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Raubseeschwalbe

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Möwen & Seeschwalben

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hydroprogne caspia (Pallas, 1770)
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Seeschwalben (Sternidae)
  • Gattung: Hydroprogne
  • Lebensraum: Küsten, Flussmündungen, große Binnenseen, Lagunen
  • Größe: 48–56 cm Körperlänge, Flügelspannweite 127–140 cm
  • Gewicht: 530–780 g
  • Lebenserwartung: bis zu 26 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Raubseeschwalbe ist die größte Seeschwalbenart weltweit und erreicht damit annähernd die Ausmaße einer Lachmöwe. Ihr auffälligstes Merkmal ist der kräftige, korallenrote bis orangerote Schnabel, der deutlich massiver ausfällt als bei allen anderen Seeschwalben. Im Prachtkleid trägt sie eine durchgehend schwarze Kappe, die vom Schnabelansatz über die Stirn bis in den Nacken reicht. Im Schlichtkleid, das außerhalb der Brutzeit angelegt wird, zeigt die Kappe eine weiße Strichelung, besonders auf Stirn und Scheitel.

Das Gefieder der Oberseite ist blass silbergrau, die Unterseite rein weiß. Die Handschwingen wirken im Flug von unten dunkel und bilden einen deutlichen Kontrast zum hellen Flügel. Der Schwanz ist nur mäßig gegabelt – wesentlich weniger tief als bei kleineren Seeschwalbenarten wie der Flussseeschwalbe oder der Küstenseeschwalbe. Die Beine sind schwarz. Jungvögel zeigen auf den Oberflügeldecken und dem Rücken eine bräunliche Schuppung, die sich im ersten Lebensjahr allmählich verliert.

Im Flugbild wirkt die Raubseeschwalbe gedrungen und kräftig. Die breiten Flügel und der große Kopf mit dem wuchtigen Schnabel unterscheiden sie sofort von schlankeren Verwandten innerhalb der Familie Sternidae.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Raubseeschwalbe erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis und Südamerikas. Sie brütet an Küsten und großen Binnengewässern Nordamerikas, Europas, Afrikas, Asiens und Australiens. In Europa liegen die wichtigsten Brutkolonien an der Ostsee, insbesondere in Schweden, Finnland, Estland und vereinzelt in Deutschland.

Als Habitat bevorzugt die Art flache, vegetationsarme Inseln, Sandbänke und Nehrungen in Küstennähe. An Binnengewässern nutzt sie Kies- und Sandinseln großer Seen und Flüsse. Entscheidend für die Wahl des Brutplatzes ist die Störungsfreiheit durch Bodenprädatoren. Außerhalb der Brutzeit hält sich die Raubseeschwalbe an Meeresküsten, in Ästuaren, an Lagunen und Stauseen auf.

Europäische Brutvögel ziehen im Herbst nach Westafrika, an die Küsten des Mittelmeers oder bis ans Rote Meer. Australische Populationen sind überwiegend Standvögel oder Kurzstreckenzieher. In Mitteleuropa ist die Art ein seltener, aber regelmäßiger Durchzügler, der vor allem im Spätsommer an der Nord- und Ostseeküste beobachtet werden kann.

Ernährung

Die Raubseeschwalbe ernährt sich überwiegend von Fisch. Sie jagt im Stoßtauchflug, wobei sie aus Höhen von 5 bis 15 Metern ins Wasser stürzt und Beutefische knapp unter der Wasseroberfläche ergreift. Zu den bevorzugten Beutetieren zählen Heringe, Sprotten, Sandaale, Stinte und Barsche – je nach Region und Verfügbarkeit. Die erbeuteten Fische sind meist 5 bis 18 Zentimeter lang.

Neben Fisch nimmt die Art gelegentlich Krebstiere und Insekten auf. Wie der deutsche Name andeutet, betätigt sie sich auch als Kleptoparasit: Sie verfolgt kleinere Seeschwalben und Möwen im Flug und zwingt sie durch wiederholte Attacken, ihre Beute fallen zu lassen. Dieses Verhalten ist jedoch nicht die Hauptnahrungsquelle und tritt vor allem während der Brutzeit auf, wenn der Energiebedarf besonders hoch ist.

Verhalten & Lebensweise

Raubseeschwalben sind tagaktive Vögel, die überwiegend in der Morgen- und Abenddämmerung auf Nahrungssuche gehen. Sie brüten in lockeren Kolonien, häufig vergesellschaftet mit anderen Seeschwalbenarten oder Möwen. Die Koloniegröße variiert stark – von wenigen Paaren bis zu mehreren Tausend Brutpaaren in den großen Kolonien Nordamerikas und Australiens.

Die Art ist außerhalb der Brutzeit weniger gesellig als viele andere Seeschwalben und tritt häufig einzeln oder in kleinen Trupps auf. Ihr Ruf ist ein raues, tiefes „kraah" oder „kree-ah", das sich deutlich von den höheren Rufen kleinerer Seeschwalben unterscheidet. Am Brutplatz zeigen die Vögel ein ausgeprägtes Territorialverhalten und verteidigen die unmittelbare Nestumgebung aggressiv gegen Artgenossen und potenzielle Prädatoren.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt im zeitigen Frühjahr und umfasst rituelle Fischübergaben des Männchens an das Weibchen, begleitet von Balzflügen über dem Koloniegelände. Raubseeschwalben führen eine monogame Saisonehe; Wiederverpaarung mit dem gleichen Partner in Folgejahren kommt häufig vor.

Das Nest ist eine einfache Mulde im Sand oder Kies, gelegentlich spärlich mit Pflanzenteilen ausgelegt. Das Gelege besteht meist aus ein bis drei Eiern, die 26 bis 28 Tage bebrütet werden. Beide Altvögel beteiligen sich am Brüten und an der Fütterung der Küken. Die Jungvögel verlassen das Nest bereits nach wenigen Tagen und halten sich in der Nähe auf, werden jedoch noch über mehrere Wochen von den Eltern versorgt. Die Flugfähigkeit erreichen sie im Alter von etwa 30 bis 35 Tagen. Eine Besonderheit der R