Langohrfledermaus
LTierart – Säugetiere > Fledertiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Plecotus auritus (Braunes Langohr); Plecotus austriacus (Graues Langohr)
- Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
- Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
- Gattung: Langohrfledermäuse (Plecotus)
- Lebensraum: Wälder, Parks, Siedlungen, Dachböden, Höhlen
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 42–53 mm, Flügelspannweite 240–290 mm
- Gewicht: 5–12 g
- Lebenserwartung: bis 30 Jahre (Höchstalter nachgewiesen), durchschnittlich 5–10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das auffälligste Merkmal der Langohrfledermaus sind ihre extrem verlängerten Ohren, die nahezu die Länge des gesamten Körpers erreichen. Bei Plecotus auritus, dem Braunen Langohr, messen die Ohrmuscheln 31–41 mm und sind damit länger als bei jeder anderen europäischen Fledermausart vergleichbarer Größe. Die Ohren sind durch einen schmalen Hautsteg an der Basis miteinander verbunden und besitzen einen langen, lanzettförmigen Tragus (Ohrdeckel), der als zusätzlicher Schallfänger dient.
Das Fell des Braunen Langohrs ist auf der Oberseite bräunlich bis graubraun gefärbt, die Unterseite heller, gelblich-grau. Das Graue Langohr (Plecotus austriacus) zeigt eine insgesamt kühlere, grauere Fellfärbung und eine dunklere Gesichtsmaske. Die Flughäute sind dünn, dunkelbraun und durchscheinend. Der Schwanz ist vollständig in die Schwanzflughaut (Uropatagium) eingebunden. Die Augen sind im Verhältnis zu anderen Fledermäusen relativ groß, was auf eine zusätzliche optische Orientierung neben der Echoortung hindeutet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Braunen Langohrs erstreckt sich von Westeuropa über Mittel- und Nordeuropa bis nach Sibirien, Japan und in Teile Nordafrikas. Es besiedelt bevorzugt laubholzreiche Wälder, Mischwälder, Streuobstwiesen, Parks und strukturreiche Gärten. Das Braune Langohr gilt als typische Waldfledermaus und nutzt Baumhöhlen, Nistkästen sowie Dachstühle als Sommerquartiere.
Das Graue Langohr hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in Süd- und Mitteleuropa und ist stärker an menschliche Siedlungen gebunden. Es bezieht Wochenstuben fast ausschließlich in Gebäuden und bevorzugt wärmere, trockenere Habitate als seine Schwesterart. Beide Arten kommen in Deutschland sympatrisch vor, wobei das Braune Langohr deutlich häufiger ist.
Als Winterquartiere dienen Höhlen, Stollen, Keller und andere frostfreie unterirdische Biotope, in denen Temperaturen zwischen 2 und 8 °C herrschen. Ein Charakteristikum im Winterschlaf ist das Zurückklappen der langen Ohren unter die Flügel, wobei nur der Tragus sichtbar aufrecht stehenbleibt – ein Verhalten, das die empfindlichen Ohrmuscheln vor Austrocknung und Kälte schützt.
Ernährung
Langohrfledermäuse sind nachtaktive Insektenjäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie erbeuten Nachtfalter, Käfer, Zweiflügler, Spinnen und Ohrwürmer. Eine Besonderheit der Gattung Plecotus ist die Fähigkeit zum sogenannten Rüttelflug (Gleaning): Die Tiere lesen ruhende Beutetiere direkt von Blättern, Rinde oder Mauern ab, statt sie – wie viele andere Fledermausarten – ausschließlich im freien Flug zu fangen.
Für diese Jagdstrategie nutzen sie extrem leise Ultraschallrufe mit geringer Reichweite, ergänzt durch passives Hören auf die Eigengeräusche der Beute, etwa das Rascheln von Nachtfaltern. Die großen Ohren sind für diese akustische Jagdtechnik funktionell entscheidend. Größere Beutetiere werden häufig an bevorzugte Fraßplätze gebracht und dort verzehrt. Unter solchen Hangplätzen sammeln sich charakteristische Reste – insbesondere abgebissene Falterflügel –, die auf die Anwesenheit von Langohren schließen lassen.
Verhalten & Lebensweise
Langohrfledermäuse sind streng nachtaktiv und verlassen ihr Quartier erst in der fortgeschrittenen Dämmerung, meist 30–60 Minuten nach Sonnenuntergang. Ihr Flug ist langsam, wendig und schmetterlingsartig, angepasst an die Jagd im dichten Unterwuchs und in der Nähe von Vegetation. Die Aktionsradien sind vergleichsweise klein: Die Jagdgebiete liegen oft nur wenige Hundert Meter bis maximal zwei Kilometer vom Quartier entfernt.
Im Sommer bilden die Weibchen Wochenstubenkolonien mit 10–50, selten bis zu 100 Tieren. Männchen leben in dieser Zeit einzeln oder in kleinen Gruppen. Die Ortstreue ist ausgeprägt – sowohl zu den Sommer- als auch zu den Winterquartieren. Wanderbewegungen zwischen Sommer- und Winterquartier betragen bei Plecotus auritus selten mehr als 20–30 Kilometer; die Art zählt zu den standorttreuen Fledermäusen.
Die Echoortungsrufe der Langohrfledermäuse sind mit 25–50 kHz frequenzmoduliert und von sehr geringer Lautstärke. In der Literatur werden sie daher als „Flüsterfledermäuse" bezeichnet. Diese leisen Rufe machen sie mit Standarddetektoren schwer nachweisbar, was zur Unterschätzung ihrer tatsächlichen Häufigkeit führen kann.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet im Spätsommer und Herbst statt, teils auch im Winterquartier. Wie bei vielen einheimischen Fledermausarten kommt es zu einer verzögerten Befruchtung