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Ohrentaucher

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Taucher & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Podiceps auritus
  • Ordnung: Lappentaucherartige (Podicipediformes)
  • Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)
  • Gattung: Podiceps
  • Lebensraum: Flache, vegetationsreiche Süßwasserseen im Sommer; Küstengewässer und Meeresbuchten im Winter
  • Größe: 31–38 cm Körperlänge
  • Gewicht: 300–570 g
  • Flügelspannweite: 46–55 cm
  • Lebenserwartung: Bis zu 5–6 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen über 10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Ohrentaucher ist ein kleiner bis mittelgroßer Lappentaucher mit einem kompakten Körperbau. Im Prachtkleid während der Brutzeit zeigt er ein auffälliges Erscheinungsbild: Kopf und Hals sind schwarz gefärbt, wobei sich hinter den Augen goldgelbe bis orangerote Federbüschel fächerförmig ausbreiten – die namensgebenden „Ohren". Diese Schmuckfedern bilden einen markanten Kontrast zum dunklen Kopf. Die Flanken und der Vorderhals leuchten in einem satten Rostrot, während Rücken und Oberseite dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt sind.

Im Schlichtkleid, das außerhalb der Brutzeit getragen wird, wirkt der Ohrentaucher deutlich unscheinbarer. Die Oberseite ist dann schwarzgrau, die Unterseite weiß, und die auffälligen Ohrbüschel fehlen. In diesem Kleid kann er leicht mit dem nahe verwandten Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) verwechselt werden. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Schnabelform: Der Ohrentaucher besitzt einen geraden, spitz zulaufenden Schnabel mit einer hellen Spitze, während der Schwarzhalstaucher einen leicht nach oben gebogenen Schnabel aufweist. Die Iris ist leuchtend rot, die Beine sind weit hinten am Körper angesetzt – eine typische Anpassung an das Leben im Wasser, die an Land zu einem unbeholfenen, aufrechten Gang führt.

Wie alle Lappentaucher besitzt der Ohrentaucher keine Schwimmhäute im eigentlichen Sinne, sondern breite, lappenartig gesäumte Zehen, die als effiziente Ruderorgane dienen. Das Gefieder ist extrem dicht und wasserabweisend, was eine hervorragende Isolation auch in kalten Gewässern gewährleistet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Ohrentauchers erstreckt sich über die nördliche Holarktis. In Europa brütet die Art vor allem in Island, Skandinavien, Schottland und im Baltikum. Weitere Brutpopulationen finden sich quer durch die boreale Zone Russlands bis nach Ostsibirien. In Nordamerika besiedelt er die Präriegebiete Kanadas und den Norden der USA. Der Ohrentaucher wird in zwei Unterarten unterteilt: P. a. auritus in der Alten Welt und P. a. cornutus in Nordamerika, wobei letztere dort als „Horned Grebe" bekannt ist.

Sein bevorzugtes Bruthabitat sind flache, nährstoffreiche Süßwasserseen und Teiche mit dichter Ufer- und Schwimmblattvegetation. Schilf, Binsen und Seggen bieten Neststandorte und Deckung. Im Winter zieht die Art an geschützte Meeresküsten, in Flussmündungen, Hafenbecken und gelegentlich auf größere Binnenseen. In Mitteleuropa, darunter auch in Deutschland, tritt der Ohrentaucher als seltener Durchzügler und Wintergast auf, vor allem an Nord- und Ostseeküste sowie an einigen Binnengewässern.

Ernährung

Der Ohrentaucher ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen, Wasserinsekten und deren Larven, Krebstieren sowie Weichtieren. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Jahreszeit und Habitat. Während der Brutzeit auf Süßwasserseen stehen Wasserinsekten – etwa Libellenlarven, Wasserkäfer und Eintagsfliegen – im Vordergrund. Im Winterquartier an der Küste verschiebt sich das Nahrungsspektrum hin zu kleinen Fischen wie Stichlingen, Grundeln und Hering-Jungfischen sowie zu marinen Krebstieren.

Die Beute wird durch Tauchen erbeutet. Typische Tauchgänge dauern 10–30 Sekunden und erreichen Tiefen von ein bis vier Metern. Der Ohrentaucher taucht von der Wasseroberfläche aus mit einem charakteristischen Kopfsprung ab und nutzt seine kräftigen Lappenfüße als alleinigen Antrieb unter Wasser.

Verhalten & Lebensweise

Der Ohrentaucher ist tagaktiv und verbringt den Großteil seines Lebens auf dem Wasser. An Land geht er nur selten, im Wesentlichen zum Brüten. Während der Brutzeit lebt er paarweise oder in lockeren Kolonien, die gelegentlich mit anderen Lappentaucherarten oder Seeschwalben vergesellschaftet sind. Außerhalb der Brutzeit ist er einzelgängerisch oder bildet kleine Trupps.

Wie alle Lappentaucher fliegt der Ohrentaucher ungern und benötigt einen langen Anlauf über die Wasseroberfläche, bevor er abheben kann. Der Flug selbst wirkt hastig, mit schnellem Flügelschlag und durchhängendem Hals. Bei Gefahr taucht er lieber ab, als aufzufliegen – ein typisches Verhalten aller Vertreter der Familie. Die Balz umfasst ein komplexes Repertoire synchroner Bewegungen beider Partner: Kopfschütteln, gegenseitiges Aufrichten mit gesträubtem Gefieder, paralleles Schwimmen und das sogenannte „Pinguintanzen", bei dem beide Partner aufrecht aus dem Wasser auftauchen und Brust an Brust über die Wasseroberfläche laufen. Diese Balzrituale dienen der Paarbindung und werden von lauten, trillernden Rufen begleitet.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt je nach Breitengrad zwischen April und Juni. Das Nest ist ein schwimmender Haufen aus verrottenden Pflanzenteilen, der an Wasserpflanzen oder im Flachwasser verankert wird. Das