Koboldmaki
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tarsius (Gattung); mehrere Arten, u. a. Tarsius tarsier, Tarsius syrichta, Tarsius bancanus
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorhini)
- Familie: Koboldmakis (Tarsiidae)
- Verbreitungsgebiet: Südostasien (Philippinen, Borneo, Sulawesi, Sumatra und umliegende Inseln)
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 9–16 cm, Schwanzlänge 13–28 cm
- Gewicht: 80–165 g je nach Art
- Lebenserwartung: 12–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft selten länger
Aussehen & Merkmale
Koboldmakis gehören zu den kleinsten Primaten der Welt. Ihr auffälligstes Merkmal sind die überproportional großen, kugelrunden Augen, die einen Durchmesser von bis zu 16 Millimetern erreichen – jedes einzelne Auge ist damit schwerer als das Gehirn des Tieres. Diese Augen sind starr in den Augenhöhlen fixiert und können nicht bewegt werden, was durch eine extreme Beweglichkeit des Halses kompensiert wird: Koboldmakis können ihren Kopf nahezu 180 Grad in beide Richtungen drehen.
Das Fell ist dicht, weich und je nach Art graubraun, gelblich-braun oder rötlich-braun gefärbt. Die Unterseite ist heller. Die Ohren sind groß, dünnhäutig und unabhängig voneinander beweglich, was eine präzise Schallortung ermöglicht. Die Finger und Zehen sind stark verlängert und enden in haftscheibenartigen Ballen, die dem Tier sicheren Halt auf Ästen und Baumstämmen geben. Der namensgebende Tarsalknochen (Fußwurzelknochen) ist extrem verlängert, was den Tieren zu ihren beeindruckenden Sprüngen verhilft. Der lange, nahezu unbehaarte Schwanz dient als Balancierhilfe.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Koboldmakis beschränkt sich auf die Inselwelt Südostasiens. Sie besiedeln tropische Regenwälder, Sekundärwälder, Mangrovengebiete und teilweise auch Buschland in Küstennähe. Ihr bevorzugtes Habitat sind dichte, niedrige Vegetationsschichten mit ausreichend vertikalen Strukturen wie dünnen Baumstämmen und Bambus, an denen sie sich tagsüber festklammern.
Derzeit werden je nach taxonomischer Auffassung zwischen 11 und 14 Arten unterschieden. Die drei bekanntesten Vertreter sind der Philippinen-Koboldmaki (Tarsius syrichta), der Westliche Koboldmaki (Tarsius bancanus) auf Borneo und Sumatra sowie der Sulawesi-Koboldmaki (Tarsius tarsier). In den letzten Jahrzehnten wurden auf Sulawesi mehrere kryptische Arten beschrieben, die sich äußerlich kaum unterscheiden, aber genetisch und akustisch klar voneinander abgrenzbar sind.
Ernährung
Koboldmakis sind die einzigen rein karnivor lebenden Primaten. Ihre Nahrung besteht ausschließlich aus tierischer Kost: Insekten wie Heuschrecken, Käfer, Schaben und Nachtfalter bilden den Hauptanteil der Beute. Daneben erbeuten sie Spinnen, kleine Eidechsen, Frösche und gelegentlich kleine Vögel. Die Jagd erfolgt durch gezielte Sprünge aus dem Lauersitz heraus. Das Beutetier wird mit beiden Händen gepackt und sofort mit den scharfen Zähnen getötet. Der tägliche Nahrungsbedarf liegt bei etwa 10 Prozent des eigenen Körpergewichts.
Pflanzliche Kost wird vollständig gemieden. Der Verdauungstrakt der Koboldmakis ist entsprechend einfach gebaut und auf leicht verdauliche Proteine ausgelegt – ein Blinddarm fehlt oder ist stark reduziert.
Verhalten & Lebensweise
Koboldmakis sind streng nachtaktiv. Den Tag verbringen sie an senkrechten Ästen oder in dichter Vegetation ruhend, wobei sie sich mit den Haftpolstern an den Fingern festklammern. Mit Einbruch der Dämmerung beginnt die Aktivitätsphase, in der die Tiere ihr Revier nach Beutetieren absuchen.
Die Fortbewegung erfolgt vorwiegend durch vertikales Klettern und Springen. Koboldmakis können aus dem Stand Distanzen von über 1,5 Metern überbrücken – das entspricht dem Vierzigfachen ihrer Körperlänge. Am Boden bewegen sie sich hüpfend auf den Hinterbeinen fort, ähnlich einem kleinen Känguru.
Das Sozialverhalten variiert zwischen den Arten. Einige Arten leben paarweise und verteidigen gemeinsam ein Revier, andere sind eher solitär und treffen Artgenossen nur zur Paarungszeit. Die Kommunikation erfolgt über Lautäußerungen, wobei ein erheblicher Teil der Rufe im Ultraschallbereich oberhalb von 20 kHz liegt – für das menschliche Ohr unhörbar. Diese hochfrequenten Rufe dienen der innerartlichen Verständigung, ohne potenzielle Fressfeinde aufmerksam zu machen.
Koboldmakis gelten als extrem stressempfindlich. In Gefangenschaft zeigen sie häufig Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Selbstverletzungen, weshalb eine Haltung in Zoos nur sehr selten erfolgreich ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung findet je nach Art ganzjährig oder saisonal statt. Nach einer Tragzeit von etwa 180 Tagen – ungewöhnlich lang für ein Tier dieser Größe – bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind extrem selten.
Die Neugeborenen sind relativ weit entwickelt: Sie haben offene Augen, ein vollständiges Fell und können sich bereits kurz nach der Geburt an der Mutter oder an Ästen festklammern. Die Mutter transportiert das Junge im Maul oder lässt es an einer geschützten Stelle zurück, während sie auf Nahrungssuche geht. Die Stillzeit beträ