkereiche Knolle kann bei übermäßiger Gabe zu Verdauungsstörungen und im schlimmsten Fall zu Hufrehe führen.
- Hunde: Gekochte Kartoffeln sind gut verträglich und finden sich häufig in getreidefreien Futterkonzepten sowie in Ausschlussdiäten. Rohe Kartoffeln sind für Hunde ungeeignet.
- Katzen: Eingeschränkt geeignet. Katzen sind obligate Karnivoren und verwerten Stärke weniger effizient. In geringen Anteilen als Bestandteil eines Alleinfuttermittels akzeptabel.
- Kaninchen & Meerschweinchen: Nur in sehr kleinen Mengen gekocht anbieten. Der hohe Stärkegehalt belastet die empfindliche Darmflora dieser Tierarten erheblich.
Fütterungsempfehlung
Die Kartoffel sollte stets als Teil einer ausgewogenen Futterration eingesetzt werden. Folgende Richtwerte gelten für die Praxis:
- Schweine (Mast): Bis zu 50 % der Energieversorgung über gedämpfte Kartoffeln möglich; entspricht etwa 4–6 kg Frischmasse je Tier und Tag. Proteinergänzung (z. B. Sojaschrot) ist zwingend erforderlich.
- Milchkühe: Maximal 15–20 kg Frischmasse pro Tag; langsame Anfütterung über 10–14 Tage empfohlen.
- Hunde: 10–30 % der Gesamtration (gekocht, ohne Schale); als Kohlenhydratquelle im Rahmen einer BARF-Fütterung oder bei Getreideunverträglichkeit.
- Pferde: Höchstens 0,5–1 kg gekochte Kartoffeln pro 100 kg Körpergewicht; aufgeteilt auf mehrere Mahlzeiten pro Fütterungsintervall.
- Geflügel: Bis zu 30 % der Gesamtration in gedämpfter Form; stets mit eiweißreichem Ergänzungsfutter kombinieren.
Generell gilt: Die Futtermenge an Kartoffeln sollte immer schrittweise gesteigert werden, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Vorteile & Nachteile
Vorteile: