Sehnen
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Definition & Überblick
Sehnen sind bindegewebige Strukturen, die in der Tierkörperverwertung als Nebenprodukt der Schlachtung anfallen. Sie verbinden Muskeln mit Knochen und bestehen überwiegend aus Kollagen – einem faserreichen Strukturprotein. In der Tierernährung werden Sehnen vor allem von Rind, Pferd, Hirsch, Lamm und Geflügel verarbeitet und als Kauartikel oder Bestandteil von Frischfleisch-Rationen eingesetzt. Sie zählen zu den tierischen Futtermitteln und gelten als Ergänzungsfuttermittel, da sie allein keine bedarfsdeckende Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen gewährleisten. Sehnen sind in verschiedenen Formen erhältlich: frisch oder gefroren als Teil von BARF-Rationen, getrocknet als Kausnack oder gemahlen als Bestandteil von Fertigfuttermitteln.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Sehnen zeichnen sich durch eine spezifische Nährstoffzusammensetzung aus, die sie deutlich von Muskelfleisch oder Innereien unterscheidet. Der dominierende Bestandteil ist Kollagen, ein Strukturprotein, das vom Organismus anders verwertet wird als hochwertiges Muskelprotein.
- Protein: Der Rohproteingehalt liegt je nach Tierart und Verarbeitungsform zwischen 60 und 85 % in der Trockenmasse. Allerdings handelt es sich überwiegend um kollagenes Eiweiß, das ein unvollständiges Aminosäureprofil aufweist – insbesondere die essenzielle Aminosäure Tryptophan fehlt nahezu vollständig, und der Gehalt an Methionin ist gering.
- Fett: Der Rohfettanteil ist mit 2–8 % vergleichsweise niedrig, was Sehnen zu einem fettarmen Futterbestandteil macht.
- Rohfaser: Sehnen enthalten keine nennenswerten Mengen an Rohfaser, da es sich um ein rein tierisches Produkt handelt.
- Mineralstoffe: Der Rohaschegehalt bewegt sich zwischen 1 und 4 %. Relevante Mineralstoffe sind Calcium, Phosphor und Zink, wobei die Gehalte deutlich unter denen von Knochen liegen.
- Vitamine: Sehnen sind keine relevante Quelle für Vitamine. Weder fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) noch wasserlösliche B-Vitamine sind in nennenswerten Mengen enthalten.
- Wassergehalt: Frische Sehnen enthalten etwa 55–65 % Wasser. Getrocknete Sehnen weisen einen Restfeuchtegehalt von unter 15 % auf.
Die hohe Kollagenkonzentration liefert die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin, die für den Aufbau und die Regeneration von Bindegewebe, Knorpel und Gelenkstrukturen eine Rolle spielen.
Für welche Tiere geeignet?
Sehnen werden vorrangig in der Hunde- und Katzenernährung eingesetzt, wobei Hunde die primäre Zielgruppe darstellen. Getrocknete Rindersehnen, Hirschsehnen oder Pferdesehnen gehören zu den beliebtesten natürlichen Kauartikeln für Hunde aller Größen und Rassen.
- Hunde: Sowohl als Kausnack zur Zahnpflege und Beschäftigung als auch als Bestandteil einer BARF-Futterration geeignet. Welpen ab dem Zahnwechsel können weichere Sehnen erhalten. Für ältere Hunde mit Zahnproblemen sind getrocknete Sehnen unter Umständen zu hart.
- Katzen: Kleinere, dünne getrocknete Sehnen können als Kauartikel angeboten werden. In der Rohfütterung werden Sehnen gelegentlich in kleinen Mengen dem Fleischanteil beigemischt. Die Akzeptanz ist individuell sehr unterschiedlich.
- Frettchen: Als fakultative Karnivoren können Frettchen gelegentlich von kleinen Sehnenstücken profitieren.
Für Pflanzenfresser wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Pferde sind Sehnen nicht geeignet und dürfen nicht verfüttert werden.
Fütterungsempfehlung
Sehnen sind kein Alleinfuttermittel und sollten stets als Ergänzung zur regulären Futterration betrachtet werden. Der Anteil an Sehnen und anderen kollagenreichen Komponenten sollte in einer ausgewogenen Ration nicht mehr als 10–15 % des gesamten tierischen Anteils ausmachen.
- Als Kauartikel: Ein bis drei getrocknete Sehnen pro Woche – abhängig von Größe des Hundes und Kaloriengehalt des Snacks. Das Fütterungsintervall sollte so gewählt werden, dass die Gesamtfuttermenge und der tägliche Energiebedarf nicht überschritten werden. Die Kalorien der Kauartikel müssen von der Hauptmahlzeit abgezogen werden.
- In der BARF-Ration: Frische oder aufgetaute Sehnen werden dem Bindegewebsanteil zugerechnet. Üblich sind 5–10 % der gesamten Fleisch- und Innereien-Menge.
- Für Welpen: Erst ab dem 4.–5. Lebensmonat in angemessener Größe und unter Aufsicht anbieten.
Grundsätzlich gilt: Jeder Kauartikel sollte nur unter Beobachtung gegeben werden, um ein Verschlucken großer Stücke zu vermeiden.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Natürlicher, lang anhaltender Kauspaß, der die mechanische Zahnreinigung unterstützt und Zahnbelag reduzieren kann
- Fettarmer Snack – gut geeignet für übergewichtige Hunde oder Tiere mit Pankreasproblemen
- Liefert Glycin und Prolin, die den Bindegewebsstoffwechsel und die Gelenkgesundheit unterstützen können
- Hohe Akzeptanz bei den meisten Hunden
- Nachhaltiges Produkt aus der Schlachtnebenprodukt-Verwertung
- In getrockneter Form