Roggen
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Definition & Überblick
Roggen (Secale cereale) ist eine der ältesten Kulturgetreidearten Europas und gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae). In der Tierernährung zählt Roggen zu den pflanzlichen Einzelfuttermitteln und wird vorwiegend als Energielieferant in Futterrationen eingesetzt. Im Vergleich zu Weizen, Gerste oder Mais nimmt Roggen in der Tierfütterung allerdings eine untergeordnete Rolle ein – zu Unrecht, denn bei sachgerechter Verwendung stellt er ein wertvolles Ergänzungsfuttermittel dar.
Roggen wird in Deutschland großflächig angebaut und ist ganzjährig verfügbar. In der Fütterungspraxis kommt er als ganzes Korn, geschrotet, gequetscht oder als Bestandteil von Mischfuttermitteln zum Einsatz. Die Verwendung von Roggen erfordert jedoch spezifisches Wissen über seine Inhaltsstoffe, mögliche antinutritive Faktoren und tierartspezifische Verträglichkeit.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Roggen ist ein energiereiches Getreide mit einem moderaten Proteingehalt. Die durchschnittliche Zusammensetzung je 100 g Trockensubstanz stellt sich wie folgt dar:
- Rohprotein: 9–12 %, wobei die biologische Wertigkeit des Proteins geringer ist als bei Weizen. Der Lysingehalt liegt bei etwa 3,5 g/kg – ein limitierender Faktor insbesondere in der Schweinefütterung.
- Rohfett: 1,5–2,0 %, bestehend hauptsächlich aus ungesättigten Fettsäuren.
- Rohfaser: 2,0–2,5 %. Der Gehalt an löslichen Nicht-Stärke-Polysacchariden (NSP), insbesondere Pentosanen (Arabinoxylane), ist mit 7–9 % deutlich höher als bei anderen Getreidearten. Diese Pentosane sind für die typisch klebrige Kotkonsistenz bei übermäßigem Roggeneinsatz verantwortlich.
- Stärke: 54–62 % – der Hauptenergieträger.
- Umsetzbare Energie: Etwa 13,0–13,8 MJ ME/kg (Schwein) bzw. 11,5–12,5 MJ ME/kg (Geflügel).
- Mineralstoffe: Phosphor (ca. 3,3 g/kg), Kalium (ca. 5,0 g/kg), Magnesium (ca. 1,2 g/kg). Der Calciumgehalt ist mit 0,6 g/kg gering.
- Vitamine: Roggen enthält nennenswerte Mengen an B-Vitaminen, insbesondere Thiamin (B1), Niacin (B3) und Folsäure.
Ein besonderes Augenmerk verdienen die Mutterkornalkaloide (Ergotalkaloide). Roggen ist unter allen Getreidearten am anfälligsten für den Befall mit dem Mutterkornpilz (Claviceps purpurea), dessen toxische Stoffwechselprodukte schwerwiegende gesundheitliche Folgen für Nutztiere haben können.
Für welche Tiere geeignet?
Roggen kann bei verschiedenen Tierarten in die Futterration integriert werden, allerdings mit deutlich unterschiedlichen Einsatzgrenzen:
- Schweine: Roggen eignet sich gut für Mastschweine und Sauen. Moderne Hybridroggensorten mit niedrigem Pentosangehalt ermöglichen Anteile von bis zu 40–50 % in der Gesamtration. Bei konventionellen Populationsroggensorten sollte der Anteil 20–30 % nicht überschreiten.
- Rinder: In der Rinderfütterung kann Roggen als Teil der Kraftfutterkomponente eingesetzt werden. Milchkühe vertragen bis zu 30 % Roggenanteil im Kraftfutter. Bei Mastrindern sind ähnliche Anteile möglich. Roggen sollte stets geschrotet oder gequetscht verfüttert werden, um die Verdaulichkeit zu verbessern.
- Geflügel: Hier ist Vorsicht geboten. Die hohen Pentosangehalte führen bei Hühnern und Puten zu erhöhter Viskosität des Darminhalts, verschlechterter Nährstoffverdaulichkeit und feuchtem, klebriger Kot. Der Roggenanteil sollte bei Legehennen 15 % und bei Mastgeflügel 10 % der Futterration nicht übersteigen. Der Zusatz von NSP-spaltenden Enzymen (Xylanasen) kann die Verträglichkeit deutlich verbessern.
- Pferde: Roggen wird für Pferde nicht empfohlen. Die im Magen quellenden Pentosane können zu Magenüberladung, Koliken und schweren Verdauungsstörungen führen. Auch kleine Mengen bergen ein erhebliches Risiko.
- Schafe und Ziegen: In begrenztem Umfang (bis 20 % der Kraftfutterration) einsetzbar, allerdings mit langsamer Gewöhnung.
Fütterungsempfehlung
Der Einsatz von Roggen erfordert grundsätzlich eine schrittweise Eingewöhnung über mindestens 7–14 Tage. Die Futtermenge sollte langsam gesteigert werden, um die Darmflora an die veränderte Substratversorgung anzupassen.
- Aufbereitung: Roggen sollte stets mechanisch aufgeschlossen werden – Schroten oder Quetschen verbessert die Stärkeverdaulichkeit erheblich. Zu feines Vermahlen ist jedoch zu vermeiden, da dies die Magengesundheit beeinträchtigen kann (Magenulzera bei Schweinen).
- Enzymzusatz: Der Einsatz von Xylanasen als Futterzusatz ist insbesondere bei Geflügel und Schweinen empfehlenswert. Diese Enzyme spalten Pentosane und senken die Viskosität des Darminhalts.
- Kombination: Roggen sollte niemals als alleinige Getreidekomponente verfüttert werden. Die Kombination mit Weizen, Gerste oder Mais in einer ausgewogenen Futterration gleicht Defizite in der Aminosäurezusammensetzung und bei der Schmackhaftigkeit aus.
- Fütterungsintervall: Keine Besonderheiten gegenüber anderen