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Seeregenpfeifer

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Tierart – Vögel > Vögel – heimisch (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Charadrius alexandrinus
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
  • Gattung: Charadrius
  • Lebensraum: Sandstrände, Salzwiesen, Lagunen, flache Küstengewässer
  • Größe: 15–17 cm Körperlänge, Flügelspannweite 42–45 cm
  • Gewicht: 40–60 g
  • Lebenserwartung: bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Seeregenpfeifer ist ein kleiner, zierlich gebauter Watvogel mit vergleichsweise langen Beinen und einem kurzen, dunklen Schnabel. Das Gefieder der Oberseite ist sandbraun bis graubraun gefärbt und bietet auf sandigen Böden eine hervorragende Tarnung. Die Unterseite ist reinweiß. Im Prachtkleid zeigt das Männchen rostbraune bis orangebraune Partien auf dem Scheitel und an den Halsseiten sowie einen schwarzen Stirnfleck und dunkle Ohrdecken. Das Weibchen ist insgesamt blasser gefärbt und zeigt statt schwarzer eher bräunliche Kopfzeichnungen.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem ähnlichen Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) und dem Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) ist das unvollständige Brustband. Beim Seeregenpfeifer sind lediglich seitliche Brustflecken vorhanden, während die verwandten Arten ein durchgehendes oder nahezu geschlossenes dunkles Brustband tragen. Im Flug fällt ein weißer Flügelstreif auf, und die äußeren Schwanzfedern sind weiß. Die Beine sind dunkelgrau bis schwärzlich, bei manchen Individuen mit einem leichten Grünstich.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Seeregenpfeifers erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas, Vorderasiens und Zentralasiens bis nach Ostchina. Isolierte Populationen brüten zudem in Teilen Südamerikas und an der Pazifikküste Nordamerikas – diese werden von manchen Autoren als eigenständige Art (Charadrius nivosus, Amerikanischer Seeregenpfeifer) geführt.

In Mitteleuropa ist der Seeregenpfeifer ein seltener Brutvogel. In Deutschland brütet er fast ausschließlich an der Nordseeküste, vor allem auf den Ostfriesischen Inseln, an der schleswig-holsteinischen Westküste und in geringem Umfang an der Ostsee. Sein bevorzugtes Habitat sind flache, vegetationsarme Sandstrände, Muschelschill-Bänke, Salzwiesen und die Ränder von Strandseen und Lagunen. Im Binnenland besiedelt er gelegentlich die Ufer salzhaltiger Gewässer und Klärteiche. Die Art ist ein Teilzieher: Mitteleuropäische Brutvögel überwintern an den Atlantikküsten Westafrikas und Südwesteuropas, während südeuropäische Populationen teilweise standorttreu sind.

Ernährung

Der Seeregenpfeifer ernährt sich überwiegend von kleinen Wirbellosen. Zu seinem Nahrungsspektrum gehören Insekten und deren Larven, kleine Krebstiere wie Flohkrebse und Strandflöhe, Schnecken, Ringelwürmer und andere Bodenorganismen des Spülsaums und der Wattflächen. Die Nahrungssuche erfolgt typischerweise nach dem für Regenpfeifer charakteristischen Muster: kurzes Laufen, abruptes Stehenbleiben, visuelles Fixieren der Beute und blitzschnelles Zupicken. Im Gegensatz zu Schnepfenvögeln stochert der Seeregenpfeifer nicht im Boden, sondern nimmt seine Nahrung von der Oberfläche oder aus den obersten Substratschichten auf. Gelegentlich wurde beobachtet, wie er mit einem Fuß auf den feuchten Sand trommelt, um Beutetiere an die Oberfläche zu locken.

Verhalten & Lebensweise

Der Seeregenpfeifer ist vorwiegend tagaktiv, sucht jedoch bei Vollmond oder in den Dämmerungsstunden ebenfalls nach Nahrung. Außerhalb der Brutzeit lebt er gesellig und bildet an Rastplätzen und Überwinterungsgebieten lockere Trupps, die sich mit anderen Watvögeln wie Alpenstrandläufern oder Sandregenpfeifern vergesellschaften. Während der Brutzeit verteidigen die Vögel ein Revier, das je nach Lebensraumqualität und Populationsdichte unterschiedlich groß ausfällt.

Zu den auffälligsten Verhaltensweisen gehört die Ablenkungsstrategie bei Störungen am Nest. Der brütende Altvogel verlässt die Nestmulde unauffällig und simuliert in einiger Entfernung einen gebrochenen Flügel – das sogenannte Verleiten –, um potenzielle Nesträuber vom Gelege wegzulocken. Bei der Balz zeigt das Männchen einen charakteristischen Imponierflug mit langsamen Flügelschlägen und scharrt mehrere flache Nestmulden im Sand, aus denen das Weibchen eine auswählt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt in Mitteleuropa im April und kann sich bis in den Juli erstrecken. Das Nest besteht aus einer einfachen, flachen Mulde im Sand oder Kies, die gelegentlich mit kleinen Muschelstücken, Steinchen oder Pflanzenteilen ausgekleidet wird. Das Gelege umfasst in der Regel drei Eier, seltener zwei. Die Eier sind sandfarben mit dunklen Flecken und Kritzeln und dadurch im Substrat kaum zu erkennen.

Beide Elternteile bebrüten die Eier, wobei das Männchen überwiegend die Nachtschichten übernimmt. Die Brutdauer beträgt 24 bis 27 Tage. Die Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen die Nestmulde wenige Stunden nach dem Schlupf und suchen selbstständig nach Nahrung. Die Altvögel führen und wärmen die Küken (Hudern), füttern sie jedoch nicht direkt. Eine Besonderheit bei dieser Art ist die sogenannte sequentielle Polyandrie: Das Weibchen überlässt die Jungenführung häufig nach wenigen Tagen dem Männchen und paart sich mit einem neuen Partner, um ein zweites Gel