Leinsamen
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Definition & Überblick
Leinsamen sind die reifen Samen der Flachspflanze (Linum usitatissimum) und zählen zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. In der Tierernährung spielen sie seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle – zunächst vor allem als Futtermittel für Pferde und Rinder, heute auch in der Ernährung von Hunden, Katzen, Geflügel und Ziervögeln. Leinsamen gelten als Ergänzungsfuttermittel mit herausragendem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, Schleimstoffen und hochwertigen Proteinen. Im Handel sind sie als ganze Samen, geschrotet, als Leinkuchen (Pressrückstand nach der Ölgewinnung) oder in Form von Leinöl erhältlich. Die Farben reichen von goldgelb bis dunkelbraun, wobei beide Varianten ernährungsphysiologisch nahezu gleichwertig sind.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Leinsamen zeichnen sich durch eine außergewöhnlich günstige Nährstoffkombination aus. Die durchschnittliche Zusammensetzung pro 100 g beträgt:
- Rohfett: 35–45 g, davon bis zu 55 % Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure)
- Rohprotein: 20–25 g mit einem günstigen Aminosäureprofil (reich an Methionin und Cystein)
- Rohfaser: 25–28 g, davon ein hoher Anteil lösliche Schleimstoffe (Polysaccharide)
- Mineralstoffe: Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Zink, Eisen, Mangan
- Vitamine: vor allem B-Vitamine (B1, B2, B6, Folsäure) sowie Vitamin E als natürliches Antioxidans
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Lignane mit antioxidativer Wirkung
Ein kritischer Inhaltsstoff ist das cyanogene Glykosid Linamarin, das im Verdauungstrakt Blausäure freisetzen kann. Die Konzentration ist in handelsüblichen Futterleinsamen jedoch gering und wird durch Erhitzen (Kochen, Aufbrühen) weitgehend unschädlich gemacht. Geschrotete Leinsamen setzen die Nährstoffe besser frei als ganze Samen, werden aber auch schneller ranzig.
Für welche Tiere geeignet?
- Pferde: Klassisches Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung von Verdauung, Fellglanz und Atemwegen. Aufgekochter Leinsamen-Schleim wird traditionell bei Kotwasser und Magenreizungen eingesetzt.
- Rinder und kleine Wiederkäuer (Schafe, Ziegen): Leinkuchen dient als proteinreiches Kraftfutter. Der hohe Fettgehalt ganzer Leinsamen erfordert bei Wiederkäuern eine zurückhaltende Dosierung, da Fett die Pansenfermentation stören kann.
- Hunde: Geschroteter Leinsamen oder Leinöl ergänzt die Futterration mit Omega-3-Fettsäuren und unterstützt Haut, Fell und Verdauung. Besonders sinnvoll bei getreidefreier Fütterung oder selbst zusammengestellten Rationen (BARF).
- Katzen: Nur in sehr geringen Mengen, da Katzen als obligate Karnivoren pflanzliche Omega-3-Fettsäuren kaum in EPA und DHA umwandeln können. Fischöl ist hier die bessere Wahl.
- Geflügel und Ziervögel: Leinsamen bereichern die Körnermischung, sollten aber wegen des hohen Fettgehalts nur als kleiner Anteil der Gesamtfuttermenge gegeben werden.
- Schweine: Leinkuchen und Leinsamen als Proteinquelle im Mischfutter, wobei hohe Gaben das Fettsäuremuster im Schlachtkörper verändern können.
Fütterungsempfehlung
Leinsamen sind kein Alleinfuttermittel, sondern ergänzen die bestehende Futterration. Die empfohlene Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht und Verwendungszweck:
- Pferde (600 kg): 50–100 g geschroteter oder aufgekochter Leinsamen pro Tag, aufgeteilt auf ein bis zwei Mahlzeiten. Bei der Zubereitung als Schleim den Leinsamen mit der dreifachen Menge Wasser aufkochen und mindestens 20 Minuten quellen lassen.
- Hunde: 1 Teelöffel (ca. 5 g) pro 10 kg Körpergewicht täglich, geschrotet und unter das Futter gemischt. Bei ganzen Samen passieren diese den Darm unverdaut – daher immer schroten oder quellen lassen.
- Geflügel: Maximal 5 % der gesamten Futtermischung. Ein zu hoher Anteil kann durch die Schleimstoffe die Kotkonsistenz negativ beeinflussen.
- Rinder: Leinkuchen bis zu 1–2 kg pro Tier und Tag im Kraftfutter. Ganze Leinsamen zurückhaltender dosieren (200–500 g).
Das Fütterungsintervall kann täglich sein, bei empfindlichen Tieren empfiehlt sich ein schrittweises Anfüttern über eine Woche. Frisch geschrotete Leinsamen sollten innerhalb von 24 Stunden verfüttert werden, da das freigesetzte Fett schnell oxidiert.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken und Fell, Haut sowie Hufqualität verbessern
- Schleimstoffe schützen die Magen- und Darmschleimhaut und fördern eine gesunde Verdauung
- Hochwertige Proteinquelle mit essentiellen Aminosäuren
- Natürliche Unterstützung bei Verstopfung durch die quellfähigen Fasern
- Vergleichsweise günstig und lange lagerfähig (ganze Samen)