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Schwammspinner

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lymantria dispar
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Erebidae (früher Lymantriidae, Trägspinner)
  • Gattung: Lymantria
  • Lebensraum: Laubwälder, Mischwälder, Obstgärten, Parks
  • Flügelspannweite: Männchen 35–45 mm, Weibchen 50–70 mm
  • Gewicht: Weibchen bis ca. 3 g, Männchen deutlich leichter
  • Lebenserwartung: Imagines (erwachsene Falter) leben nur etwa 1–2 Wochen; gesamter Lebenszyklus ca. 1 Jahr

Aussehen & Merkmale

Der Schwammspinner zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, der bei Schmetterlingen in dieser Deutlichkeit selten vorkommt. Die Männchen sind schlank gebaut, tragen braun bis graubraun gefärbte Vorderflügel mit dunklen Zickzack-Querlinien und besitzen auffällig große, kammförmig gefiederte Fühler. Diese dienen der Wahrnehmung von Pheromonen über weite Distanzen. Die Hinterflügel sind etwas heller und einfarbiger gezeichnet.

Die Weibchen sind erheblich größer und schwerer. Ihre Flügel sind weißlich bis gelblich-weiß gefärbt mit schwach angedeuteten dunklen Querlinien auf den Vorderflügeln. Trotz ihrer voll ausgebildeten Flügel sind die Weibchen der europäischen Population flugunfähig – ihr schwerer, mit Eiern gefüllter Hinterleib verhindert den Flug. Nordamerikanische Populationen bringen dagegen gelegentlich flugfähige Weibchen hervor. Der Hinterleib der Weibchen ist dicht mit gelbbraunen Afterwolle-Haaren bedeckt, die später zur Abdeckung der Eigelege dienen.

Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Häutungsstadien und erreichen eine Länge von bis zu 70 mm. Sie sind dunkel gefärbt und tragen charakteristische Paare von blauen und roten Warzen auf den vorderen bzw. hinteren Körpersegmenten. Der gesamte Körper ist mit langen Haaren (Setae) besetzt, die bei empfindlichen Personen Hautreizungen auslösen können.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Lymantria dispar erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Nordafrika und Kleinasien bis nach Ostasien einschließlich Japans. In Mitteleuropa bewohnt der Schwammspinner bevorzugt wärmegetönte Eichen- und Eichenmischwälder in Tieflagen und Mittelgebirgen. Besonders hohe Populationsdichten treten in trockenwarmen Regionen auf, etwa in den Auwäldern und Eichenwäldern Süddeutschlands, Österreichs und Ungarns.

Im Jahr 1869 wurde die Art durch den Entomologen Étienne Léopold Trouvelot bei Boston (Massachusetts) nach Nordamerika eingeführt – ursprünglich für Versuche zur Seidenproduktion. Einige Exemplare entkamen, und die Art breitete sich in der Folge über große Teile des nordöstlichen Nordamerikas aus, wo sie als „Gypsy Moth" bekannt ist und erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. In den USA gilt der Schwammspinner als eine der bedeutendsten invasiven Insektenarten.

Ernährung

Die erwachsenen Falter nehmen keine Nahrung auf. Ihre Mundwerkzeuge sind zurückgebildet – die gesamte Energie für Paarung und Eiablage stammt aus den Fettreserven, die im Larvenstadium angelegt wurden.

Die Raupen hingegen sind ausgesprochen polyphag und fressen an über 300 verschiedenen Gehölzarten. Bevorzugt werden Eichen (Quercus), daneben Hainbuchen, Buchen, Linden, Pappeln, Weiden und diverse Obstbäume. Bei Massenvermehrungen und entsprechendem Nahrungsmangel weichen die Raupen auch auf Nadelbäume wie Fichten und Kiefern aus, die normalerweise gemieden werden. Eine einzelne Raupe kann während ihrer Entwicklung mehrere Quadratmeter Blattfläche konsumieren. Bei Massenauftreten führt der Fraß zum vollständigen Kahlfraß ganzer Waldbestände.

Verhalten & Lebensweise

Die Männchen sind nachtaktiv und fliegen in schwärmendem, taumelndem Flug, häufig auch in den Nachmittags- und Abendstunden, auf der Suche nach Weibchen. Dabei orientieren sie sich am Sexualpheromon Disparlure, das die Weibchen in geringsten Mengen abgeben und das Männchen über Entfernungen von mehreren Kilometern anlocken kann.

Die Jungraupen zeigen ein auffälliges Ausbreitungsverhalten: Nach dem Schlupf klettern sie an exponierte Stellen, spinnen einen Seidenfaden und lassen sich vom Wind verdriften. Dieses sogenannte „Ballooning" ermöglicht eine Ausbreitung über Distanzen von mehreren hundert Metern bis einigen Kilometern. Ältere Raupen sind überwiegend nachtaktiv und wandern tagsüber in Rindenspalten oder an die Stammunterseite ab.

Der Schwammspinner neigt zu zyklischen Massenvermehrungen, die in Mitteleuropa etwa alle 7 bis 12 Jahre auftreten. Während solcher Gradationen können Populationsdichten von mehreren tausend Raupen pro Baum erreicht werden. Der Zusammenbruch erfolgt meist durch eine Kombination aus Nahrungsmangel, Viruserkrankungen (Nukleopolyhedrovirus, LdNPV) und dem Pilz Entomophaga maimaiga.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Juli bis August. Nach der Paarung legt das Weibchen ein einziges, großes Eigelege von 100 bis 1.000 Eiern an Baumstämmen, Ästen, Zaunpfählen oder anderen festen Unterlagen ab. Das Gelege wird mit der gelbbraunen Afterwolle bedeckt und erhält dadurch sein schwammartiges Aussehen – daher der deutsche Name „Schwammspinner". Die Eigelege sind oval, etwa 2–4 cm groß und gut getarnt.

Die Eier überwintern und die Rau