Leopardnatter
LTierart – Reptilien > Schlangen – Nattern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Zamenis situla (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Zamenis
- Lebensraum: Trockene, steinige Habitate im Mittelmeerraum; Macchie, Garigue, Trockenmauern, lichte Wälder
- Größe: 70–100 cm, selten bis 120 cm Gesamtlänge
- Gewicht: 150–400 g
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre (in Gefangenschaft bis 25 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Die Leopardnatter gilt als eine der farbenprächtigsten Schlangen Europas. Ihre Grundfärbung variiert von hellgrau über gelblich bis zu einem warmen Ockerton. Auf diesem Grund zeigen sich rötliche bis rotbraune, dunkel umrandete Sattelflecken, die sich entlang der gesamten Rückenlinie erstrecken und an das Muster eines Leopardenfells erinnern – daher der deutsche Trivialname. An den Flanken finden sich zusätzliche, kleinere Flecken, die alternierend zu den Rückenflecken angeordnet sind.
Es existieren zwei grundlegende Farbmorphen: die gefleckte Form mit den beschriebenen einzelnen Sattelflecken und die gestreifte Form, bei der die Flecken zu zwei durchgehenden Längsstreifen verschmelzen. Diese gestreifte Variante tritt vor allem in süditalienischen und einigen griechischen Populationen auf.
Der Kopf ist relativ klein und nur wenig vom schlanken Hals abgesetzt. Die Augen sind groß, mit runden Pupillen – ein typisches Merkmal ungiftiger Nattern. Die glatten Schuppen des Körpers verleihen der Leopardnatter einen seidigen Glanz. Bauchseitig ist die Beschuppung gelblich-weiß, teils mit dunklen Flecken versehen. Jungtiere zeigen bereits die charakteristische Zeichnung, die Farben sind jedoch blasser und gewinnen mit jeder Häutung an Intensität.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Leopardnatter erstreckt sich über den östlichen Mittelmeerraum. Es umfasst Süditalien einschließlich Siziliens, Malta, die Küstenregionen Kroatiens, Montenegros und Albaniens, weite Teile Griechenlands mit zahlreichen Ägäis-Inseln, die westliche Türkei sowie die Krim. Vereinzelte Populationen finden sich auch in der südlichen Ukraine.
Als typische Bewohnerin mediterraner Biotope bevorzugt die Leopardnatter trockene, sonnige Standorte mit ausreichend Versteckmöglichkeiten. Dazu zählen steinige Hänge, alte Trockenmauern, Ruinen, Olivenhaine, Weinberge und aufgelockerte Macchie-Vegetation. Die Schlange ist bis in Höhenlagen von etwa 1.600 Metern anzutreffen, wobei sie in tieferen Lagen deutlich häufiger vorkommt. Sie meidet dichte, geschlossene Wälder und stark feuchte Gebiete. Die Nähe menschlicher Siedlungen wird toleriert, sofern geeignete Strukturen wie Steinmauern, Holzstapel oder alte Gebäude als Unterschlupf dienen.
Ernährung
Die Leopardnatter ernährt sich vorwiegend von kleinen Säugetieren, insbesondere Mäusen und jungen Ratten. Daneben stehen Eidechsen, Geckos und gelegentlich kleine Vögel sowie deren Eier auf dem Speiseplan. Jungtiere fressen hauptsächlich Eidechsen und Insekten, bevor sie mit zunehmender Körpergröße auf Nagetiere umsteigen.
Als würgende Natter überwältigt sie ihre Beute durch Umschlingen und Ersticken. Dabei windet sie zwei bis drei Körperschlingen um das Beutetier und erhöht den Druck mit jeder Ausatmung des Opfers. Gelegentlich wird kleinere Beute auch direkt lebend verschlungen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt kopfvoran. Zwischen den einzelnen Mahlzeiten können je nach Größe der Beute mehrere Tage bis Wochen vergehen.
Verhalten & Lebensweise
Die Leopardnatter ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, insbesondere während der heißen Sommermonate. Im Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturen gemäßigter sind, zeigt sie sich auch tagsüber beim Sonnenbaden auf Steinen oder Mauern. Sie lebt einzelgängerisch und beansprucht kein festes Revier im engeren Sinne, hält sich aber über längere Zeiträume in einem begrenzten Aktionsradius auf.
Bei Bedrohung zeigt die Leopardnatter ein typisches Abwehrverhalten: Sie vibriert mit der Schwanzspitze, die auf trockenem Laub ein rasselndes Geräusch erzeugen kann. Zudem kann sie den vorderen Körperabschnitt abflachen und zischend zustoßen, beißt jedoch selten. Ihr Biss ist für den Menschen ungefährlich, da sie über kein Gift verfügt.
Die Winterruhe erstreckt sich je nach Region von November bis März. Die Schlangen überwintern in Felsspalten, Nagetierbauten oder unter Steinplatten, mitunter auch in kleinen Gruppen gemeinsam mit anderen Schlangenarten wie der Schlingnatter (Coronella austriaca) oder der Äskulapnatter (Zamenis longissimus).
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt unmittelbar nach der Winterruhe, typischerweise zwischen April und Mai. Die Männchen suchen die Weibchen aktiv über Duftspuren auf. Rivalisierende Männchen können Kommentkämpfe austragen, bei denen sie ihre Körper umeinanderwinden und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken.
Die Leopardnatter ist ovipar (eierlegend). Etwa sechs bis acht Wochen nach der Paarung legt das Weibchen zwischen zwei und acht längliche, weichschalige Eier an einem geschützten, leicht feuchten Platz ab – häufig unter Steinen, in Mauerspalten oder in lockerem Erdreich. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 50 bis 70 Tage. Die Schlüpflinge messen etwa 25 bis 30 Zentimeter und sind vom ersten Moment an selbstständig. Eine elter