Mangrovennatter
MTierart – Reptilien > Schlangen – Nattern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Boiga dendrophila
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Nachtbaumnattern (Boiga)
- Lebensraum: Mangrovenwälder, Küstenwälder, Tieflandregenwälder Südostasiens
- Größe: 180–250 cm, selten bis 280 cm
- Gewicht: 1,0–2,5 kg
- Lebenserwartung: ca. 12–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Mangrovennatter gehört zu den auffälligsten Vertretern der Gattung Boiga. Ihr schlanker, seitlich leicht abgeflachter Körper ist an eine baumbewohnende (arborikole) Lebensweise angepasst. Die Grundfärbung der glatten, glänzenden Schuppen ist ein tiefes Blauschwarz, das von schmalen gelben bis gelbweißen Querbändern durchbrochen wird. Die Anzahl und Breite dieser Bänder variiert je nach Unterart. Insgesamt werden bis zu neun Unterarten anerkannt, darunter Boiga dendrophila melanota von der Malaiischen Halbinsel und Boiga dendrophila gemmicincta von Sulawesi.
Der deutlich vom Hals abgesetzte Kopf ist breit und dreieckig, was der Mangrovennatter ein viperartiges Erscheinungsbild verleiht. Die großen Augen besitzen eine senkrecht geschlitzte Pupille – ein typisches Merkmal nachtaktiver Schlangenarten. Die Unterseite des Kopfes und der Lippenregion (Labialschuppen) ist leuchtend gelb gefärbt und bildet einen starken Kontrast zum dunklen Oberkopf. Diese auffällige Färbung wird als aposematische Warntracht gedeutet, die potenzielle Fressfeinde auf Abstand halten soll.
Als trugnatternähnliche Art (Opisthoglyphe) besitzt die Mangrovennatter im hinteren Bereich des Oberkiefers vergrößerte, gefurchte Zähne, über die ein mildes Gift in die Bisswunde geleitet wird. Das Gift wirkt bei Beutetieren effektiv, ist für den Menschen jedoch in der Regel nicht gefährlich, wenngleich ein Biss lokale Schwellungen und Schmerzen verursachen kann.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Mangrovennatter erstreckt sich über weite Teile Südostasiens. Sie kommt von Thailand, Myanmar und der Malaiischen Halbinsel über Sumatra, Borneo und Java bis zu den Philippinen und Sulawesi vor. Ihr bevorzugtes Habitat sind küstennahe Mangrovenwälder, in denen sie sich im dichten Wurzelwerk und Astgeflecht der Mangroven aufhält. Daneben besiedelt sie auch Tieflandregenwälder, Sumpfgebiete und Flussufer bis in Höhenlagen von etwa 500 Metern.
Das enge Biotop der Mangrovenwälder bietet dieser Art ideale Bedingungen: hohe Luftfeuchtigkeit, ein reiches Nahrungsangebot und zahlreiche Versteckmöglichkeiten im Gewirr aus Luftwurzeln, Ästen und dichter Vegetation. In der Nähe menschlicher Siedlungen wird sie gelegentlich auch in Obstplantagen, Gärten und an Fischteichen angetroffen.
Ernährung
Die Mangrovennatter ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie ernährt sich vorwiegend von kleinen Wirbeltieren: Eidechsen, Geckos, Frösche, Vögel und deren Eier sowie kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten stehen auf ihrem Speiseplan. In Mangrovenhabitaten erbeutet sie auch Fische und Krabben, die sie im flachen Wasser oder zwischen den Stelzwurzeln aufspürt.
Die Beute wird durch einen Biss festgehalten und mit den hinteren Furchenzähnen vergiftet. Das leichte Gift der opisthoglyphen Bezahnung wirkt lähmend auf die Beutetiere und erleichtert deren Verzehr. Größere Beutetiere werden zusätzlich durch Körperschlingen fixiert, bevor sie im Ganzen verschlungen werden.
Verhalten & Lebensweise
Die Mangrovennatter ist überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruht sie in Baumhöhlen, dichtem Blattwerk oder zwischen Mangrovenwurzeln. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt sie ihre Nahrungssuche, wobei sie sich sowohl kletternd durch das Geäst als auch am Boden und im flachen Wasser fortbewegt. Ihr seitlich komprimierter Körper und der lange Greifschwanz machen sie zu einer geschickten Kletterin.
Die Art lebt einzelgängerisch. Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigt sie nicht, doch bewohnt sie regelmäßig dieselben Versteckplätze über längere Zeiträume. Bei Bedrohung nimmt die Mangrovennatter eine typische Drohstellung ein: Sie flacht den Hals seitlich ab, reißt das Maul auf und zeigt die kontrastreich gefärbte Maulinnenseite. Dabei kann sie heftig und wiederholt zubeißen. Dieses aggressive Verteidigungsverhalten macht sie trotz ihrer relativ geringen Giftigkeit zu einer Schlange, die mit Respekt behandelt werden sollte.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Mangrovennatter ist ovipar, also eierlegend. Die Paarungszeit fällt in den tropischen Regionen ihres Verbreitungsgebietes nicht auf eine bestimmte Jahreszeit, sondern kann ganzjährig stattfinden, mit Häufungen in der Regenzeit. Nach der Paarung legt das Weibchen etwa 4 bis 15 Eier in feuchtes Substrat – bevorzugt in verrottende Vegetation, Baumhöhlen oder unter Baumwurzeln.
Die Inkubationszeit beträgt bei natürlicher Temperatur etwa 80 bis 100 Tage. Die Schlüpflinge messen 30 bis 40 cm und zeigen bereits die charakteristische schwarz-gelbe Bänderung der Adulttiere, oft sogar in noch intensiverer Ausprägung. Die Jungtiere sind von Geburt an selbstständig und beginnen sofort mit der