Reh
RTierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Capreolus capreolus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
- Gattung: Rehe (Capreolus)
- Lebensraum: Laubwälder, Mischwälder, Waldränder, Feldfluren, Auen
- Größe: Körperlänge 100–135 cm, Schulterhöhe 60–80 cm
- Gewicht: 15–35 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre (in freier Wildbahn meist kürzer)
Aussehen & Merkmale
Das Reh ist der kleinste einheimische Vertreter der Familie der Hirsche und unterscheidet sich in Körperbau und Proportionen deutlich vom wesentlich größeren Rothirsch. Der Körper ist schlank und leicht gebaut, die Hinterläufe sind etwas länger als die Vorderläufe, was dem Reh eine leicht nach vorn geneigte Körperhaltung verleiht. Diese Anatomie begünstigt schnelle Fluchtsprünge durch dichtes Unterholz.
Das Fell – in der Jägersprache als „Decke" bezeichnet – unterliegt einem jahreszeitlichen Wechsel. Im Sommer trägt das Reh ein rotbraunes, kurzes Haarkleid, das im Herbst durch ein dichteres, graubraunes Winterfell ersetzt wird. Auffällig ist der sogenannte „Spiegel", ein weißer bis gelblich-weißer Fleck am Hinterteil, der bei Erregung durch Aufstellen der Haare vergrößert werden kann und als optisches Warnsignal dient. Ein Schwanz ist äußerlich kaum sichtbar; die kurze Schwanzregion wird als „Wedel" bezeichnet, ist beim Reh aber auf wenige Zentimeter reduziert.
Nur der männliche Rehbock trägt ein Geweih, das jährlich im Herbst abgeworfen und bis zum Frühjahr neu gebildet wird. Es besteht typischerweise aus je drei Enden pro Stange, kann aber individuell variieren. Weibliche Rehe, die Ricken oder Geißen, sind geweihlos und im Durchschnitt etwas leichter als die Böcke.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Rehs erstreckt sich über weite Teile Europas und Vorderasiens. Von der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Nordeuropa bis zum Ural und in den Kaukasus hinein besiedelt die Art eine große Vielfalt an Habitaten. In Skandinavien reicht die Verbreitung bis zum 65. Breitengrad, in Südeuropa kommt die Art bis in die Gebirgslagen des Mittelmeerraums vor.
Eine zweite Art der Gattung, das Sibirische Reh (Capreolus pygargus), besiedelt die Steppen und Waldgebiete Zentral- und Ostasiens. Es ist insgesamt größer und schwerer als die europäische Schwesterart.
Als Biotop bevorzugt das Reh strukturreiche Landschaften mit einem Wechsel aus Waldflächen, Lichtungen, Hecken und offenen Feldfluren. Ideale Lebensräume bieten ausreichend Deckung durch Gebüsch und Unterwuchs sowie zugängliche Äsungsflächen. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich das Reh zunehmend auch in urbanen Randzonen, Parks und Gärten angesiedelt, sofern dort genügend Rückzugsmöglichkeiten bestehen.
Ernährung
Das Reh ist ein sogenannter Konzentratselektierer. Das bedeutet, es wählt bevorzugt leicht verdauliche, energiereiche Pflanzenteile aus und vermeidet rohfaserreiche Nahrung. Im Gegensatz zum Rothirsch, der als Mischäser auch Gräser in größerem Umfang aufnimmt, ist der Pansen des Rehs vergleichsweise klein und auf die Verarbeitung nährstoffreicher Kost spezialisiert.
Zum Nahrungsspektrum gehören junge Triebe und Knospen von Laubbäumen und Sträuchern, Kräuter, Blätter, Blüten, Beeren und Feldfrüchte. Im Winter stehen vermehrt Brombeeren, Efeu, Heidekraut und die Rinde junger Bäume auf dem Speiseplan. In landwirtschaftlich genutzten Gebieten suchen Rehe häufig Raps-, Getreide- und Maisfelder auf. Diese Nahrungswahl führt gelegentlich zu Konflikten mit der Forst- und Landwirtschaft, da Verbiss an jungen Bäumen die Waldverjüngung erheblich beeinträchtigen kann.
Verhalten & Lebensweise
Rehe sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Hauptaktivitätsphasen liegen in den frühen Morgen- und späten Abendstunden, wobei sich die Aktivitätsmuster je nach Störungsintensität durch den Menschen verschieben können. In ruhigen Gebieten ist auch eine Aktivität am Tag zu beobachten.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben Rehe weitgehend einzelgängerisch oder in kleinen, lockeren Gruppen. Im Winter bilden sich häufig sogenannte „Sprünge" – lose Ansammlungen von mehreren Tieren, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Es handelt sich dabei nicht um feste Rudel mit sozialer Hierarchie, sondern um zeitlich begrenzte Zusammenschlüsse.
Rehböcke besetzen ab dem Frühjahr Territorien, die sie gegenüber Rivalen durch Markierungen an Bäumen und Sträuchern – das sogenannte „Fegen" und Schlagen mit dem Geweih – sowie durch Duftmarken verteidigen. Das Revier eines Bocks umfasst in der Regel 20 bis 50 Hektar, kann aber je nach Habitatqualität und Populationsdichte erheblich variieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit, in der Jägersprache als „Blattzeit" bezeichnet, fällt auf die Monate Juli und August. Während dieser Phase suchen die Böcke aktiv die Ricken auf und treiben sie in auffälligen Verfolgungsjagden. Typisch sind dabei kreisförmige Laufspuren in der Vegetation, die als „Hexenringe" bekannt sind.
Das Reh zeigt eine unter Huftieren seltene