Olm
OTierart – Amphibien > Schwanzlurche – Salamander & Molche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Proteus anguinus
- Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
- Familie: Olme (Proteidae)
- Gattung: Proteus
- Lebensraum: Unterirdische Gewässer in Karsthöhlen
- Größe: 20–30 cm (selten bis 35 cm)
- Gewicht: 15–20 g
- Lebenserwartung: Über 70 Jahre, Schätzungen reichen bis zu 100 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Olm ist ein langgestreckter, aalförmiger Schwanzlurch mit einer Gesamtlänge von durchschnittlich 25 Zentimetern. Die Haut ist unpigmentiert und erscheint blassrosa bis weißlich, da die Blutgefäße durch die dünne, durchscheinende Epidermis hindurchschimmern. Bei Lichtexposition kann die Haut nachdunkeln und gelbliche bis bräunliche Töne annehmen – ein Vorgang, der sich bei erneuter Dunkelheit wieder umkehrt.
Der Kopf ist flach und birnenförmig mit einer abgerundeten Schnauze. Die Augen sind stark zurückgebildet, von Haut überwachsen und funktionslos. Diese Reduktion ist eine Anpassung an das vollständig lichtlose Höhlenhabitat. Hinter dem Kopf sitzen drei Paar äußere, büschelförmige Kiemen, die leuchtend rot gefärbt sind. Sie dienen der Atmung unter Wasser und werden zeitlebens beibehalten – der Olm durchläuft keine vollständige Metamorphose, sondern verbleibt in einem larvalen Zustand. Diese Eigenschaft wird als Neotenie oder Pädomorphose bezeichnet.
Die Extremitäten sind auffällig zierlich. Die Vorderbeine tragen drei Zehen, die Hinterbeine nur zwei – ein einzigartiges Merkmal unter den europäischen Amphibien. Der seitlich abgeflachte Schwanz dient als Hauptantrieb beim Schwimmen. Neben den Kiemen besitzt der Olm rudimentäre Lungen, die ihm eine zusätzliche Luftatmung ermöglichen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Olms beschränkt sich auf den Dinarischen Karst, eine geologische Region entlang der östlichen Adriaküste. Populationen finden sich in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina sowie in einem kleinen Gebiet im nordöstlichen Italien (Provinz Triest). Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in Slowenien und Kroatien.
Der Olm bewohnt ausschließlich unterirdische Karstgewässer – Höhlenflüsse, überflutete Gänge und tiefe Grundwassersysteme. Diese Biotope zeichnen sich durch absolute Dunkelheit, eine konstante Wassertemperatur zwischen 6 und 12 °C und extrem nährstoffarme Bedingungen aus. An der Erdoberfläche werden Olme nur nach starken Regenfällen oder Hochwasserereignissen angetroffen, wenn sie aus Höhlenquellen ausgespült werden. Diese seltenen Funde in Karstquellen begründeten im 17. Jahrhundert den Volksglauben, es handele sich um Drachenjunge – daher der volkstümliche Name „Grottenolm" oder im Slowenischen „človeška ribica" (Menschenfischlein).
Eine Besonderheit stellt die Unterart Proteus anguinus parkelj dar, der sogenannte Schwarze Olm. Diese Population aus der Bela Krajina-Region in Slowenien besitzt pigmentierte, dunkelbraune bis schwarze Haut und etwas besser entwickelte Augen.
Ernährung
Der Olm ernährt sich von kleinen wirbellosen Tieren, die in Höhlengewässern vorkommen. Dazu zählen Flohkrebse (insbesondere Niphargus-Arten), Wasserasseln, Schnecken und Insektenlarven. Die Beute wird über den hochentwickelten Geruchssinn, über mechanorezeptive Sinneszellen in der Haut und über Elektrorezeption lokalisiert. Mit diesen Sinnesorganen kann der Olm selbst geringste Wasserbewegungen und chemische Signale wahrnehmen.
Der Stoffwechsel ist extrem verlangsamt – eine Anpassung an die nährstoffarme Höhlenumgebung. Olme können mehrere Jahre ohne Nahrungsaufnahme überleben, indem sie Glykogen- und Lipidreserven in der Leber abbauen. Laborversuche haben Hungerperioden von bis zu zehn Jahren dokumentiert.
Verhalten & Lebensweise
Da in seinem Habitat kein Licht vorhanden ist, entfällt beim Olm die Unterscheidung zwischen tag- und nachtaktiven Phasen. Er zeigt ein gleichmäßig niedriges Aktivitätsniveau, das seinem reduzierten Energiehaushalt entspricht. Olme verbringen den Großteil ihrer Zeit regungslos auf dem Gewässergrund oder unter Steinen. Telemetriestudien in slowenischen Höhlen haben gezeigt, dass einzelne Individuen über Jahre hinweg denselben Aufenthaltsort beibehalten und Ortsveränderungen von wenigen Metern pro Jahr die Regel sind.
Olme leben nicht territorial im engeren Sinne, zeigen aber ein gewisses Abstandsverhalten gegenüber Artgenossen. Bei höherer Dichte wurden aggressive Interaktionen beobachtet, die jedoch selten zu Verletzungen führen. Die Kommunikation erfolgt vermutlich über chemische Signale im Wasser.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie des Olms ist nur unvollständig erforscht, da Beobachtungen im natürlichen Habitat kaum möglich sind. Männchen verteidigen in der Fortpflanzungszeit kleine Bereiche und locken Weibchen durch Pheromonabgabe an. Die Balz umfasst ein ritualisiertes Verhalten, bei dem das Männchen ein Spermapaket (Spermatophore) auf dem Substrat absetzt, das vom Weibchen mit der Kloake aufgenommen wird – eine innere Befruchtung über Spermatophoren, wie bei vielen Schwanzlurchen üblich.
Das Weibchen legt etwa 35 Eier einzeln unter Steine oder in Felsspalten. Die Eientwicklung dauert bei Temperaturen um 10 °C rund 120 bis 180 Tage. Die geschlüpften Larven sind etwa zwei Zentimeter lang und gleichen den adulten Tieren bereits weitgehend. Die Geschlechtsreife wird erst im Alter von etwa 14 bis 16 Jahren