T Tierlexikon.net
← Lexikon

Niere

N

Futter & Ernährung > Futtermittel – tierisch

Definition & Überblick

Die Niere zählt zu den sogenannten Innereien und gehört damit zu den tierischen Futtermitteln, die in der Ernährung von Hunden und Katzen eine lange Tradition besitzen. Als Organ der Entgiftung und Filterung erfüllt die Niere im lebenden Tier lebenswichtige Stoffwechselaufgaben – und genau diese metabolische Aktivität macht sie als Futtermittel besonders nährstoffreich. Verfüttert werden vor allem Rindernieren, Lammnieren, Schweinenieren und Geflügelnieren, wobei die Zusammensetzung je nach Tierart leicht variiert.

Im Rahmen der Rohfütterung (BARF) sowie in der Herstellung hochwertiger Nassfuttersorten spielt die Niere als Ergänzungsfuttermittel eine zentrale Rolle. Sie liefert Nährstoffe in einer Konzentration, die reines Muskelfleisch nicht erreicht – insbesondere bei Vitaminen und Spurenelementen. Gleichzeitig erfordert die Fütterung von Niere ein gewisses Maß an Sachkenntnis, da eine Überdosierung bestimmter Inhaltsstoffe zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Die Niere zeichnet sich durch ein günstiges Nährstoffprofil aus. Bezogen auf Rinderniere ergeben sich folgende Durchschnittswerte je 100 g Frischgewicht:

  • Protein: ca. 15–17 g – hochwertiges, gut verdauliches tierisches Eiweiß mit einem vollständigen Aminosäureprofil
  • Fett: ca. 3–5 g – vergleichsweise fettarm, was die Niere zu einem kalorienarmen Innereien-Anteil macht
  • Rohfaser: praktisch nicht vorhanden, wie bei allen tierischen Futtermitteln
  • Wasser: ca. 75–80 g
  • Vitamine: herausragend hoher Gehalt an Vitamin A, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B3 (Niacin), Vitamin B12 und Folsäure; moderater Gehalt an Vitamin C
  • Mineralstoffe und Spurenelemente: reich an Eisen, Zink, Selen, Kupfer und Phosphor; enthält zudem Kalium und Natrium
  • Purine: hoher Puringehalt, der bei der Fütterung berücksichtigt werden muss

Verglichen mit Leber enthält die Niere weniger Vitamin A, aber mehr Vitamin B12 und Selen. Gegenüber Muskelfleisch liefert sie ein Vielfaches an B-Vitaminen und Spurenelementen, jedoch weniger Gesamtprotein.

Für welche Tiere geeignet?

Niere eignet sich grundsätzlich für Hunde und Katzen aller Altersgruppen. In der naturnahen Fütterung entspricht der Verzehr von Innereien dem Fressverhalten wildlebender Caniden und Feliden, die ein Beutetier nahezu vollständig verwerten.

  • Hunde: Niere kann bei gesunden Hunden regelmäßig als Teil der Futterration angeboten werden. Besonders geeignet ist sie für aktive Hunde mit erhöhtem Bedarf an B-Vitaminen und Eisen.
  • Katzen: Aufgrund ihres hohen Bedarfs an tierischem Protein und bestimmten B-Vitaminen profitieren auch Katzen von Niere als Ergänzung.
  • Welpen und Kitten: In angepasster Futtermenge geeignet, da die enthaltenen Mineralstoffe das Wachstum unterstützen.
  • Frettchen: Als obligate Karnivoren nehmen Frettchen Niere ebenfalls gut an.

Nicht geeignet ist die Niere für Tiere mit bestehender Niereninsuffizienz, da der hohe Phosphor- und Puringehalt die geschädigten Organe zusätzlich belasten kann. Auch bei Tieren, die zu Harnsteinen (Urat-Steine) neigen, ist Vorsicht geboten.

Fütterungsempfehlung

Niere ist kein Alleinfuttermittel, sondern sollte stets als Bestandteil einer ausgewogenen Gesamtration eingesetzt werden. In der BARF-Fütterung gilt als Orientierung:

  • Der Innereienanteil an der gesamten Futterration sollte bei Hunden etwa 10–15 % des tierischen Anteils ausmachen.
  • Davon kann die Niere etwa die Hälfte ausmachen – also rund 5–7 % der Gesamtration.
  • Bei Katzen gelten ähnliche Verhältnisse, wobei der tierische Anteil insgesamt höher liegt.
  • Die Futtermenge an Niere für einen mittelgroßen Hund (20 kg) beträgt damit etwa 15–25 g pro Tag oder alternativ 100–150 g als größere Portion bei einem Fütterungsintervall von zwei- bis dreimal pro Woche.

Beim Einstieg in die Innereien-Fütterung empfiehlt es sich, die Niere zunächst in kleinen Mengen anzubieten. Das kräftige Aroma und die spezielle Konsistenz werden nicht von allen Tieren sofort akzeptiert. Leichtes Anbraten kann die Akzeptanz erhöhen, reduziert allerdings den Gehalt an hitzeempfindlichen Vitaminen wie Folsäure und Vitamin C.

Vorteile & Nachteile

Vorteile:

  • Hervorragende natürliche Quelle für B-Vitamine, insbesondere B12 und Folsäure
  • Hoher Selengehalt – ein Spurenelement, das in vielen Futterrationen zu kurz kommt
  • Fettarm und kalorienarm, daher auch für übergewichtige Tiere als Ergänzung sinnvoll
  • Hochwertiges tierisches Protein mit guter Bioverfügbarkeit
  • Unterstützt eine abwechslungsreiche, artgerechte Ernährung