Mandrill
MTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mandrillus sphinx
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
- Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
- Gattung: Mandrillus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder Zentralafrikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 55–95 cm, Schwanzlänge ca. 5–8 cm
- Gewicht: Männchen 25–35 kg (in Ausnahmefällen über 50 kg), Weibchen 10–15 kg
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn ca. 20–25 Jahre, in Gefangenschaft bis 40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Mandrill gilt als der größte Vertreter unter den Altweltaffen, die nicht zu den Menschenaffen zählen. Der Geschlechtsdimorphismus ist bei dieser Art extrem ausgeprägt: Ausgewachsene Männchen erreichen etwa das dreifache Körpergewicht der Weibchen und übertreffen diese auch in der Körpergröße deutlich.
Das auffälligste Merkmal des Mandrills ist die intensiv gefärbte Gesichtspartie der Männchen. Die erhabenen, längs verlaufenden Knochenwülste auf dem Nasenrücken leuchten in kräftigem Blau, während die Nase selbst leuchtend rot gefärbt ist. Diese Farbgebung beruht nicht auf Pigmenten, sondern auf der Struktur der kollagenen Fasern in der Haut, die das Licht entsprechend brechen – ein physikalisches Phänomen, das in der Biologie als Strukturfarbe bezeichnet wird. Um das Maul herum zeigt sich ein gelblicher bis orangefarbener Bart. Die Gesäßregion beider Geschlechter ist in Blau-, Rosa- und Violetttönen gefärbt, bei dominanten Männchen besonders intensiv.
Das Fell ist an der Oberseite olivgrün bis dunkelbraun, an der Bauchseite heller, oft gräulich-weiß. Die Gliedmaßen sind kräftig gebaut und auf eine vorwiegend terrestrische Fortbewegung ausgelegt. Wie alle Meerkatzenverwandten besitzen Mandrills Backentaschen, in denen sie Nahrung zwischenspeichern können. Erwachsene Männchen verfügen über mächtige Eckzähne, die bis zu 6 cm lang werden und sowohl der Verteidigung als auch der innerartlichen Konkurrenz dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Mandrills beschränkt sich auf einen vergleichsweise kleinen Bereich in Zentralafrika. Es umfasst den Süden Kameruns, Äquatorialguinea, Gabun und die Republik Kongo. Als natürliche Grenze dient im Osten der Fluss Sanaga im Norden und der Ogooué im Süden. Jenseits des Sanaga wird der Mandrill durch seine Schwesterart, den Drill (Mandrillus leucophaeus), abgelöst.
Mandrills bewohnen dichte, tropische Regenwälder des Tieflandes sowie Galeriewälder und gelegentlich angrenzende Sekundärwälder. Ihr bevorzugtes Habitat sind geschlossene Waldgebiete mit dichtem Unterwuchs, in denen sie sowohl am Boden als auch in den unteren Baumschichten Nahrung finden. Offene Savannen oder Graslandschaften werden gemieden. Zum Schlafen ziehen sich die Tiere in die Baumkronen zurück.
Ernährung
Der Mandrill ist ein Allesfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Den Hauptanteil der Nahrung bilden Früchte, die je nach Saison bis zu 90 Prozent der Kost ausmachen können. Daneben fressen die Tiere Samen, Nüsse, Blätter, Mark, Pilze und Baumrinde. Ergänzt wird die pflanzliche Kost durch tierische Proteinquellen: Insekten, Spinnen, Skorpione, Schnecken, Frösche und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Eidechsen oder Nagetiere. Die Backentaschen erlauben es den Tieren, gefundene Nahrung einzulagern und an einem geschützteren Ort in Ruhe zu verzehren.
Verhalten & Lebensweise
Mandrills sind tagaktiv und verbringen den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche am Waldboden. Dabei bewegen sie sich in der Regel auf allen vier Gliedmaßen fort. Trotz ihrer Größe klettern sie geschickt und suchen die Bäume zum Schlafen sowie zur Flucht vor Raubtieren auf. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Leoparden und große Greifvögel, insbesondere für Jungtiere.
Die Sozialstruktur der Mandrills ist komplex. Weibchen bilden mit ihrem Nachwuchs stabile Kerngruppen, die typischerweise 15 bis 50 Individuen umfassen. Diese Gruppen werden von verwandten Weibchen dominiert – die Sozialstruktur ist matrilinear. Während der Trockenzeit, wenn Nahrungsressourcen konzentriert auftreten, können sich mehrere solcher Gruppen zu sogenannten Horden zusammenschließen, die mehrere Hundert Tiere umfassen. In Gabun wurden Aggregationen von über 600 Individuen dokumentiert – die größten bekannten Ansammlungen bei nichtmenschlichen Primaten überhaupt.
Erwachsene Männchen leben außerhalb der Fortpflanzungszeit oft solitär oder am Rand der Gruppe. Innerhalb der Gruppe herrscht eine klare Rangordnung. Dominante Männchen zeichnen sich durch intensivere Gesichts- und Gesäßfärbung aus. Diese Farbintensität korreliert mit dem Testosteronspiegel und signalisiert anderen Artgenossen den sozialen Status. Unterlegene Männchen sind deutlich blasser gefärbt. Gegenseitige Fellpflege spielt eine zentrale Rolle bei der Festigung sozialer Bindungen, vor allem unter Weibchen.
Zur Kommunikation nutzen Mandrills ein Repertoire aus Lautäußerungen, Mimik und Körperhaltungen. Ein verbreitetes Signal ist das sogenannte „Stare" – ein direktes Anstarren mit geöffnetem Maul, das die Eckzähne entblößt und als Drohgebärde fungiert. Trotz ihres einschüchternden Aussehens gelten Mandrills als weniger aggressiv als viele andere Pavianartige.