T Tierlexikon.net
← Lexikon

Nachtaffe

N

Tierart – Säugetiere > Primaten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Aotus (Gattung mit mehreren Arten, z. B. Aotus trivirgatus, Dreistreifen-Nachtaffe)
  • Ordnung: Primaten (Primates)
  • Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorhini)
  • Familie: Nachtaffen (Aotidae)
  • Gattung: Aotus
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Bergwälder, Galeriewälder und Trockenwälder Mittel- und Südamerikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 24–47 cm, Schwanzlänge 22–42 cm
  • Gewicht: 0,6–1,2 kg
  • Lebenserwartung: Etwa 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Nachtaffen sind kleine, kompakt gebaute Neuweltaffen mit einem dichten, weichen Fell, das je nach Art grau, braun oder rötlich-braun gefärbt ist. Die Bauchseite ist meist heller, oft gelblich oder cremefarben. Das auffälligste Merkmal sind die extrem großen, dunkelbraunen Augen, die nahezu das gesamte Gesicht dominieren. Diese Augen sind eine Anpassung an die nachtaktive Lebensweise und ermöglichen es den Tieren, auch bei minimaler Lichtstärke gut zu sehen. Die Pupillen sind im Gegensatz zu vielen anderen nachtaktiven Säugetieren rund.

Das Gesicht ist flach und wird von hellen und dunklen Streifen gerahmt – drei markante dunkle Streifen verlaufen über die Stirn, was beim Dreistreifen-Nachtaffen namensgebend war. Die Ohren sind klein und im Fell teilweise verborgen. Der Schwanz ist nicht greiffähig, dient aber als Balancierhilfe beim Klettern. Die Hände und Füße tragen Nägel statt Krallen, was für Primaten typisch ist. Zwischen den Geschlechtern besteht kein ausgeprägter Sexualdimorphismus – Männchen und Weibchen sind in Größe und Aussehen nahezu identisch.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Nachtaffen erstreckt sich von Panama über Kolumbien, Venezuela und die Guyanas bis nach Peru, Bolivien, Brasilien und Nordargentinien. Damit gehören sie zu den am weitesten verbreiteten Primatengattungen Südamerikas. Sie besiedeln ein breites Spektrum an Habitaten: vom tropischen Tieflandregenwald über Nebelwälder in Höhen bis zu 3.200 Metern bis hin zu saisonalen Trockenwäldern und Galeriewäldern entlang von Flussläufen.

Innerhalb dieser Biotope bevorzugen Nachtaffen dicht bewachsene Waldabschnitte mit einem geschlossenen Kronendach. Tagsüber ruhen sie in Baumhöhlen, dichtem Laubwerk oder in Lianenverhängen. Die Wahl des Schlafplatzes ist bedeutsam für den Schutz vor Raubfeinden wie Greifvögeln, Schlangen und kleinen Raubsäugern. Die Gattung wird taxonomisch in eine nördliche Gruppe (mit grauem Hals) und eine südliche Gruppe (mit rötlichem Hals) unterteilt. Die genaue Artenzahl ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen; derzeit werden je nach Klassifikation acht bis elf Arten unterschieden.

Ernährung

Nachtaffen sind Allesfresser mit einem Nahrungsspektrum, das je nach Jahreszeit und Habitat variiert. Den größten Anteil der Nahrung bilden reife Früchte. Ergänzend fressen sie Blätter, Blüten, Nektar, Baumsäfte sowie Insekten und andere Wirbellose wie Spinnen und Schnecken. Gelegentlich erbeuten sie auch kleine Wirbeltiere wie Frösche oder Eidechsen.

Die Nahrungssuche findet fast ausschließlich in der Nacht statt. Die Tiere bewegen sich dabei auf festen Routen durch ihr Revier und suchen gezielt fruchttragende Bäume auf, deren Standorte sie sich offenbar gut einprägen. In Mondnächten mit hoher Lichtstärke sind sie besonders aktiv, während sie bei völliger Dunkelheit eher ruhig bleiben und weniger weit streifen.

Verhalten & Lebensweise

Nachtaffen sind die einzigen wirklich nachtaktiven Affen der Welt. Alle übrigen Affenarten – sowohl Altwelt- als auch Neuweltaffen – sind überwiegend tagaktiv. Diese Sonderstellung macht die Gattung Aotus aus verhaltensbiologischer Sicht besonders interessant. Einige südliche Arten zeigen allerdings auch kathemerale Aktivitätsmuster, das heißt, sie sind sowohl bei Tag als auch bei Nacht aktiv.

Die Tiere leben in kleinen Familiengruppen, die aus einem monogam lebenden Paar und dessen Nachwuchs bestehen – in der Regel zwei bis fünf Individuen. Größere Sozialverbände oder Rudel bilden sie nicht. Jede Familiengruppe bewohnt ein festes Revier, das durch Lautäußerungen und Duftmarkierungen gegenüber Nachbargruppen abgegrenzt wird. Das Lautrepertoire ist vielfältig: Nachtaffen kommunizieren mit tiefen Gurrlauten, hohen Pfeifen, Trillern und lautem Geschrei, das über weite Distanzen hörbar ist.

Die Fortbewegung erfolgt durch Klettern und Springen im Geäst. Nachtaffen bewegen sich dabei quadruped, also auf allen Vieren, und können beachtliche Sprünge zwischen Ästen vollführen. Am Boden halten sie sich selten auf.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nachtaffen leben in stabilen monogamen Paarbeziehungen, die oft über viele Jahre Bestand haben. Die Weibchen bringen nach einer Tragzeit von etwa 133 Tagen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten. Das Neugeborene wiegt rund 80–100 Gramm und klammert sich zunächst an die Mutter.

Eine Besonderheit der Nachtaffen ist die intensive Beteiligung des Vaters an der Jungenaufzucht. Bereits ab der ersten Lebenswoche übernimmt das Männchen den Hauptteil des