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Schabe

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Blattodea (Ordnung); bekannteste Arten: Blattella germanica (Deutsche Schabe), Periplaneta americana (Amerikanische Großschabe), Blatta orientalis (Orientalische Schabe)
  • Ordnung: Blattodea (Schaben)
  • Familien: u. a. Blattellidae, Blattidae, Blaberidae, Ectobiidae
  • Lebensraum: Weltweit; tropische und subtropische Wälder, Höhlen, menschliche Siedlungen, Kanalisation
  • Größe: 1–9 cm je nach Art
  • Gewicht: 0,1–30 g
  • Lebenserwartung: Je nach Art 3 Monate bis 2 Jahre (Ausnahmen bis 5 Jahre bei großen tropischen Arten)

Aussehen & Merkmale

Schaben besitzen einen dorsoventral abgeflachten Körper, der ihnen das Eindringen in engste Spalten und Ritzen erlaubt. Der breite, schildförmige Halsschild (Pronotum) überdeckt den Kopf von oben nahezu vollständig, sodass dieser bei Aufsicht kaum sichtbar ist. Die Mundwerkzeuge sind vom kauend-beißenden Typ und nach unten gerichtet (hypognath). Zwei lange, vielgliedrige Fühler (Antennen) dienen als primäre Sinnesorgane für Geruch, Berührung und Luftströmungen.

Die meisten Schabenarten tragen zwei Flügelpaare: ein ledrig-derbes Vorderflügelpaar (Tegmina) und ein häutiges, unter den Tegmina gefaltetes Hinterflügelpaar. Allerdings sind zahlreiche Arten flugunfähig oder besitzen nur Flügelstummel. Die sechs Laufbeine sind bedornt und ermöglichen hohe Laufgeschwindigkeiten – die Amerikanische Großschabe erreicht bis zu 5,4 km/h und gehört damit relativ zu ihrer Körpergröße zu den schnellsten laufenden Insekten. Am Hinterleibsende sitzen zwei Cerci, bewegliche Anhänge, die als Mechanorezeptoren selbst feinste Luftbewegungen registrieren und eine extrem kurze Fluchtreaktion auslösen.

Die Körperfarbe variiert artspezifisch von hellbraun (Blattella germanica) über rotbraun (Periplaneta americana) bis zu glänzend schwarzbraun (Blatta orientalis). Tropische Arten der Familie Blaberidae können leuchtende Färbungen aufweisen.

Lebensraum & Verbreitung

Schaben zählen zu den ältesten noch existierenden Insektenordnungen. Fossile Funde aus dem Karbon belegen, dass schabenartige Insekten bereits vor über 300 Millionen Jahren existierten. Heute sind weltweit rund 4.600 beschriebene Arten bekannt, von denen die überwiegende Mehrheit in tropischen und subtropischen Habitaten lebt – in Laubstreu, unter Baumrinde, in Höhlen und im Totholz.

In Mitteleuropa kommen etwa 15 wildlebende Arten vor, darunter die einheimische Waldschabe (Ectobius sylvestris) und die Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris), die sich in den letzten Jahrzehnten aus dem Mittelmeerraum nordwärts ausgebreitet hat. Diese freilebenden Arten besiedeln Waldränder, Wiesen und Gärten und treten nicht als Schädlinge in Erscheinung.

Nur etwa 30 Arten weltweit gelten als synanthrope Kulturfolger, die menschliche Gebäude als Biotop nutzen. In Mitteleuropa sind vor allem die Deutsche Schabe, die Orientalische Schabe und die Amerikanische Großschabe als Hygieneschädlinge von Bedeutung. Sie bevorzugen warme, feuchte und dunkle Bereiche wie Küchen, Bäckereien, Großküchen, Kanalnetze und Heizungskeller.

Ernährung

Schaben sind ausgesprochen omnivor. Wildlebende Arten ernähren sich von zersetztem Pflanzenmaterial, Pilzmyzel, totem tierischem Gewebe und Detritus. Damit erfüllen sie eine ökologisch bedeutsame Rolle im Stoffkreislauf, vergleichbar mit Asseln oder Springschwänzen.

Synanthrope Arten fressen praktisch alles, was organischen Ursprungs ist: Nahrungsreste, Papier, Leder, Textilien, Seife, Kleister, Haare und selbst Kunststoffbeschichtungen. Diese extreme Nahrungsflexibilität ist ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Schabe als Kulturfolger. Bei Nahrungsknappheit können Schaben wochenlang hungern – die Orientalische Schabe überlebt bis zu einem Monat ohne Futter, benötigt aber regelmäßig Zugang zu Wasser.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Schabenarten sind strikt nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, Ritzen und anderen Verstecken, oft in dichten Aggregationen. Diese Gruppenbildung wird durch Aggregationspheromone gesteuert, die im Kot enthalten sind. Werden Schaben tagsüber bei Licht angetroffen, deutet das in der Regel auf einen starken Befall hin, bei dem die verfügbaren Verstecke nicht mehr ausreichen.

Die Fluchtreaktion der Schabe gehört zu den schnellsten im Tierreich. Bereits 50 Millisekunden nach einem Luftreiz an den Cerci setzt die Fluchtbewegung ein – vermittelt über Riesenneurone im Bauchmark, die eine besonders schnelle Signalweiterleitung ermöglichen. Diese neuronale Verschaltung ist ein Standardmodell der Neurobiologie und wurde intensiv in der Grundlagenforschung untersucht.

Schaben kommunizieren vorwiegend chemisch über Pheromone. Neben Aggregationspheromonen spielen Sexualpheromone bei der Partnerfindung eine zentrale Rolle. Akustische oder visuelle Signale sind bei den meisten Arten von untergeordneter Bedeutung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung produziert das Weibchen eine Eikapsel (Oothek), die je nach Art 12 bis 50 Eier enthält. Die Deutsche Schabe trägt die Oothek bis kurz vor dem Schlupf am Hinterleib, während die Orientalische Schabe sie frühzeitig an geschützten Stellen ablegt. Bei einigen tropischen Bla