Mausohr
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Myotis myotis (Borkhausen, 1797)
- Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
- Familie: Glattnasen-Fledermäuse (Vespertilionidae)
- Gattung: Mausohren (Myotis)
- Lebensraum: Laubwälder, Kulturlandschaften, Siedlungsnähe; Quartiere in Dachstühlen, Kirchen, Höhlen und Stollen
- Körperlänge: 6,7–8,4 cm (Kopf-Rumpf)
- Flügelspannweite: 35–43 cm
- Gewicht: 20–45 g
- Lebenserwartung: bis zu 25 Jahre, in Ausnahmefällen über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Große Mausohr (Myotis myotis) ist die größte einheimische Fledermausart Mitteleuropas. Die namensgebenden Ohren sind lang, breit und erreichen eine Länge von etwa 2,4–2,6 cm. Sie überragen, nach vorn geklappt, deutlich die Schnauzenspitze. Der Tragus – ein aufrechter Knorpelfortsatz im Ohr – ist schlank und lanzettförmig, was die Art von vielen verwandten Myotis-Arten unterscheidet.
Das Fell ist auf der Oberseite graubraun bis rötlich-braun gefärbt, die Unterseite hebt sich durch ein helles Grau bis Weißlich deutlich ab. Der Kontrast zwischen Ober- und Unterseite ist ein gutes Bestimmungsmerkmal im Feld. Die Schnauze ist breit und kräftig gebaut, das Gesicht weitgehend unbehaart und rosafarben. Die Flughäute sind dunkelbraun und zwischen den langen Fingerknochen aufgespannt. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 43 cm bewegt sich das Große Mausohr im oberen Bereich der mitteleuropäischen Fledermausarten.
Das Kleine Mausohr (Myotis blythii), eine nahe verwandte Art, ähnelt dem Großen Mausohr stark, ist jedoch geringfügig kleiner und hat eine etwas schmalere Schnauze. In Gebieten, in denen beide Arten syntop vorkommen – etwa in Südeuropa – können Verwechslungen auftreten. Genetische Untersuchungen und Vermessungen des Schädels ermöglichen eine sichere Unterscheidung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Großen Mausohrs erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht im Osten bis in den Nahen Osten und nach Nordafrika. In Mitteleuropa ist die Art von den Tieflagen bis in Mittelgebirgsregionen verbreitet. Nach Norden hin erreicht sie Südengland und Südschweden, wobei isolierte Vorkommen dort selten sind.
Als bevorzugtes Habitat dienen lichte Laubwälder und Mischwälder mit geringer Kraut- und Strauchschicht, da die Art ihre Beute häufig direkt vom Boden aufsammelt. Auch strukturreiche Kulturlandschaften mit Hecken, Streuobstwiesen und extensiv genutztem Grünland bieten geeignete Jagdreviere. Die Sommerquartiere – sogenannte Wochenstuben – befinden sich typischerweise auf Dachböden großer Gebäude wie Kirchen, Schlösser oder Scheunen. Im Winter bezieht das Große Mausohr unterirdische Quartiere: Höhlen, aufgelassene Bergwerksstollen und Kellergewölbe, in denen konstante Temperaturen zwischen 2 und 10 °C herrschen und die Luftfeuchtigkeit hoch ist.
Ernährung
Das Große Mausohr ernährt sich überwiegend von bodenbewohnenden Gliederfüßern. Laufkäfer (Carabidae) machen den größten Anteil der Nahrung aus, ergänzt durch Spinnen, Hundertfüßer, Weberknechte und gelegentlich Nachtfalter. Die Art nutzt eine für Fledermäuse ungewöhnliche Jagdstrategie: Sie fliegt in geringer Höhe über den Waldboden und ortet ihre Beute nicht nur über Echoortung, sondern zusätzlich über die Raschelgeräusche, die Insekten beim Laufen auf Laub erzeugen. Diese passive akustische Lokalisation wird als „Gleaning" bezeichnet. Das Mausohr sammelt seine Beute dann im kurzen Rüttelflug oder in einer schnellen Landung direkt vom Substrat auf.
Die Jagdgebiete können bis zu 15 km vom Quartier entfernt liegen. Einzelne Individuen nutzen dabei regelmäßig dieselben Flugrouten entlang linearer Landschaftselemente wie Waldränder, Hecken oder Bachläufe.
Verhalten & Lebensweise
Wie alle einheimischen Fledermäuse ist das Große Mausohr streng nachtaktiv. Der Ausflug aus dem Quartier erfolgt in der Regel erst nach Einbruch der Dunkelheit, oft 30–60 Minuten nach Sonnenuntergang. Der Flug ist relativ langsam und wendig, mit einer typischen Geschwindigkeit von 15–30 km/h.
Im Sommerhalbjahr bilden die Weibchen Wochenstubenkolonien, die mehrere hundert bis über tausend Individuen umfassen können. Männchen leben in dieser Zeit einzeln oder in kleinen Gruppen. Die Kolonien zeigen eine hohe Quartiertreue – dieselben Dachstühle werden oft über Jahrzehnte, teilweise über Jahrhunderte hinweg genutzt.
Ab Oktober ziehen die Tiere in ihre Winterquartiere, wo sie in einen echten Winterschlaf verfallen. Dabei senken sie ihre Körpertemperatur auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur ab, die Herzfrequenz sinkt von rund 400 Schlägen pro Minute auf unter 20. Störungen während des Winterschlafs sind energetisch kostspielig und können im schlimmsten Fall tödlich enden, da die Fettreserven für den gesamten Winter kalkuliert sind.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet im Spätsommer und Herbst statt, häufig in sogenannten Schwärmquartieren – Höhlen und Stollen, an denen sich zahlreiche Fledermäuse verschiedener Arten versammeln. Die Weibchen speichern die Spermien über den Winter, die eigentliche Befruchtung erfolgt erst im Frühjahr. Nach einer Tragzeit von etwa 60–70