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Mornellregenpfeifer

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Tierart – Vögel > Vögel – heimisch (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Charadrius morinellus (früher Eudromias morinellus)
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
  • Gattung: Charadrius
  • Lebensraum: Alpine Matten, arktische Tundra, offene Hochflächen
  • Größe: 20–22 cm Körperlänge, Flügelspannweite 57–64 cm
  • Gewicht: 90–145 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Mornellregenpfeifer ist ein kompakt gebauter, mittelgroßer Watvogel mit einem auffälligen Gefieder im Prachtkleid. Das Weibchen zeigt – abweichend von der Mehrzahl der Vogelarten – eine kräftigere Färbung als das Männchen. Im Brutkleid trägt es eine breite weiße Überaugenstreifung, die sich am Hinterkopf zu einem V vereinigt. Die Brust ist von einem schmalen weißen Band durchzogen, oberhalb davon grau, unterhalb roströtlich bis kastanienbraun gefärbt. Der Bauch ist schwarz. Das Männchen zeigt dasselbe Muster, jedoch in deutlich blasseren Tönen.

Im Schlichtkleid wirken beide Geschlechter unscheinbarer. Das Gefieder ist dann überwiegend sandbraun bis graubraun, wobei der helle Überaugenstreif erhalten bleibt. Jungvögel ähneln den Adulten im Schlichtkleid, zeigen aber eine stärkere Schuppung auf der Oberseite durch helle Federsäume. Der Schnabel ist kurz und dunkel, die Beine gelblich bis grünlich. Die großen, dunklen Augen verleihen dem Vogel einen charakteristischen Gesichtsausdruck.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Mornellregenpfeifers erstreckt sich als Brutvogel über die arktische und subarktische Zone Eurasiens – von Schottland über Skandinavien und Finnland bis in die Tundren Sibiriens. Isolierte Brutvorkommen bestehen in Gebirgsregionen Mitteleuropas, darunter in den schottischen Highlands, in Norwegen und vereinzelt in den Alpen.

In Deutschland tritt der Mornellregenpfeifer regelmäßig als Durchzügler auf. Auf dem Herbstzug von Ende August bis Oktober rasten kleinere Trupps bevorzugt auf offenen Ackerflächen, kurzrasigen Weiden und Stoppelfeldern, vor allem im norddeutschen Tiefland und in der Oberrheinebene. Als Brutvogel ist die Art in Deutschland extrem selten und nur mit Einzelnachweisen aus den bayerischen Alpen dokumentiert.

Das bevorzugte Bruthabitat sind baumlose, windexponierte Hochflächen und Fjällheiden oberhalb der Baumgrenze sowie arktische Tundra mit spärlicher Vegetation aus Flechten, Moosen und niedrigen Zwergsträuchern. Die Überwinterungsgebiete liegen in Nordafrika, vor allem in den Halbwüsten und Steppen Marokkos, Tunesiens und Libyens.

Ernährung

Der Mornellregenpfeifer ernährt sich überwiegend von Wirbellosen. Auf den Brutplätzen bilden Käfer, Fliegen, Spinnen, kleine Schnecken und Regenwürmer die Hauptnahrung. Er sucht seine Beute auf typische Regenpfeifer-Art: Er läuft in kurzen Sprints über den Boden, verharrt abrupt und pickt dann gezielt nach Beutetieren. Auf dem Durchzug und in den Winterquartieren werden zusätzlich pflanzliche Bestandteile aufgenommen, darunter Samen und kleine Beeren. In den nordafrikanischen Überwinterungsgebieten stellen Käfer und andere Insekten die wichtigste Nahrungsquelle dar.

Verhalten & Lebensweise

Der Mornellregenpfeifer ist ein Langstreckenzieher, der jährlich zwischen seinen arktisch-alpinen Brutgebieten und den nordafrikanischen Winterquartieren pendelt. Der Herbstzug erfolgt überwiegend in kleinen Trupps von 5 bis 30 Vögeln, die als „Trips" bezeichnet werden. Diese Gruppen zeigen auf den Rastplätzen ein auffällig vertrautes Verhalten gegenüber Menschen – eine Eigenschaft, die dem Vogel historisch zum Verhängnis wurde, da er dadurch leicht bejagt werden konnte. Sein alter englischer Name „Dotterel" leitet sich von dieser vermeintlichen Einfältigkeit ab.

Die Art ist vorwiegend tagaktiv, zieht jedoch überwiegend nachts. Auf den Rastplätzen verhalten sich die Vögel oft ruhig und unauffällig. Am Brutplatz zeigt das Weibchen ein ausgeprägteres Territorialverhalten als das Männchen und verteidigt das Revier gegenüber Artgenossen und anderen Eindringlingen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Beim Mornellregenpfeifer liegt eine weitgehende Umkehr der klassischen Geschlechterrollen vor. Das Weibchen ist nicht nur auffälliger gefärbt, sondern übernimmt auch die aktive Rolle bei der Balz. Es umwirbt das Männchen durch Balzflüge und Bodenbalz, bei der es mit gespreiztem Gefieder und gesenkten Flügeln um das Männchen herum läuft.

Das Gelege besteht aus zwei bis drei olivbraunen, dunkel gefleckten Eiern, die direkt auf den Boden in eine spärlich mit Pflanzenmaterial ausgepolsterte Mulde gelegt werden. Das Brutgeschäft übernimmt fast ausschließlich das Männchen. Die Brutdauer beträgt 24 bis 28 Tage. Auch die Aufzucht der Küken obliegt dem Männchen. Die Jungvögel sind Nestflüchter und können bereits kurz nach dem Schlupf selbstständig Nahrung aufnehmen. Flugfähig werden sie nach etwa 25 bis 30 Tagen.

Das Weibchen verlässt den Brutplatz häufig bereits nach der Eiablage und kann gelegentlich ein zweites Gelege mit einem anderen Männchen beginnen – ein Verhalten, das als sukzessive Polyandrie bezeichnet wird.

Bedrohung & Schutzstatus

Die IUCN stuft den Mornellregenpfeifer global als „Least Concern" (nicht gefährdet) ein. Die Gesamtpopulation wird auf etwa 50.000 bis 220.