Laubheuschrecke
LTierart – Insekten > Geradflügler & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tettigoniidae (Familie)
- Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera), Überordnung Geradflügler (Orthoptera)
- Familie: Tettigoniidae
- Anzahl der Arten weltweit: über 8.000 beschriebene Arten, davon rund 80 in Mitteleuropa
- Lebensraum: Wiesen, Waldränder, Gebüsche, Hecken, Baumkronen, Feuchtgebiete – je nach Art
- Größe: 10–70 mm Körperlänge (heimische Arten), tropische Vertreter bis über 100 mm
- Gewicht: 0,3–15 g je nach Art
- Lebenserwartung: In der Regel eine Saison (etwa 3–6 Monate als Imago); Überwinterung erfolgt im Eistadium
Aussehen & Merkmale
Laubheuschrecken unterscheiden sich von den verwandten Feldheuschrecken (Caelifera) vor allem durch ihre auffallend langen, fadenförmigen Fühler, die häufig die Körperlänge deutlich übertreffen. Dieser Merkmalsunterschied gab der Unterordnung Ensifera – den Langfühlerschrecken – ihren Namen. Der Körperbau ist seitlich leicht abgeflacht, die Grundfärbung reicht je nach Art und Biotop von intensivem Blattgrün über Brauntöne bis hin zu gefleckten oder gestreiften Mustern. Viele Arten ahmen in Form und Farbe Blätter oder Rindenstücke nach, was als hervorragende Tarnung (Krypsis) dient.
Die Vorderflügel (Tegmina) sind derb und lederartig, die Hinterflügel dünnhäutig und fächerförmig faltbar. Bei zahlreichen Arten sind die Flügel verkürzt oder fehlen ganz, sodass diese Tiere flugunfähig sind. Charakteristisch sind die kräftigen Hinterbeine, die als Sprungbeine dienen. Weibchen besitzen eine auffällige, schwertförmige Legeröhre (Ovipositor) am Hinterleibsende, die bei manchen Arten fast so lang ist wie der restliche Körper. Die Ohren (Tympanalorgane) sitzen nicht wie bei Feldheuschrecken am Hinterleib, sondern an den Schienen der Vorderbeine – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie Tettigoniidae ist nahezu weltweit verbreitet, mit Ausnahme der Polarregionen. Besonders artenreich sind die Tropen und Subtropen. In Mitteleuropa besiedeln Laubheuschrecken ein breites Spektrum an Habitaten: Das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) bevorzugt hohe Stauden, Gebüsche und Baumkronen; die Gemeine Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera) lebt bodennah in Hecken und an Waldrändern; die Punktierte Zartschrecke (Leptophyes punctatissima) hält sich vorwiegend in Gärten und Laubgehölzen auf.
Wärmeliebende Arten wie die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale) haben ihr Verbreitungsgebiet in den vergangenen Jahrzehnten klimabedingt nach Norden ausgedehnt. Feuchtgebiete, Moorwiesen und extensiv bewirtschaftete Magerrasen bieten spezialisierten Arten wie der Sumpfschrecke (Stethophyma grossum – eine Feldheuschrecke) oder der Wanstschrecke (Polysarcus denticauda) geeignete Biotope. Die Habitatansprüche variieren stark zwischen den Gattungen und spiegeln die enorme ökologische Bandbreite der Familie wider.
Ernährung
Laubheuschrecken sind überwiegend Allesfresser (Omnivore), wobei das Spektrum je nach Art stark variiert. Viele Vertreter ernähren sich hauptsächlich von Blättern, Blüten, Pollen und weichen Pflanzenteilen. Einige Gattungen sind jedoch ausgesprochen räuberisch: Das Grüne Heupferd erbeutet aktiv andere Insekten wie Blattläuse, Raupen und kleinere Heuschrecken. Die Große Sägeschrecke (Saga pedo), die größte europäische Laubheuschrecke, ist ein reiner Prädator und jagt ausschließlich andere Insekten.
Die Mundwerkzeuge sind als kräftige, beißend-kauende Mandibeln ausgebildet, die sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung zerkleinern können. In Gefangenschaft nehmen viele Arten bereitwillig Fischfutter, Obststücke und tote Insekten an.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten mitteleuropäischen Laubheuschrecken sind dämmerungs- oder nachtaktiv. Tagsüber verharren sie reglos in der Vegetation und verlassen sich auf ihre Tarnung. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnen die Männchen zu stridulieren – sie erzeugen artspezifische Gesänge, indem sie eine gezähnte Schrillleiste auf dem linken Vorderflügel über eine Schrillkante auf dem rechten Vorderflügel streichen. Dieser Mechanismus unterscheidet sich grundlegend von dem der Feldheuschrecken, die ihre Hinterbeine gegen die Flügel reiben.
Die Gesänge dienen der Partnerfindung und sind für jede Art charakteristisch. Viele Arten erzeugen Ultraschallfrequenzen, die für das menschliche Ohr kaum oder gar nicht wahrnehmbar sind. Die Punktierte Zartschrecke etwa striduliert fast ausschließlich im Ultraschallbereich. Laubheuschrecken sind Einzelgänger und bilden keine Schwärme oder Gruppen. Revierverhalten ist bei einzelnen Arten bekannt, bleibt aber weniger ausgeprägt als bei manchen Grillen (Gryllidae).
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Juni bis Oktober. Nach der akustischen Balz und der Paarung überträgt das Männchen eine Spermatophore an das Weibchen. Diese enthält neben den Spermien ein nährstoffreiches Anhängsel (Spermatophylax), das vom Weibchen gefressen wird und als Nährstoffgeschenk die Befruchtungschancen erhöht.
Mit ihrem Ovipositor legt das Weibchen die Eier je nach Art in Pflanzengewebe,