Mittelmeermöwe
MTierart – Vögel > Wasservögel – Möwen & Seeschwalben
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Larus michahellis
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Möwen (Laridae)
- Gattung: Larus
- Lebensraum: Küsten, Inseln, Feuchtgebiete und zunehmend urbane Räume im Mittelmeerraum und angrenzenden Atlantikküsten
- Größe: 52–68 cm Körperlänge, Flügelspannweite 120–155 cm
- Gewicht: 800–1.500 g
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre, in Einzelfällen über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Mittelmeermöwe ist eine große, kräftig gebaute Möwe, die in ihrer Gestalt der Silbermöwe (Larus argentatus) stark ähnelt. Adulte Vögel im Prachtkleid zeigen ein reinweißes Gefieder an Kopf, Hals, Brust und Bauch. Der Rücken und die Oberseite der Flügel sind mittelgrau gefärbt, wobei der Grauton im Durchschnitt etwas dunkler ausfällt als bei der Silbermöwe. Die Flügelspitzen sind schwarz mit weißen Spitzenflecken – ein typisches Muster vieler Großmöwen. Der kräftige Schnabel leuchtet gelb und trägt am Unterschnabel einen auffälligen roten Gonysfleck, der bei der Fütterung der Küken als Auslöser für den Bettelreflex dient.
Die Iris ist gelb, umgeben von einem schmalen orangeroten Orbitalring – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Silbermöwe, deren Orbitalring eher gelblich bis orange gefärbt ist. Die Beine und Füße sind gelb, gelegentlich mit einem leichten Orangeton. Im Schlichtkleid zeigt der Kopf nur eine sehr feine, unauffällige Strichelung, während die Silbermöwe häufig eine deutlichere bräunliche Streifung aufweist.
Jungvögel durchlaufen mehrere Mauserzyklen über einen Zeitraum von etwa vier Jahren, bevor sie das endgültige Adultkleid erreichen. Ihr Jugendgefieder ist bräunlich gefleckt und gescheckt, was die Bestimmung im Feld deutlich erschwert. Ein hilfreicher Hinweis ist die bei jungen Mittelmeermöwen meist hellere Grundfärbung des Kopfes und der Unterseite im Vergleich zu gleichaltrigen Silbermöwen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Mittelmeermöwe erstreckt sich über den gesamten Mittelmeerraum, die Atlantikküste der Iberischen Halbinsel und Frankreichs sowie Teile Nordwestafrikas. In den letzten Jahrzehnten hat die Art ihr Areal deutlich nach Norden und ins Binnenland ausgedehnt. Mittlerweile brütet sie regelmäßig in der Schweiz, in Süddeutschland, Österreich und den Benelux-Staaten. Vereinzelte Brutnachweise liegen auch aus Norddeutschland und Skandinavien vor.
Als Habitat bevorzugt die Mittelmeermöwe felsige Küstenabschnitte, vorgelagerte Inseln und Klippen. Daneben besiedelt sie zunehmend anthropogen geprägte Lebensräume: Flachdächer in Städten, Hafenanlagen, Mülldeponien und Kiesgruben dienen als Brut- und Nahrungsplätze. Diese Anpassungsfähigkeit an menschliche Siedlungsräume hat maßgeblich zur Bestandszunahme beigetragen. An großen Binnengewässern wie dem Bodensee und dem Genfer See hat sich die Art als regelmäßiger Brutvogel etabliert.
Ernährung
Die Mittelmeermöwe ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist. Ihr Spektrum reicht von Fisch und marinen Wirbellosen über Insekten, Regenwürmer und kleine Säugetiere bis hin zu Aas und menschlichen Nahrungsabfällen. An Küsten erbeutet sie Fische, Krebstiere, Seeigel und Muscheln, die sie aus der Luft auf harte Untergründe fallen lässt, um die Schalen zu zerbrechen.
Auf Mülldeponien und in urbanen Gebieten nutzt sie anthropogene Nahrungsquellen in großem Umfang. Zudem ist die Art ein gelegentlicher Nesträuber, der Eier und Küken anderer Seevögel frisst – darunter auch kleinere Möwenarten und Seeschwalben. Dieses Verhalten macht sie in manchen Brutkolonien anderer Wasservögel zu einem ernstzunehmenden Prädator.
Verhalten & Lebensweise
Die Mittelmeermöwe ist tagaktiv und gesellig. Außerhalb der Brutzeit bildet sie größere Trupps an Schlafplätzen und Nahrungsquellen, oft vergesellschaftet mit Silbermöwen, Heringsmöwen (Larus fuscus) und Sturmmöwen (Larus canus). Während der Brutzeit verteidigen die Paare ein Revier rund um den Neststandort aggressiv gegen Artgenossen und andere Eindringlinge – einschließlich Menschen, die sich den Nestern nähern.
Die Art ist überwiegend standorttreu oder ein Kurzstreckenzieher. Populationen aus dem nördlichen Verbreitungsgebiet ziehen im Winter teilweise an die Mittelmeer- oder Atlantikküste. Mediterrane Brutvögel bleiben dagegen meist ganzjährig in Nestnähe. Die Kommunikation erfolgt über ein breites Repertoire an Rufen, darunter der charakteristische, laute „Lachende Ruf", der dem der Silbermöwe ähnelt, aber im Mittel etwas tiefer und nasaler klingt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutsaison beginnt je nach Region zwischen März und Mai. Die Balz umfasst rituelle Fütterungen des Weibchens durch das Männchen, paralleles Kopfnicken und Rufduelle. Mittelmeermöwen leben in der Regel monogam und nutzen denselben Nistplatz über mehrere Jahre.
Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, auf Felsvorsprüngen oder auf Flachdächern, die mit Pflanzenmaterial, Federn und gelegentlich Müll ausgepolstert wird. Das Gelege besteht typischerweise aus zwei bis drei olivbraun gefleckten Eiern. Beide Altvögel bebrüten die Eier etwa 27–31