Quellfutter
QFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Als Quellfutter werden pflanzliche Futtermittel bezeichnet, die vor der Verfütterung in Wasser eingeweicht werden und dabei erheblich an Volumen zunehmen. Durch den Quellvorgang nehmen die trockenen Bestandteile Flüssigkeit auf, werden weicher, leichter verdaulich und verändern ihre Konsistenz grundlegend. Quellfutter zählt je nach Zusammensetzung entweder zu den Alleinfuttermitteln oder zu den Ergänzungsfuttermitteln und findet in der Fütterung zahlreicher Heim-, Nutz- und Ziertiere Anwendung.
Typische Grundzutaten für Quellfutter sind Leinsamen, Flohsamenschalen, Chiasamen, Getreideflocken (Hafer, Gerste), Zuckerrübenschnitzel, Heucobs, Grünmehlpellets sowie verschiedene Hülsenfrüchte. Der zentrale Gedanke hinter der Quellfütterung: Die Futterbestandteile werden im Trog und nicht erst im Magen-Darm-Trakt des Tieres aufgeschlossen. Das entlastet die Verdauung, beugt Schlundverstopfungen vor und verbessert die Nährstoffverfügbarkeit.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffzusammensetzung von Quellfutter variiert stark je nach den verwendeten Rohstoffen. Eine grobe Orientierung:
- Protein: Je nach Anteil an Hülsenfrüchten, Luzerne oder Ölsaaten liegt der Rohproteingehalt zwischen 8 und 22 Prozent. Sojaschrot oder Luzernepellets heben den Eiweißanteil deutlich an.
- Fett: Leinsamen und Chiasamen bringen wertvolle Omega-3-Fettsäuren mit und erhöhen den Rohfettgehalt auf 5–15 Prozent. Reine Getreidemischungen bleiben dagegen fettarm.
- Rohfaser: Flohsamenschalen, Heucobs und Zuckerrübenschnitzel sind besonders rohfaserreich (15–35 Prozent). Diese Strukturkohlenhydrate fördern die Darmperistaltik und dienen als Substrat für die Darmflora.
- Vitamine: Natürlicherweise enthalten Quellfuttermischungen B-Vitamine, Vitamin E und Beta-Carotin. Bei industriellen Produkten werden häufig Vitamin A, Vitamin D und Vitamin E zugesetzt.
- Mineralstoffe: Calcium, Phosphor, Magnesium und Spurenelemente wie Zink, Selen und Eisen sind in unterschiedlichen Konzentrationen vorhanden – abhängig davon, ob mineralische Zusätze beigemischt wurden.
Grundsätzlich gilt: Je vielfältiger die Mischung, desto breiter das Nährstoffspektrum. Einfache Heucobs liefern vor allem Rohfaser, während komplexe Quellfuttermischungen eine ausgewogenere Versorgung bieten.
Für welche Tiere geeignet?
Quellfutter wird bei einer bemerkenswerten Bandbreite von Tierarten eingesetzt:
- Pferde: Heucobs, Zuckerrübenschnitzel und Leinsamenschleim gehören zu den bekanntesten Quellfuttern in der Pferdefütterung. Sie eignen sich besonders für alte Pferde mit Zahnproblemen, für Pferde mit Schlundverstopfungsneigung und zur Unterstützung bei Kotwasserproblemen.
- Geflügel: Aufgequollenes Getreide und Leguminosen werden Hühnern, Enten und Gänsen als leicht verdauliches Weichfutter angeboten – besonders während der Kükenaufzucht und in der Mauser.
- Ziervögel: Wellensittiche, Kanarienvögel und Papageien erhalten Quellfutter aus Saaten und Keimlingen als nährstoffreiche Abwechslung zum Trockenfutter. Der Keimprozess steigert den Vitamingehalt erheblich.
- Kaninchen und Meerschweinchen: Heucobs und Grünmehlpellets in aufgequollener Form dienen als strukturiertes Ergänzungsfuttermittel, das die Rohfaseraufnahme sicherstellt.
- Schweine und Rinder: In der Nutztierhaltung kommen gequollene Gerste, Trockenschnitzel und Pressschnitzel zum Einsatz, um die Futteraufnahme und Verdaulichkeit zu optimieren.
Fütterungsempfehlung
Die korrekte Zubereitung entscheidet über Nutzen und Sicherheit von Quellfutter. Folgende Grundregeln gelten tierartübergreifend:
- Einweichzeit: Mindestens 20–30 Minuten, bei Zuckerrübenschnitzeln und Heucobs besser 60 Minuten oder länger. Die Bestandteile müssen vollständig durchgequollen sein.
- Wasserverhältnis: Als Faustregel gilt ein Verhältnis von 1:2 bis 1:3 (Futter zu Wasser). Bei Leinsamen wird oft kochendes Wasser verwendet, um den typischen Schleim zu lösen.
- Futtermenge: Quellfutter sollte stets als Teil der gesamten Futterration kalkuliert werden – nicht zusätzlich. Für ein 600 kg schweres Pferd sind 0,5–1,5 kg Trockenmasse Quellfutter pro Tag ein gängiger Richtwert.
- Fütterungsintervall: Zwei bis drei Mahlzeiten täglich sind sinnvoller als eine einzige große Portion. Das entspricht dem natürlichen Fressverhalten und verhindert eine Überladung des Magens.
- Haltbarkeit: Eingeweichtes Quellfutter verdirbt schnell, besonders bei warmen Temperaturen. Reste nach spätestens vier Stunden entfernen. Im Sommer innerhalb von zwei Stunden verfüttern.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Deutlich verbesserte Verdaulichkeit gegenüber trockenen Pellets und Bröckelfutter
- Zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme – besonders wertvoll bei Tieren, die wenig trinken
- Geringeres Risiko für Schlundverstopfung (Pferde) und Kropfverstopfung (