Rentier
RTierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rangifer tarandus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Trughirsche (Odocoileinae)
- Gattung: Rangifer
- Lebensraum: Tundra, Taiga, subarktische und arktische Regionen der Nordhalbkugel
- Größe: Schulterhöhe 80–150 cm, Körperlänge 120–220 cm
- Gewicht: 60–300 kg (je nach Unterart und Geschlecht)
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Das Rentier ist ein mittelgroßer bis großer Vertreter der Familie der Hirsche. Sein Körperbau ist gedrungen und kräftig, mit relativ kurzen Beinen und breiten, flachen Hufen, die als natürliche Schneeschuhe fungieren und ein Einsinken in weichem Untergrund verhindern. Die Hufe sind zudem an den Rändern scharfkantig, was auf vereisten Böden zusätzlichen Halt bietet.
Das Fell des Rentiers ist dicht und doppelschichtig: Eine wollige Unterwolle isoliert gegen extreme Kälte, während die hohlen Deckhaare als zusätzliche Wärmedämmung dienen und dem Tier beim Durchqueren von Gewässern Auftrieb verleihen. Die Fellfärbung variiert je nach Unterart und Jahreszeit von dunkelbraun im Sommer bis graubraun oder nahezu weiß im Winter. Hals und Brust tragen häufig eine hellere, teils weiße Mähne.
Eine taxonomische Besonderheit innerhalb der Cervidae: Beim Rentier tragen beide Geschlechter ein Geweih. Bei den Männchen – den Bullen oder Stieren – wird es besonders groß und kann eine Spannweite von über einem Meter erreichen. Die Weibchen, Kühe genannt, tragen ein deutlich kleineres Geweih. Bullen werfen ihr Geweih nach der Brunft im Spätherbst ab, Kühe hingegen erst im Frühjahr nach der Geburt der Kälber, was ihnen in den Wintermonaten einen Konkurrenzvorteil am Futterplatz gegenüber den geweihlosen Bullen verschafft.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Rentiers erstreckt sich zirkumpolar über die gesamte Nordhalbkugel. Wildlebende Populationen finden sich in Skandinavien, Russland, der Mongolei, Kanada, Alaska und auf Grönland. Das Habitat umfasst offene Tundra, boreale Nadelwälder (Taiga), Gebirgsregionen und subarktische Küstengebiete. In Nordamerika wird die Art als Karibu bezeichnet – biologisch handelt es sich um dieselbe Spezies.
Je nach Biotop und Lebensweise werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter das Europäische Rentier (Rangifer tarandus tarandus), das Barren-Ground-Karibu (R. t. groenlandicus), das Waldkaribu (R. t. caribou) und das Spitzbergen-Rentier (R. t. platyrhynchus). Die genaue Anzahl gültiger Unterarten ist in der Taxonomie nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion.
Domestizierte Rentierherden werden seit Jahrtausenden von indigenen Völkern wie den Sámi in Nordeuropa und verschiedenen sibirischen Ethnien gehalten. Die Grenze zwischen wild- und halbwild lebenden Populationen ist in einigen Regionen fließend.
Ernährung
Rentiere sind Pflanzenfresser mit einer saisonal stark schwankenden Nahrungszusammensetzung. Im Sommer fressen sie Gräser, Kräuter, Blätter von Zwergsträuchern, Seggen und Pilze. In den Wintermonaten bilden Flechten – insbesondere die sogenannte Rentierflechte (Cladonia rangiferina) – die Hauptnahrungsquelle. Mit ihren Hufen scharren die Tiere den Schnee beiseite, um an die darunter liegende Vegetation zu gelangen. Dieser Vorgang kann bei hartgefrorener Schneedecke erheblichen Energieaufwand bedeuten.
Der Verdauungstrakt des Rentiers ist – wie bei allen Wiederkäuern – auf die Fermentation pflanzlicher Zellulose ausgelegt. Ein mehrkammeriger Magen mit spezialisierten Mikroorganismen ermöglicht die Verwertung nährstoffarmer arktischer Vegetation.
Verhalten & Lebensweise
Rentiere sind ausgeprägte Herdentiere und leben in Gruppen, deren Größe je nach Jahreszeit und Unterart stark variiert. Einige nordamerikanische Karibu-Populationen bilden während der Frühjahrswanderung Herden von mehreren Zehntausend bis über Hunderttausend Individuen – eine der größten Massenwanderungen unter Landsäugetieren weltweit. Die jährlichen Wanderrouten können über 5.000 Kilometer umfassen und führen zwischen sommerlichen Weidegebieten in der Tundra und winterlichen Rückzugsräumen in der Taiga hin und her.
Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, passen ihren Rhythmus aber an die extremen Lichtverhältnisse der Arktis an. Während der Polarnacht und des Polartags löst sich der klassische Tag-Nacht-Rhythmus weitgehend auf; die Tiere wechseln stattdessen in kürzeren Intervallen zwischen Aktivitäts- und Ruhephasen.
Rentiere sind ausdauernde Läufer und gute Schwimmer. Ihre breiten Hufe und das auftriebgebende Fell ermöglichen es ihnen, breite Flüsse und sogar Meeresarme zu durchqueren. Natürliche Fressfeinde sind Wölfe, Vielfraße, Braunbären und Luchse sowie – bei Kälbern – Steinadler.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brunft findet im September und Oktober statt. Die Bullen tragen dann Rivalenkämpfe aus, bei denen sie ihre Geweihe gegeneinander verhaken und durch Schieben und Drücken ihre Stärke messen. Dominante Bullen versuchen, einen Harem mehrerer Kühe um sich zu versammeln. Während der Brunft fressen die Bullen kaum und verlieren erheblich an Körpergewicht.
Nach einer Tragzeit von rund 225 bis 235 Tagen bringt die Kuh im