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Schwarzkopfmöwe

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Möwen & Seeschwalben

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ichthyaetus melanocephalus (früher Larus melanocephalus)
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Möwen (Laridae)
  • Gattung: Ichthyaetus
  • Lebensraum: Küsten, Flussmündungen, Binnenseen, Feuchtgebiete
  • Größe: 36–40 cm Körperlänge, Flügelspannweite 94–110 cm
  • Gewicht: 220–370 g
  • Lebenserwartung: bis zu 20 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Schwarzkopfmöwe ist eine mittelgroße Möwe, die im Prachtkleid durch ihren vollständig schwarzen Kopf unverwechselbar ist. Im Gegensatz zur häufigeren Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus), mit der sie oft verwechselt wird, reicht die schwarze Kopffärbung bei der Schwarzkopfmöwe deutlich weiter in den Nacken hinab und wirkt tiefschwarz statt dunkelbraun. Auffällig sind die weißen Halbmonde oberhalb und unterhalb der Augen, die das Gesicht im Prachtkleid kontrastreich gliedern.

Das übrige Gefieder ist auf der Oberseite hellgrau, die Unterseite reinweiß – häufig mit einem zarten rosa Schimmer auf der Brust, der besonders im Frühjahr sichtbar wird. Der kräftige, leicht nach unten gebogene Schnabel ist dunkelrot bis orangerot mit einer dunklen subterminalem Binde. Die Beine sind ebenfalls dunkelrot. Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal sind die rein weißen Flügelspitzen ohne jede Schwarzzeichnung. Dies unterscheidet die Art im Flug sofort von Lach- und Sturmmöwe.

Im Schlichtkleid fehlt die schwarze Kopfplatte. Stattdessen zeigt der Kopf eine weiße Grundfärbung mit einem dunklen Fleck hinter dem Auge und einer diffusen dunklen Zeichnung am Hinterkopf. Jungvögel tragen im ersten Winter ein bräunlich gezeichnetes Oberflügelgefieder mit dunkler Schwanzbinde und erreichen das vollständige Adultkleid im dritten Kalenderjahr.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Schwarzkopfmöwe erstreckt sich über den westlichen Paläarktis-Raum. Die Brutgebiete liegen schwerpunktmäßig in Südosteuropa, insbesondere an den Küsten des Schwarzen Meeres und in der Ukraine, wo sich die größten Kolonien befinden. Seit den 1960er-Jahren breitet sich die Art kontinuierlich nach Westen und Norden aus. Inzwischen brütet sie regelmäßig in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien und Griechenland.

In Deutschland ist die Schwarzkopfmöwe ein seltener, aber zunehmender Brutvogel. Sie wurde erstmals in den 1990er-Jahren als Brutvogel nachgewiesen und besiedelt seither vor allem die Nordseeküste, vereinzelt auch Binnengewässer. Als Habitat bevorzugt sie flache Küstenlagunen, Salzwiesen, Flussmündungen und Binnenseen mit Inseln oder vegetationsarmen Uferzonen. Außerhalb der Brutzeit hält sie sich an Meeresküsten und in Hafengebieten des westlichen Mittelmeerraums und des Ostatlantiks auf. Die Überwinterungsgebiete reichen von der Iberischen Halbinsel über Nordafrika bis ins östliche Mittelmeer.

Ernährung

Die Schwarzkopfmöwe ernährt sich überwiegend von Insekten und deren Larven, was sie unter den Möwen zu einer besonders insektivoren Art macht. Während der Brutzeit bilden Käfer, Heuschrecken, Schnaken und andere Fluginsekten den Hauptbestandteil der Nahrung. Sie folgt dabei häufig landwirtschaftlichen Maschinen auf Äckern und Wiesen, um aufgescheuchte Insekten zu erbeuten.

Ergänzend stehen kleine Fische, Regenwürmer, Krebstiere und Weichtiere auf dem Speiseplan. Im Winterhalbjahr nimmt der Anteil mariner Beute – darunter kleine Fische und Garnelen – deutlich zu. Im Gegensatz zu vielen anderen Möwenarten nutzt die Schwarzkopfmöwe Abfalldeponien und anthropogene Nahrungsquellen nur in geringem Maße.

Verhalten & Lebensweise

Die Schwarzkopfmöwe ist tagaktiv und gesellig. Sie brütet in Kolonien, die oft mehrere Hundert bis Tausend Paare umfassen. Häufig schließt sie sich dabei gemischten Kolonien an, in denen auch Lachmöwen, Flussseeschwalben oder Säbelschnäbler brüten. Innerhalb der Kolonie verteidigt jedes Paar ein kleines Revier unmittelbar um das Nest.

Die Stimme ist tiefer und rauer als die der Lachmöwe – ein charakteristisches, nasales „gäh" oder „wäh", das in der Kolonie häufig zu hören ist. Während der Balz zeigen die Vögel ein ausgeprägtes Repertoire an Ritualen: Kopfwenden, Futterübergabe und synchronisierte Rufe dienen der Paarbindung. Die Art ist ein Zugvogel, der die Brutgebiete ab Juli verlässt und in die Überwinterungsgebiete am Mittelmeer und Atlantik abzieht. Der Frühjahrszug setzt ab Februar ein.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt Mitte April bis Mai. Das Nest wird als flache Mulde am Boden angelegt, meist auf vegetationsarmen Inseln oder Kiesbänken, und spärlich mit Pflanzenmaterial ausgekleidet. Das Gelege umfasst in der Regel zwei bis drei Eier, die olivbraun mit dunklen Flecken gefärbt sind.

Beide Altvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 23 bis 25 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest wenige Tage nach dem Schlupf, bleiben aber im Koloniebereich. Sie werden von beiden Elternteilen gefüttert und sind nach etwa 35 bis 40 Tagen flügge. Die Geschlechtsreife wird im Alter von zwei bis drei Jahren erreicht. Die Art führt eine monogame Saisonehe, wobei sich Paare in aufeinanderfolgenden Jahren oft erneut zusammenfinden.