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Schwertmuschel

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Muscheln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ensis spp. (häufigste europäische Art: Ensis ensis, Schwertförmige Scheidenmuschel)
  • Ordnung: Veneroida (nach neuerer Systematik: Adapedonta)
  • Familie: Pharidae (Scheidenmuscheln)
  • Gattung: Ensis
  • Lebensraum: Sandige Gezeitenzonen und flache Meeresböden, Wattenmeer, Küstengewässer
  • Größe: 10–20 cm Schalenlänge, je nach Art bis 25 cm
  • Gewicht: 30–80 g (Gesamtgewicht mit Schale)
  • Lebenserwartung: 5–10 Jahre, unter günstigen Bedingungen bis 15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Schwertmuschel verdankt ihren deutschen Trivialnamen der auffällig langgestreckten, schmalen Schalenform, die an eine Schwertklinge oder ein Rasiermesser erinnert – im Englischen heißt sie entsprechend „razor clam". Die beiden Schalenhälften (Klappen) sind nahezu parallelrandig und an beiden Enden offen. Die Schale besteht aus drei Schichten: dem äußeren Periostracum, einer dünnen, oft gelblich-braunen bis olivgrünen Hornschicht, der darunterliegenden prismatischen Kalkschicht und einer inneren Perlmuttschicht. Die Oberfläche zeigt feine konzentrische Zuwachsstreifen, die als Wachstumslinien dienen und Rückschlüsse auf das Alter erlauben.

Am unteren Schalenende ragt ein kräftiger, zungenförmiger Grabfuß hervor, der bei Gefahr blitzschnell ausgestülpt wird. Im Inneren der Schale befinden sich zwei Schließmuskeln (Adduktoren), die die Klappen zusammenziehen können. An dem leicht klaffenden oberen Ende treten die beiden Siphonen hervor – eine Einström- und eine Ausströmsiphon –, über die Wasser zur Atmung und Nahrungsaufnahme geleitet wird.

Lebensraum & Verbreitung

Schwertmuscheln besiedeln sandig-schlickige Meeresböden in der Gezeitenzone und im flachen Sublitoral bis etwa 20 Meter Tiefe. Ihr bevorzugtes Habitat sind feinsandige Wattflächen, Sandbänke und geschützte Küstenabschnitte mit mäßiger Strömung. Das Sediment muss locker genug sein, damit sich die Tiere rasch eingraben können.

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Ensis erstreckt sich über den Nordostatlantik, von Norwegen über die Britischen Inseln und die Nordseeküste bis zur Iberischen Halbinsel und ins westliche Mittelmeer. Im europäischen Wattenmeer – insbesondere an den Küsten der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks – zählen Schwertmuscheln zu den häufigen Vertretern der Bodenfauna (Endofauna). Die Art Ensis leei (ehemals Ensis directus), die Amerikanische Schwertmuschel, wurde in den 1970er-Jahren mit Ballastwasser von Frachtschiffen aus Nordamerika eingeschleppt und hat sich seither als Neozoon massiv in der Nordsee ausgebreitet. Sie steht in Konkurrenz zu den einheimischen Arten Ensis ensis und Ensis siliqua (Große Schwertmuschel).

Ernährung

Schwertmuscheln sind Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie pumpen über ihre Siphonen Meerwasser ein und filtern mit Hilfe der Kiemen (Ctenidien) Phytoplankton, Detritus und feinste organische Partikel heraus. Die Kiemen sind mit Cilien besetzt – feinen Flimmerhärchen –, die einen gerichteten Wasserstrom erzeugen und Nahrungspartikel in Schleim einbetten. Dieser Nahrungsbrei wird über Mundlappen (Labialpalpen) sortiert: Geeignete Partikel gelangen in den Mund, Unverwertbares wird als Pseudofäzes ausgestoßen. Pro Stunde kann eine erwachsene Schwertmuschel mehrere Liter Wasser filtrieren und leistet damit einen messbaren Beitrag zur Wasserklärung in ihrem Biotop.

Verhalten & Lebensweise

Schwertmuscheln leben vertikal eingegraben im Sediment, wobei nur die Spitzen der Siphonen die Sandoberfläche erreichen. Sie können sich mit ihrem muskulösen Grabfuß außerordentlich schnell in den Untergrund zurückziehen. Der Fuß wird zunächst schlank und spitz in das Sediment vorgetrieben, dann an der Spitze aufgebläht, sodass ein Anker entsteht. Durch Kontraktion der Fußmuskulatur zieht sich das Tier nach unten – in Sekundenschnelle können Schwertmuscheln bis zu 50 Zentimeter tief im Sand verschwinden. Diese Geschwindigkeit macht sie für Beutegreifer und menschliche Sammler schwer zu fangen.

Bei Ebbe ziehen sich die Tiere in ihre Wohnröhren zurück. Ihre Anwesenheit verraten charakteristische schlüssellochförmige Öffnungen im Watt. Werden sie gestört, spritzen sie einen feinen Wasserstrahl nach oben, der bei aufmerksamem Beobachten aus einiger Entfernung sichtbar ist. Schwertmuscheln sind grundsätzlich ortstreue Tiere, können sich jedoch bei Bedrohung oder ungünstigen Bedingungen durch ruckartige Schwimmbewegungen – indem sie Wasser aus dem Mantelraum ausstoßen – kurzzeitig über dem Boden fortbewegen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Schwertmuscheln sind getrenntgeschlechtlich (gonochoristisch). Die Fortpflanzung erfolgt im Frühjahr und Frühsommer, in europäischen Gewässern hauptsächlich zwischen April und Juni, wenn die Wassertemperatur auf etwa 10–15 °C ansteigt. Männchen und Weibchen geben Spermien und Eizellen frei ins Wasser ab (externe Befruchtung). Der Laichausstoß erfolgt oft synchronisiert innerhalb einer Population, ausgelöst durch Temperaturanstieg und chemische Signalstoffe im Wasser.

Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich zunächst frei schwimmende Trochophora-Larven, die sich binnen weniger Tage zu Veliger-Larven weiterentwickeln