Küchenschabe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Blatta orientalis (Orientalische Schabe), Blattella germanica (Deutsche Schabe), Periplaneta americana (Amerikanische Schabe)
- Ordnung: Schaben (Blattodea)
- Familie: Blattidae bzw. Ectobiidae (je nach Art)
- Lebensraum: Menschliche Siedlungen, Gebäude, Kanalisationen, tropische und subtropische Wälder
- Größe: 10–40 mm (artabhängig)
- Gewicht: ca. 0,5–3 g
- Lebenserwartung: 3–12 Monate (artabhängig, unter günstigen Bedingungen bis zu 2 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Küchenschaben besitzen den typischen Körperbau der Schaben: einen dorsoventral abgeflachten, breit-ovalen Körper, der es ihnen erlaubt, sich durch engste Spalten zu zwängen. Der Kopf wird vom schildförmigen Halsschild (Pronotum) nahezu vollständig verdeckt und ist nach unten gerichtet. Die langen, fadenförmigen Fühler (Antennen) dienen als wichtigstes Sinnesorgan und sind meist länger als der gesamte Körper. Am Hinterleib tragen beide Geschlechter paarige Cerci – kurze, gegliederte Anhänge, die als Tastorgane fungieren und auf Luftströmungen reagieren.
Die Körperfarbe variiert je nach Art: Blattella germanica, die Deutsche Schabe, ist hellbraun bis gelbbraun und trägt zwei dunkle Längsstreifen auf dem Pronotum. Blatta orientalis, die Orientalische Schabe oder Kakerlake im engeren Sinn, ist dunkelbraun bis schwarz und wirkt dadurch kräftiger. Periplaneta americana, die Amerikanische Schabe, erreicht mit bis zu 40 mm die größte Körperlänge unter den heimischen Arten und zeigt eine rotbraune Färbung. Die Flügel sind bei manchen Arten voll entwickelt, werden aber selten zum aktiven Fliegen genutzt. Bei der Orientalischen Schabe sind die Flügel der Weibchen stark reduziert.
Wie alle Insekten besitzen Küchenschaben drei Beinpaare. Die Beine sind mit Dornen besetzt und enden in Haftlappen (Arolien), die das Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen. Die Cuticula ist von einer wachsartigen Schicht überzogen, die den Wasserverlust reduziert.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der meisten Küchenschabenarten liegt in den Tropen und Subtropen. Durch den weltweiten Warenhandel haben sie sich jedoch als Kulturfolger nahezu global ausgebreitet. In Mitteleuropa kommen sie ausschließlich synanthrop vor – sie sind auf die Wärme und das Nahrungsangebot menschlicher Behausungen angewiesen und können im Freiland nicht dauerhaft überleben.
Ihr bevorzugtes Habitat sind warme, feuchte und dunkle Bereiche: Küchen, Bäckereien, Großküchen, Heizungskeller, Kanalisationsschächte, Gewächshäuser und Lebensmittellager. Die Deutsche Schabe bevorzugt Temperaturen zwischen 25 und 30 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Orientalische Schabe toleriert etwas kühlere Bedingungen und findet sich häufig in Kellern und Abwassersystemen. Die Amerikanische Schabe besiedelt in Mitteleuropa vor allem zoologische Gärten, Tropenhäuser und Schwimmbäder.
Ernährung
Küchenschaben sind ausgesprochene Allesfresser (Omnivoren). Ihre Nahrung umfasst praktisch jede organische Substanz: Lebensmittelreste, Papier, Leder, Textilien, Haare, Seife, Buchbinderleim und sogar Exkremente anderer Tiere. In Extremsituationen wurde Kannibalismus beobachtet. Die Mundwerkzeuge sind vom kauend-beißenden Typ, der es den Tieren erlaubt, auch härtere Materialien zu zerkleinern. Ohne Wasser überleben Küchenschaben je nach Art nur wenige Tage, während sie ohne Nahrung mehrere Wochen auskommen können. Diese Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit in der Ernährung tragen wesentlich zu ihrem Erfolg als Kulturfolger bei.
Verhalten & Lebensweise
Küchenschaben sind streng nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, Ritzen, hinter Verkleidungen und unter Geräten. Werden sie bei Tageslicht gestört, fliehen sie mit hoher Geschwindigkeit – manche Arten erreichen bis zu 5,4 km/h, was sie im Verhältnis zu ihrer Körpergröße zu den schnellsten laufenden Insekten macht.
Das Sozialverhalten ist durch Aggregation gekennzeichnet: Schaben leben gesellig, ohne jedoch ein Revier im klassischen Sinne zu verteidigen. Die Gruppenbildung wird durch Aggregationspheromone gesteuert, die im Kot enthalten sind und Artgenossen anlocken. Dieses Verhalten führt dazu, dass bei einem Befall rasch große Populationen an einem Ort entstehen. Auch Kontaktpheromone spielen bei der Partnerfindung eine Rolle.
Die Cerci am Hinterleib registrieren feinste Luftbewegungen und lösen innerhalb von Millisekunden eine Fluchtreaktion aus. Diese extrem kurze Reaktionszeit macht es schwierig, Schaben manuell zu fangen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung erfolgt geschlechtlich, wobei das Weibchen durch Pheromone die Paarungsbereitschaft signalisiert. Nach der Begattung produziert das Weibchen eine Eikapsel (Oothek), die je nach Art zwischen 12 und 50 Eier enthält. Bei der Deutschen Schabe trägt das Weibchen die Oothek bis kurz vor dem Schlupf am Hinterleib, während die Orientalische Schabe sie nach wenigen Tagen an einem geschützten Ort ablegt.
Die Entwicklung verläuft hemimetabol: Aus den Eiern schlüpfen Nymphen, die den adulten Tieren bereits ähneln, jedoch kleiner und flügellos sind. Über sechs bis zwölf Häutungen – abhängig von Art, Temperatur und Nahrungsangebot – entwickeln sich die Nymphen zu geschlechtsreifen Imagines. Die Deutsche