Schlanklori
STierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Loris (Gattung), mit zwei anerkannten Arten: Roter Schlanklori (Loris tardigradus) und Grauer Schlanklori (Loris lydekkerianus)
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Unterordnung: Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini)
- Familie: Lorisartige (Lorisidae)
- Gattung: Loris
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder in Sri Lanka und Südindien
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 17–26 cm
- Gewicht: 85–350 g je nach Art und Unterart
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre in freier Wildbahn, bis über 20 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Schlankloris sind kleine, zierlich gebaute Primaten mit auffallend großen, runden Augen, die nahezu das gesamte Gesicht dominieren. Diese enorme Augengröße ist eine Anpassung an die nachtaktive Lebensweise und ermöglicht eine maximale Lichtausbeute bei Dunkelheit. Die Ohren sind dünn, rund und häutig. Der Kopf ist rundlich, die Schnauze kurz und spitz.
Das Fell ist kurz und dicht, je nach Art unterschiedlich gefärbt. Beim Roten Schlanklori (Loris tardigradus) überwiegen rotbraune bis kastanienbraune Töne, während der Graue Schlanklori (Loris lydekkerianus) ein eher graubraunes bis silbriges Haarkleid trägt. Bei beiden Arten zieht sich ein charakteristischer dunkler Gesichtsstreifen zwischen den Augen bis zur Stirn, der von hellerem Fell eingerahmt wird. Die Unterseite des Körpers ist heller als die Oberseite.
Ein markantes Merkmal der Schlankloris ist der stark reduzierte Schwanz – er fehlt vollständig oder ist nur als winziger Stummel vorhanden. Die Extremitäten sind lang und dünn, was den Tieren ihren deutschen Namen eingebracht hat. Die Hände und Füße sind als Greiforgane ausgebildet: Der Daumen und die Großzehe sind opponierbar, was einen zangenartigen Griff um Äste ermöglicht. Der Zeigefinger ist stark verkürzt, was die Greiffunktion zusätzlich verstärkt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Schlankloris beschränkt sich auf den Süden des indischen Subkontinents. Der Rote Schlanklori ist endemisch auf Sri Lanka, wo er die feuchten Tiefland- und Bergregenwälder der südwestlichen Feuchtzone bewohnt. Der Graue Schlanklori kommt sowohl in Sri Lanka als auch in Südindien vor, wobei sein Habitat vielfältiger ist: Er besiedelt neben tropischen Regenwäldern auch Trockenwälder, Dornbuschlandschaften und Sekundärwälder.
Als Biotop bevorzugen Schlankloris dichte Baumvegetation mit einem geschlossenen Kronendach. Sie leben in Höhenlagen vom Tiefland bis auf etwa 1.800 Meter. Entscheidend für die Eignung eines Lebensraums ist ein ausreichendes Angebot an zusammenhängenden Ästen und Lianen, da die Tiere den Boden so gut wie nie betreten. Durch Abholzung und Fragmentierung der Wälder schrumpft das verfügbare Habitat zunehmend.
Ernährung
Schlankloris sind vorwiegend insektivor, ernähren sich also hauptsächlich von Insekten und anderen Gliederfüßern. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören Heuschrecken, Käfer, Ameisen, Spinnen und Schmetterlinge. Ergänzend fressen sie Baumsäfte, Blüten, junge Blätter und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Geckos. Auch Vogeleier werden nicht verschmäht.
Die Jagdtechnik der Schlankloris beruht auf langsamer, geräuschloser Annäherung. Die Tiere fixieren ihre Beute mit den großen Augen, nähern sich in Zeitlupe und packen dann blitzschnell mit beiden Händen zu. Diese Kombination aus Geduld und Schnelligkeit ist typisch für die Lorisartigen und unterscheidet sie deutlich von den sprunghaften Galagos, ihrer nächsten Verwandtschaftsgruppe.
Verhalten & Lebensweise
Schlankloris sind strikt nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie zusammengerollt in dichtem Blattwerk oder Baumhöhlen, oft in kleinen Schlafgruppen von zwei bis vier Tieren. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnen sie ihre Nahrungssuche, die sie einzelgängerisch durchführen. Die Fortbewegung erfolgt ausschließlich arboreal – kletternd und greifend durch das Geäst. Dabei bewegen sich Schlankloris bedächtig und gleichmäßig, ohne Sprünge. Mindestens eine Hand oder ein Fuß hält stets Kontakt zu einem Ast.
Die Tiere nutzen Reviere, die sich zwischen den Geschlechtern überlappen können. Männchen beanspruchen größere Streifgebiete, die oft die Territorien mehrerer Weibchen einschließen. Die Markierung erfolgt über Urin: Schlankloris benetzen ihre Hände mit Harn und hinterlassen so auf Ästen Duftspuren, die Artgenossen Informationen über Geschlecht, Fortpflanzungsstatus und Identität liefern.
Die Kommunikation umfasst ein breites Spektrum an Lautäußerungen, darunter Zwitscherlaute, Pfiffe und ein charakteristisches Schnurren bei sozialen Interaktionen. Ultraschalllaute werden ebenfalls eingesetzt und sind für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.
Fortpflanzung & Aufzucht
Schlankloris können sich ganzjährig fortpflanzen, wobei es regionale Häufungen gibt. Nach einer Tragzeit von rund 166 bis 169 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge kommen selten vor. Das Neugeborene wiegt etwa 8 bis 12 Gramm und klammert sich unmittelbar nach der Geburt am Bauchfell der Mutter fest.
In den ersten Lebenswochen trägt die Mutter das Jungtier ständig mit sich. Später „parkt