Lunge
LFutter & Ernährung > Futtermittel – tierisch
Definition & Überblick
Lunge zählt zu den tierischen Innereien und wird als Schlachtnebenprodukt von Rind, Lamm, Schwein, Pferd oder Wild gewonnen. In der Tierernährung hat sie eine lange Tradition – sowohl als Bestandteil roher Futterrationen (BARF) als auch in getrockneter Form als Kausnack. Da Lunge überwiegend aus Bindegewebe und Knorpelstrukturen besteht und im Vergleich zu Muskelfleisch einen geringeren Nährwert aufweist, wird sie als Ergänzungsfuttermittel eingestuft und sollte nie alleinige Proteinquelle in der Futterration sein.
Trotz ihres begrenzten Nährstoffprofils ist Lunge ein geschätztes Futtermittel: Sie ist extrem fettarm, gut verträglich und wird von den meisten Hunden und Katzen gerne angenommen. Gerade für übergewichtige Tiere oder als kalorienarme Belohnung im Training hat sich getrocknete Lunge bewährt.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffzusammensetzung von Lunge variiert je nach Tierart und Zubereitungsform. Typische Analysewerte für frische Rinderlunge lauten:
- Protein: ca. 14–17 % – moderate Eiweißquelle, allerdings mit hohem Anteil an Bindegewebsproteinen (Kollagen, Elastin), die eine geringere biologische Wertigkeit aufweisen als Muskelprotein
- Fett: ca. 2–3 % – ausgesprochen fettarm, was Lunge diättauglich macht
- Rohfaser: nicht nennenswert vorhanden
- Wasser: ca. 78–80 % im frischen Zustand
- Mineralstoffe (Rohasche): ca. 1 % – enthält geringe Mengen an Eisen, Zink und Phosphor
- Vitamine: moderate Gehalte an B-Vitaminen, insbesondere Vitamin B12 und Niacin; im Vergleich zu Leber oder Niere jedoch deutlich geringer
Getrocknete Lunge konzentriert diese Werte durch den Wasserentzug erheblich: Der Proteingehalt steigt auf 50–70 %, der Fettgehalt bleibt mit 3–8 % niedrig. Der Kaloriengehalt liegt bei etwa 300–350 kcal pro 100 g Trockenlunge.
Für welche Tiere geeignet?
Lunge findet vor allem in der Hunde- und Katzenernährung Verwendung:
- Hunde: Besonders beliebt als getrockneter Kausnack, als Zutat im BARF-Plan oder püriert als Bestandteil von Mahlzeiten. Geeignet für alle Rassen und Altersgruppen, von Welpen ab der 12. Lebenswoche bis zu Senioren.
- Katzen: Frische oder gefrostete Lunge wird häufig in BARF-Rationen für Katzen eingesetzt. Getrocknete Lungenstückchen eignen sich als Leckerli. Aufgrund des hohen Bindegewebsanteils sollte der Lungeanteil bei Katzen eher gering ausfallen.
- Frettchen: Als Innereienkomponente in kleinen Mengen akzeptabel.
Für Pflanzenfresser wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Pferde ist Lunge als Futtermittel selbstverständlich nicht geeignet.
Fütterungsempfehlung
Da Lunge kein Alleinfuttermittel ist, gelten klare Mengenbeschränkungen innerhalb der Futterration:
- BARF-Rationen (Hund): Lunge sollte maximal 10–15 % des gesamten Innereienanteils ausmachen. In einer typischen Futterration, bei der Innereien etwa 15 % der Gesamtmenge bilden, entspricht das rund 1,5–2 % der täglichen Futtermenge.
- BARF-Rationen (Katze): Maximal 5 % der Innereienkomponente, da Katzen auf hochwertige Aminosäuren wie Taurin angewiesen sind, die in Lunge nur begrenzt vorkommen.
- Getrocknete Lunge als Snack: Für einen mittelgroßen Hund (15–25 kg) reichen 20–40 g pro Tag. Die Kalorienzufuhr durch Leckerlis sollte 10 % des täglichen Energiebedarfs nicht überschreiten.
- Fütterungsintervall: Lunge muss nicht täglich gegeben werden. Eine Fütterung von 2–3 Mal pro Woche als Abwechslung im Innereienanteil ist sinnvoll.
Wichtig: Frische Lunge quillt im Magen stark auf. Es empfiehlt sich, sie vor dem Verfüttern kleinzuschneiden oder kurz zu blanchieren, um das Volumen zu reduzieren und die Verdaulichkeit zu verbessern.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Sehr fettarm und kalorienreduziert – ideal für übergewichtige Tiere oder als Diätkomponente
- Hohe Akzeptanz bei den meisten Hunden und Katzen
- Getrocknete Lunge ist ein langlebiger, leicht portionierbarer Kausnack ohne Zusatzstoffe
- Gut verträglich, auch für Tiere mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt
- In seltenen Proteinquellen (Lamm, Pferd, Wild) erhältlich – vorteilhaft bei Futtermittelallergien und Ausschlussdiäten
- Kostengünstiges Futtermittel
Nachteile:
- Geringe biologische Wertigkeit des Proteins aufgrund des hohen Bindegewebsanteils
- Nährstoffprofil kann den Bedarf an essenziellen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen nicht decken
- Frische Lunge quillt erheblich auf und kann bei übermäßiger Fütterung zu Blähungen oder Erbrechen führen
- Schwammige Konsistenz wird beim BARF-Portionieren von manchen Haltern als unangenehm empfunden