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Ohrwurm

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Forficula auricularia (Gemeiner Ohrwurm)
  • Ordnung: Dermaptera (Ohrwürmer)
  • Familie: Forficulidae (Eigentliche Ohrwürmer)
  • Lebensraum: Gärten, Laubwälder, Wiesen, Agrarflächen, menschliche Siedlungen
  • Größe: 10–20 mm (ohne Zangen)
  • Gewicht: ca. 0,05–0,1 g
  • Lebenserwartung: etwa 1 Jahr

Aussehen & Merkmale

Der Gemeine Ohrwurm besitzt einen langgestreckten, dorsoventral leicht abgeflachten Körper mit einer glänzend dunkelbraunen bis rotbraunen Chitinhülle. Der Kopf ist prognath ausgerichtet und trägt zwei fadenförmige Antennen, die etwa halb so lang wie der Körper werden. Die Mundwerkzeuge sind als kauend-beißender Typ ausgebildet.

Das auffälligste Merkmal sind die zu Zangen (Cerci) umgebildeten Hinterleibsanhänge. Beim Männchen sind diese Cerci deutlich gebogen und an der Basis verbreitert, beim Weibchen hingegen nahezu gerade und schmaler – ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter. Die Zangen dienen der Verteidigung, der Beutefang-Unterstützung, dem Falten der Hinterflügel und spielen bei der Paarung eine Rolle.

Ohrwürmer besitzen zwei Flügelpaare. Die Vorderflügel sind zu kurzen, lederartigen Deckflügeln (Tegmina) reduziert, die nur den vorderen Teil des Hinterleibs bedecken. Darunter liegen die häutigen Hinterflügel, die im Ruhezustand in einem hochkomplexen Muster mehrfach gefaltet sind. Diese Faltung gehört zu den aufwendigsten im gesamten Insektenreich. Trotz der vorhandenen Flügel fliegen Ohrwürmer nur selten und eher ungern. Die drei Beinpaare sind als Laufbeine ausgebildet und ermöglichen schnelle Fortbewegung.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Forficula auricularia umfasst Europa, Westasien und Nordafrika. Durch menschliche Verschleppung hat sich die Art inzwischen nahezu weltweit ausgebreitet und kommt als Kosmopolit auch in Nordamerika, Australien und Neuseeland vor.

Als Habitat bevorzugen Ohrwürmer feuchte, dunkle Verstecke. Typische Biotope sind Laubstreuschichten in Wäldern, Spalten unter Baumrinde, Steinhaufen, Komposthaufen und Blütenköpfe großer Pflanzen. In Gärten und Agrarlandschaften sind sie regelmäßige Bewohner. Gelegentlich dringen sie in menschliche Gebäude ein, wo sie Ritzen und Spalten als Tagesversteck nutzen. Die Art ist von der Küste bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern anzutreffen.

Neben dem Gemeinen Ohrwurm kommen in Mitteleuropa weitere Arten vor, darunter der Waldohrwurm (Chelidurella guentheri), der Sandohrwurm (Labidura riparia) und der Gebüschohrwurm (Apterygida media). Weltweit umfasst die Ordnung Dermaptera rund 2.000 beschriebene Arten.

Ernährung

Ohrwürmer sind Allesfresser (Omnivoren) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Den pflanzlichen Anteil ihrer Nahrung bilden weiche Pflanzenteile, Blütenblätter, reife Früchte, Pollen und verrottende Pflanzenreste. Tierische Nahrung besteht vor allem aus Blattläusen, Spinnmilben, kleinen Raupen, Insekteneiern und anderen Kleinstarthropoden.

Durch den Verzehr von Blattläusen und anderen Pflanzenschädlingen gelten Ohrwürmer als nützliche Helfer in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Im Obstbau werden sie teilweise gezielt gefördert, indem umgedrehte, mit Holzwolle gefüllte Blumentöpfe in Bäume gehängt werden. Andererseits können sie bei Massenauftreten an weichschaligem Obst wie Erdbeeren oder Pfirsichen sowie an Blütenblättern von Dahlien und Chrysanthemen Fraßschäden verursachen. Ihre ökologische Gesamtbilanz ist jedoch überwiegend positiv.

Verhalten & Lebensweise

Ohrwürmer sind streng nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in engen, dunklen Spalten und Hohlräumen, die ihnen Kontakt mit der Körperoberfläche bieten – ein Verhalten, das als Thigmotaxis bezeichnet wird. Erst nach Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche.

Außerhalb der Brutzeit leben Ohrwürmer einzelgängerisch, können sich aber an günstigen Versteckplätzen in größeren Ansammlungen einfinden, ohne dass echte soziale Strukturen wie Reviere oder Rangordnungen ausgebildet werden. Bei Bedrohung heben sie das Hinterleibsende mit den gespreizten Zangen drohend empor. Einige Arten können zusätzlich ein übel riechendes Sekret aus Drüsen am Hinterleib absondern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet im Spätsommer und Herbst statt. Das Männchen greift dabei mit seinen Cerci das Weibchen, die Kopulation kann mehrere Stunden dauern. Nach der Begattung trennen sich die Geschlechter; das Männchen wird vom Weibchen oft aus der Bruthöhle vertrieben oder sogar getötet.

Im Herbst oder Winter gräbt das Weibchen eine kleine Erdhöhle in wenigen Zentimetern Tiefe und legt dort ein Gelege von 20 bis 80 weißlichen, rundlichen Eiern ab. Was nun folgt, ist im Insektenreich außergewöhnlich: Das Weibchen betreibt intensive Brutpflege. Es bewacht die Eier über Wochen, wendet sie regelmäßig und beleckt sie, um Schimmelbefall zu verhindern. Während dieser Phase nimmt das Weibchen kaum Nahrung zu sich.

Die Larven schl