Meerkatze
MTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cercopithecus (Gattung mit über 20 Arten)
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
- Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Galeriewälder, Savannen und Mangrovenwälder Afrikas südlich der Sahara
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 30–70 cm, Schwanzlänge 40–100 cm (je nach Art)
- Gewicht: 2–9 kg, Männchen deutlich schwerer als Weibchen
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Meerkatzen sind mittelgroße, schlank gebaute Affen mit langen Gliedmaßen und einem auffallend langen Schwanz, der nicht als Greifschwanz dient, sondern vor allem der Balance beim Klettern und Springen dient. Das Fell ist dicht und je nach Art sehr unterschiedlich gefärbt – das Spektrum reicht von olivgrün über blaugrau bis hin zu rötlichbraun. Viele Arten zeichnen sich durch kontrastreiche Gesichtszeichnungen aus: helle Stirnbänder, dunkle Augenumrandungen oder weiße Bartstreifen dienen als arttypische Erkennungsmerkmale. Die Grüne Meerkatze (Cercopithecus aethiops, heute oft als Chlorocebus aethiops in eine eigene Gattung gestellt) etwa trägt ein grünlich-graues Fell mit weißem Bauch und schwarzem Gesicht.
Ein gemeinsames Merkmal aller Meerkatzenverwandten sind die namensgebenden Backentaschen. In diesen dehnbaren Hauttaschen in den Wangen können die Tiere Nahrung zwischenspeichern und an einen sicheren Ort transportieren, bevor sie diese in Ruhe verzehren. Männchen besitzen zudem oft auffällig gefärbte Genitalien – bei der Dianameerkatze (Cercopithecus diana) etwa einen leuchtend orangefarbenen Fleck an den Oberschenkeln –, die bei der innerartlichen Kommunikation eine Rolle spielen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Meerkatzen erstreckt sich über weite Teile Afrikas südlich der Sahara. Die größte Artendichte findet sich in den tropischen Regenwäldern des Kongobeckens, wo teilweise mehrere Arten sympatrisch – also im selben Habitat – vorkommen. Einzelne Arten besiedeln auch trockenere Biotope: Die Grüne Meerkatze bewohnt Savannen, lichte Waldgebiete und sogar urbane Randzonen in Ost- und Südafrika. Andere Arten wie die Große Weißnasenmeerkatze (Cercopithecus nictitans) sind eng an geschlossene Primärwälder gebunden.
Die verschiedenen Meerkatzenarten nutzen innerhalb eines Waldes häufig unterschiedliche Stockwerke. Während manche Arten bevorzugt im Kronenbereich in 20–40 Metern Höhe leben, halten sich andere eher in der mittleren Baumschicht oder am Waldrand auf. Diese vertikale Nischentrennung verringert die Konkurrenz zwischen den Arten und ermöglicht das Nebeneinander mehrerer Spezies.
Ernährung
Meerkatzen ernähren sich omnivor, wobei pflanzliche Nahrung den Hauptanteil der Kost ausmacht. Früchte, Blätter, Blüten, Samen und junge Triebe bilden die Basis des Speiseplans. Ergänzt wird die Nahrung durch Insekten, Spinnen, kleine Eidechsen und gelegentlich Vogeleier. Der genaue Anteil tierischer Kost variiert je nach Art, Jahreszeit und Nahrungsangebot im jeweiligen Habitat. In Zeiten knapper Früchte weichen einige Arten verstärkt auf Blätter und Rinde aus. Die Backentaschen erlauben es den Tieren, an exponierten Futterstellen rasch große Mengen einzusammeln und sich dann zum Fressen in geschütztes Geäst zurückzuziehen – eine wirksame Strategie gegen Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde.
Verhalten & Lebensweise
Meerkatzen sind tagaktive Primaten, die den Großteil des Tages mit Nahrungssuche und sozialer Interaktion verbringen. Sie leben in Gruppen von 10 bis 40 Individuen, die typischerweise aus einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Man spricht bei dieser Sozialstruktur von einem Einmann-Harem. Junge Männchen verlassen die Geburtsgruppe bei Erreichen der Geschlechtsreife und schließen sich als Einzelgänger oder in losen Junggesellenverbänden zusammen, bevor sie versuchen, die Führung einer eigenen Gruppe zu übernehmen.
Die Kommunikation ist vielschichtig und umfasst ein differenziertes Repertoire an Lautäußerungen. Besonders gut untersucht sind die Alarmrufe der Grünen Meerkatzen: Die Tiere geben je nach Fressfeind – Leopard, Adler oder Schlange – unterschiedliche Warnlaute von sich, auf die die Gruppenmitglieder mit spezifischem Fluchtverhalten reagieren. Diese semantischen Alarmrufe gelten als eines der frühesten in der Verhaltensforschung dokumentierten Beispiele für referenzielle Kommunikation bei nichtmenschlichen Primaten.
Gegenseitige Fellpflege – das sogenannte Grooming – stärkt den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und hilft gleichzeitig bei der Parasitenentfernung. Die Gruppen beanspruchen ein festes Revier, das durch Lautäußerungen des adulten Männchens gegenüber Nachbargruppen abgegrenzt wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist in vielen Populationen saisonal, wobei die Geburten häufig in die Regenzeit fallen, wenn das Nahrungsangebot am höchsten ist. Nach einer Tragzeit von etwa fünf bis sechs Monaten bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten. Das Neugeborene klammert sich zunächst am Bauchfell der Mutter fest und wird über mehrere Monate gesäugt