Prozessionsspinner
PTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Thaumetopoea (Gattung), bekannteste Art: Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Zahnspinner (Notodontidae), Unterfamilie Prozessionsspinner (Thaumetopoeinae)
- Lebensraum: Laubwälder, Mischwälder, Parkanlagen, Alleen – bevorzugt warm-trockene Standorte
- Größe: Flügelspannweite der Falter 25–35 mm; Raupen im letzten Larvenstadium bis 50 mm Körperlänge
- Gewicht: Wenige hundert Milligramm (Falter); artspezifische Daten liegen kaum vor
- Lebenserwartung: Gesamter Lebenszyklus etwa ein Jahr; adulte Falter leben nur wenige Tage
Aussehen & Merkmale
Die adulten Falter der Prozessionsspinner sind eher unscheinbare Nachtfalter. Beim Eichenprozessionsspinner zeigen die Vorderflügel eine graubraune Grundfärbung mit zwei bis drei dunkleren Querbinden, während die Hinterflügel heller, weißgrau gefärbt sind. Der Körper ist dicht mit graubraunen Haarschuppen bedeckt. Weibchen sind insgesamt kräftiger gebaut als Männchen und besitzen einen dickeren Hinterleib, der mit einer wolligen Afterschuppe zur Eibelegung ausgestattet ist. Die Männchen tragen deutlich gekämmte Fühler, die als Antennen zur Wahrnehmung weiblicher Pheromone dienen.
Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Larvenstadien (L1–L6). Ab dem dritten Stadium entwickeln sie die charakteristischen Brennhaare (Setae), die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese mikroskopisch kleinen Härchen sind mit Widerhaken versehen und brechen leicht ab. Im letzten Stadium ist die Raupe dunkelgrau bis schwarz gefärbt, mit einer hellen Bauchseite und langen, weißlichen Seidenhaaren, zwischen denen die kürzeren Brennhaare sitzen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Thaumetopoea erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Der Eichenprozessionsspinner ist in Mittel- und Südeuropa heimisch und hat sein Areal in den vergangenen Jahrzehnten klimabedingt nach Norden und Osten ausgeweitet. In Deutschland tritt er inzwischen in nahezu allen Bundesländern auf, mit Schwerpunkten in Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
Das bevorzugte Habitat sind lichte Eichenwälder, Waldränder, Einzelbäume in der offenen Landschaft sowie urbane Grünflächen mit Eichenbestand. Warm-trockene, südexponierte Standorte werden besonders besiedelt. Der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa), eine nah verwandte Art, bewohnt dagegen Kiefernwälder des Mittelmeerraums und dringt ebenfalls zunehmend nach Norden vor. Eine dritte europäische Art, der Pinienprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora), besiedelt Kiefernbestände in Nordeuropa.
Ernährung
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners ernähren sich ausschließlich von Blättern verschiedener Eichenarten, insbesondere Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea). Bei Massenbefall können ganze Bäume innerhalb weniger Wochen kahlgefressen werden – ein Vorgang, der als Defoliation bezeichnet wird. Gesunde Eichen überstehen einen einmaligen Kahlfraß in der Regel durch einen zweiten Blattaustrieb (Johannistrieb), doch wiederholter Befall über mehrere Jahre schwächt die Bäume erheblich und macht sie anfällig für Sekundärschädlinge wie den Eichenprachtkäfer.
Die adulten Falter nehmen keine Nahrung auf. Ihr Mundwerkzeug ist verkümmert; sie zehren ausschließlich von den Fettreserven, die im Larvenstadium aufgebaut wurden.
Verhalten & Lebensweise
Das namensgebende Verhalten zeigen die Raupen: Ab dem dritten Larvenstadium verlassen sie nachts ihre Gespinstnester und ziehen in langen, auffällig geordneten Reihen – sogenannten Prozessionen – zu den Fraßplätzen in den Baumkronen. Diese Kolonnen können aus mehreren hundert Individuen bestehen, wobei eine Leitraupe vorangeht und die übrigen Tiere Kopf an Hinterleib folgen. Die Orientierung erfolgt über Seidenfäden und taktile Reize.
Tagsüber ruhen die Raupen in Gespinstnestern (Seidennestern), die sie an Stämmen und Astgabeln anlegen. Diese Nester können beträchtliche Ausmaße erreichen und bestehen aus Seide, Kot, Häutungsresten und abgestoßenen Brennhaaren. Auch verlassene Nester bleiben über Jahre hinweg gefährlich, da die Brennhaare ihre toxische Wirkung lange behalten. Die Falter sind nachtaktiv und werden von künstlichen Lichtquellen angezogen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Flugzeit der Falter erstreckt sich je nach Region von Juli bis September. Die Weibchen geben Pheromone ab, die Männchen über ihre gekämmten Antennen aus großer Entfernung wahrnehmen. Die Paarung findet noch in der Nacht des Schlüpfens statt. Anschließend legen die Weibchen ihre Eier in plattenförmigen Gelegen von 100 bis 300 Stück an dünne Zweige im Kronenbereich der Wirtsbäume. Die Gelege werden mit Schuppen und Sekreten aus der Afterwolle getarnt und ähneln der Rindenoberfläche.
Die Embryonalentwicklung ist im Herbst abgeschlossen, doch die fertig entwickelten Jungraupen verbleiben in der Eihülle und überwintern in einer Diapause. Der Schlupf erfolgt im Frühjahr (April bis Mai), synchron mit dem Austrieb der Eichenblätter. Die Larvalentwicklung dauert etwa acht bis zehn Wochen. Nach dem l