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Maulwurfsgrille

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gryllotalpa gryllotalpa
  • Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera), innerhalb der Ordnung Geradflügler (Orthoptera)
  • Familie: Maulwurfsgrillen (Gryllotalpidae)
  • Gattung: Gryllotalpa
  • Lebensraum: Feuchte, lockere Böden – Gärten, Äcker, Flussauen, Wiesen
  • Größe: 35–50 mm Körperlänge, in Ausnahmefällen bis 60 mm
  • Gewicht: ca. 6–12 g
  • Lebenserwartung: 2–3 Jahre (einschließlich Larvalentwicklung)

Aussehen & Merkmale

Die Maulwurfsgrille gehört zu den größten heimischen Insekten und ist auf den ersten Blick kaum als Grille zu erkennen. Ihr gedrungener, zylindrischer Körper ist samtartig behaart und von dunkelbrauner bis olivbrauner Färbung, die Unterseite heller, gelblich-braun. Der mächtige Vorderkörper – bestehend aus Kopf und dem breiten Halsschild (Pronotum) – macht etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus und wirkt im Verhältnis zum schmaleren Hinterleib unverhältnismäßig kräftig.

Das auffälligste Merkmal sind die zu Grabschaufeln umgebildeten Vorderbeine. Sie sind stark verbreitert, abgeflacht und mit kräftigen, zahnartigen Fortsätzen versehen – eine Anpassung an das Leben im Erdreich, die funktionell den Grabschaufeln des Maulwurfs entspricht. Diese konvergente Entwicklung gab dem Tier seinen deutschen Namen. Die mittleren und hinteren Beinpaare sind deutlich schlanker; die Hinterbeine sind im Gegensatz zu vielen anderen Grillen nicht zu Sprungbeinen ausgebildet.

Die Maulwurfsgrille besitzt zwei Paar Flügel. Die kurzen, lederartigen Vorderflügel (Tegmina) bedecken nur etwa die Hälfte des Hinterleibs. Die häutigen Hinterflügel sind dagegen lang und werden in Ruhe zu schmalen Zipfeln zusammengefaltet, die über das Körperende hinausragen. Trotz ihres plumpen Erscheinungsbilds ist die Maulwurfsgrille flugfähig, nutzt diese Fähigkeit aber selten. Am Hinterende sitzen zwei deutliche Cerci – fadenförmige Anhänge, die als Tastorgane dienen. Die Facettenaugen sind klein, die fadenförmigen Antennen mittellang.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Gryllotalpa gryllotalpa erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Westasiens. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis nach Russland vor, fehlt jedoch in Skandinavien nördlich von Südschweden weitgehend. In Mitteleuropa ist sie zwar weit verbreitet, aber vielerorts selten geworden.

Als Habitat bevorzugt die Maulwurfsgrille feuchte, lockere und humusreiche Böden. Typische Biotope sind Flussauen, Überschwemmungswiesen, Gemüsegärten, Komposthaufen und bewässerte Ackerflächen. Schwere, verdichtete oder trockene Böden meidet sie, da ihre Grabtätigkeit dort erheblich erschwert wird. In Gärten und auf Sportplätzen kann sie durch ihre Wühltätigkeit auffallen, was ihr den Ruf eines Schädlings eingebracht hat.

Ernährung

Die Maulwurfsgrille ist ein Allesfresser (Omnivore) mit Tendenz zur räuberischen Lebensweise. Einen erheblichen Teil ihrer Nahrung machen Bodeninsekten, Larven, Regenwürmer und andere Wirbellose aus, die sie beim Graben erbeutet. Daneben frisst sie Pflanzenwurzeln, Knollen und Keimpflanzen, was sie in Gemüsegärten und auf landwirtschaftlichen Flächen unbeliebt macht. Das Verhältnis von tierischer zu pflanzlicher Nahrung variiert je nach Angebot und Jahreszeit. In Laborversuchen zeigten Maulwurfsgrillen eine deutliche Präferenz für tierische Kost.

Verhalten & Lebensweise

Die Maulwurfsgrille ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Großteil ihres Lebens unterirdisch. Mit ihren Grabschaufeln legt sie ein verzweigtes Gangsystem in einer Tiefe von meist 5–20 cm an, das aus Lauf- und Fraßgängen besteht. Im Winter zieht sie sich in tiefere Bodenschichten zurück – bis zu einem Meter Tiefe –, um frostfreie Zonen zu erreichen.

An warmen Abenden zwischen Mai und Juni verlassen die Männchen ihre Gänge und erzeugen ihren charakteristischen Gesang, ein tiefes, langanhaltendes Schwirren, das an das Schnurren einer Katze erinnert und über 60 Dezibel erreichen kann. Der Ton wird mithilfe einer Schrillkante an den Vorderflügeln erzeugt (Stridulation). Um die Lautstärke zu verstärken, baut das Männchen am Eingang seines Ganges eine trichterförmige Resonanzkammer – ein akustisches Verstärkersystem, das die Schallausbreitung auf bis zu 600 Meter Entfernung ermöglicht. Flugfähige Weibchen orientieren sich an diesem Lockruf und fliegen das Männchen gezielt an. Dieser Vorgang stellt die Balz der Maulwurfsgrille dar.

Maulwurfsgrillen leben solitär und beanspruchen kein festes Revier im engeren Sinne, verteidigen jedoch ihren unmittelbaren Gangbereich gegenüber Artgenossen. An der Erdoberfläche bewegen sie sich unbeholfen; bei Gefahr verschwinden sie rasch in ihren Gängen. In seltenen Fällen sind kurze Flüge zu beobachten, meist in warmen Nächten und im Zusammenhang mit der Partnerfindung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung im späten Frühjahr legt das Weibchen in einer speziell angelegten unterirdischen Brutkammer 150 bis 350 Eier ab. Diese Kammer liegt in etwa 10–30 cm Tiefe und ist faustgroß, mit geglätteten Wänden. Das Weibchen bewacht die Eier und hält die Kammer sauber, indem es Schimmelbefall durch