Rothirsch
RTierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cervus elaphus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
- Gattung: Cervus
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, offene Graslandschaften, Hochgebirge, Moorlandschaften
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 165–250 cm, Schulterhöhe 120–150 cm
- Gewicht: Hirsche (männlich) 160–250 kg, Hirschkühe (weiblich) 80–130 kg
- Lebenserwartung: 12–18 Jahre in freier Wildbahn, bis 25 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Rothirsch ist nach dem Elch die zweitgrößte freilebende Hirschart Europas. Sein Körperbau ist kräftig und muskulös, mit einem langen Hals und einem verhältnismäßig schlanken Kopf. Die Läufe sind lang und kraftvoll, was dem Tier eine hohe Laufgeschwindigkeit und gute Sprungfähigkeit verleiht.
Das Fell wechselt saisonal: Im Sommer trägt der Rothirsch ein kurzes, rotbraunes Haarkleid – von dem sich auch sein Name ableitet. Im Winter wird das Fell dichter, länger und wechselt zu einem graubraunen Ton. Am Hinterleib befindet sich der sogenannte Spiegel, ein heller, gelblich-weißer Fleck rund um den kurzen Schwanz, der bei der Feindvermeidung als optisches Signal für Artgenossen dient.
Nur männliche Tiere, in der Jägersprache Hirsche genannt, tragen ein Geweih. Dieses besteht aus Knochensubstanz und wird jährlich abgeworfen und neu gebildet. Bei ausgewachsenen Hirschen kann das Geweih eine Spannweite von über einem Meter erreichen und bis zu zwölf oder mehr Enden (Sprossen) aufweisen. Während der Wachstumsphase ist das Geweih von einer nährstoffreichen Hautschicht, dem Bast, überzogen. Nach Abschluss des Wachstums wird der Bast an Bäumen und Sträuchern abgefegt.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Rothirsches erstreckt sich über weite Teile Europas, Westasiens und Nordafrikas. In Europa kommt er von den Britischen Inseln über Skandinavien bis in die Mittelmeerregion und den Kaukasus vor. Darüber hinaus wurden Rothirsche in Neuseeland, Australien und Argentinien angesiedelt, wo sie heute teils stabile Populationen bilden.
Ursprünglich war der Rothirsch ein Bewohner offener und halboffener Landschaften, einschließlich lichter Wälder, Steppen und Flussauen. Durch jahrhundertelange menschliche Landnutzung und Bejagung wurde er in Mitteleuropa weitgehend in geschlossene Waldgebiete zurückgedrängt. Sein bevorzugtes Habitat umfasst heute ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit eingestreuten Lichtungen und angrenzenden Wiesen. Im Alpenraum nutzt der Rothirsch auch subalpine Matten und zieht saisonal zwischen Sommer- und Wintereinständen, was zu vertikalen Wanderungen über mehrere hundert Höhenmeter führen kann.
Ernährung
Der Rothirsch ist ein Mischäser, was bedeutet, dass er je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit sowohl Gräser als auch Kräuter, Blätter, Triebe, Knospen, Rinde und Früchte aufnimmt. Im Frühjahr und Sommer dominieren frische Gräser und krautige Pflanzen den Speiseplan. Im Herbst ergänzen Eicheln, Bucheckern und Fallobst die Nahrung. Während der Wintermonate weicht der Rothirsch verstärkt auf Zwergsträucher, Baumrinde und Knospen aus.
In Regionen mit harten Wintern kann die Nahrungsknappheit zu erheblichen Schälschäden an Bäumen führen, wenn Rothirsche großflächig die Rinde von Fichten und anderen Baumarten abnagen. Dies führt regelmäßig zu Konflikten mit der Forstwirtschaft. In einigen Gebieten wird daher im Winter zugefüttert, um Schäden am Waldbestand zu reduzieren – eine Praxis, die unter Wildökologen kontrovers diskutiert wird.
Verhalten & Lebensweise
Rothirsche leben den größten Teil des Jahres in nach Geschlechtern getrennten Rudeln. Die weiblichen Tiere – Hirschkühe, auch Alttiere genannt – bilden zusammen mit ihren Kälbern und Jährlingen Kahlwildrudel, die von einer erfahrenen Leitkuh angeführt werden. Die Hirsche schließen sich zu lockeren Junggesellengruppen zusammen und leben abseits der weiblichen Rudel.
Die Aktivitätsphasen sind stark von menschlicher Störung abhängig. In ungestörten Gebieten ist der Rothirsch auch tagaktiv. In intensiv genutzten Kulturlandschaften verlagert er seine Aktivität zunehmend in die Dämmerungs- und Nachtstunden und wird dämmerungs- bis nachtaktiv. Rothirsche sind standorttreu, nutzen aber je nach Region saisonale Einstände und können bei Wanderungen zwischen Sommer- und Winterlebensräumen Strecken von 20 bis 50 Kilometern zurücklegen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brunft des Rothirsches findet in Mitteleuropa von Mitte September bis Mitte Oktober statt. In dieser Phase besetzen die Hirsche Brunftplätze und versuchen, Gruppen von Hirschkühen um sich zu sammeln und als sogenannte Brunftrudel gegen Rivalen zu verteidigen. Der Brunftruf – ein tiefes, weithin hörbares Röhren – dient sowohl der Anlockung weiblicher Tiere als auch der akustischen Auseinandersetzung mit Konkurrenten. Kommt es zwischen zwei rangähnlichen Hirschen zum Kampf, schieben sie mit ineinander verhakten Geweihen gegeneinander, bis einer der Kontrahenten weicht. Schwere Verletzungen oder gar tödliche Ausgänge sind selten, kommen aber vor.
Nach einer Tragzeit von rund 235 Tagen (etwa 7,5 Monate) setzt die Hirschkuh im