Sikahirsch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cervus nippon
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Gattung: Cervus
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Waldränder, Graslandschaften
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 105–155 cm, Schulterhöhe 65–110 cm
- Gewicht: Weibchen 25–50 kg, Männchen 40–110 kg (je nach Unterart)
- Lebenserwartung: 15–18 Jahre in freier Wildbahn, bis 25 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Sikahirsch ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie Cervidae, der in seiner Statur zwischen Reh und Rothirsch einzuordnen ist. Sein Erscheinungsbild variiert erheblich zwischen den verschiedenen Unterarten – die kleinsten Formen, etwa der japanische Sikahirsch (Cervus nippon nippon), erreichen kaum die Größe eines kräftigen Rehs, während die mandschurische Unterart (Cervus nippon mantchuricus) deutlich größer wird und einem jungen Rothirsch ähnelt.
Das Fell zeigt im Sommer eine rotbraune Grundfärbung mit auffälligen weißen Flecken, die in Reihen entlang der Flanken angeordnet sind. Diese Fleckung bleibt beim Sikahirsch im Gegensatz zum Rothirsch auch im Erwachsenenalter erhalten, wenngleich sie im Winterfell deutlich verblassen oder vollständig verschwinden kann. Das Winterfell ist dichter, dunkler und nimmt eine graubraune bis nahezu schwarze Tönung an. Charakteristisch ist der weiße Spiegel – ein helles Feld am Hinterleib, das von einer dunklen Umrandung eingefasst wird. Bei Erregung können die Haare des Spiegels abgespreizt werden, sodass die weiße Fläche optisch vergrößert wird.
Nur die männlichen Tiere – die Hirsche – tragen ein Geweih. Dieses ist im Vergleich zum Rothirschgeweih weniger stark verzweigt und bildet in der Regel maximal vier Enden pro Stange aus. Das Geweih wird jährlich im Frühjahr abgeworfen und bis zum Spätsommer neu gebildet. Während des Wachstums ist es von einer nährstoffreichen Haut, dem Bast, überzogen.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Sikahirsches erstreckt sich über Ostasien. Die Art ist in Japan, Korea, Taiwan, dem östlichen China, dem russischen Fernen Osten (Primorje) und Teilen Vietnams heimisch. Japan stellt das Kerngebiet der Verbreitung dar, wo der Sika seit Jahrhunderten kulturell eng mit dem Menschen verbunden ist – etwa in den Parkanlagen von Nara, wo halbzahme Tiere als heilig gelten.
Durch gezielte Ansiedlung als Parkwild ab dem 19. Jahrhundert hat der Sikahirsch ein weit über sein natürliches Areal hinausreichendes Vorkommen entwickelt. In Europa bestehen freilebende Populationen unter anderem in Großbritannien, Irland, Frankreich, Dänemark, Tschechien, Österreich und Deutschland. In Deutschland kommen etablierte Bestände vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein vor.
Als bevorzugtes Habitat nutzt der Sika Laub- und Mischwälder mit dichtem Unterwuchs, Waldränder sowie angrenzende Graslandschaften und Feuchtgebiete. Die Art ist anpassungsfähig und besiedelt Lebensräume von der Küstenebene bis in Höhenlagen von über 1.500 Metern.
Ernährung
Der Sikahirsch ist ein Mischäser, der sowohl Gräser und Kräuter als auch Laub, Knospen und Rinde aufnimmt. Im Frühjahr und Sommer bilden frische Gräser, krautige Pflanzen und Blätter die Hauptnahrung. Im Herbst ergänzen Eicheln, Bucheckern und andere Baumfrüchte den Speiseplan. Während der Wintermonate weicht der Sika verstärkt auf Rinde, Triebe, Nadeln von Koniferen und abgefallenes Laub aus.
In Gebieten mit hoher Populationsdichte kann dieser Verbiss und das Schälen von Rinde erhebliche forstwirtschaftliche Schäden verursachen. Diese Schälschäden sind ein wesentlicher Grund für die teilweise kontroverse Diskussion um das Management eingeführter Sikapopulationen in Europa.
Verhalten & Lebensweise
Sikahirsche sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, in störungsarmen Gebieten aber auch tagsüber zu beobachten. Die Sozialstruktur ist geschlechtsabhängig: Weibliche Tiere (Kahlwild) leben mit ihren Kälbern in lockeren Gruppen von 5 bis 15 Tieren. Männliche Tiere sind außerhalb der Brunft meist einzelgängerisch oder bilden kleine Junggesellengruppen.
Eine Besonderheit des Sikahirsches ist sein vielfältiges Lautrepertoire. Während der Brunft im Oktober und November stoßen die Hirsche einen durchdringenden, hohen Pfiff aus, der sich deutlich vom tiefen Röhren des Rothirsches unterscheidet. Dieser Brunftschrei kann über große Distanzen gehört werden. Daneben verfügen Sikas über Warn-, Kontakt- und Angstrufe.
Die Tiere sind standorttreu und nutzen relativ kleine Streifgebiete. Männchen beanspruchen während der Brunft Territorien, die sie gegenüber Rivalen aktiv verteidigen. Dabei kommt es zu ritualisierten Kämpfen mit dem Geweih, bei denen die Kontrahenten ihre Stirnwaffen ineinander verhaken und schiebend gegeneinander drücken.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brunftzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Ende September bis November, mit einem Höhepunkt im Oktober. Brunftige Hirsche markieren ihr Revier durch Bodenkuhlen (Brunftkuhlen), die sie mit Urin tränken, sowie durch Fegen an Bäumen und Sträuchern. Dominante Hirsche versuchen, einen Harem aus mehreren weiblichen Tieren zu bilden und gegen konkurrierende Männchen abzuschirmen.
Nach einer Tragzeit von rund 220 bis 230 Tagen (etwa siebeneinhalb