Sirene
STierart – Amphibien > Schwanzlurche – Salamander & Molche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Siren (Gattung); bekannteste Arten: Siren lacertina (Großer Armmolch), Siren intermedia (Kleiner Armmolch)
- Ordnung: Schwanzlurche (Caudata bzw. Urodela)
- Familie: Sirenen (Sirenidae)
- Lebensraum: Flache, stehende oder langsam fließende Süßgewässer im Südosten der USA und Nordosten Mexikos
- Größe: Je nach Art 15–100 cm Gesamtlänge
- Gewicht: Bis etwa 1.000 g beim Großen Armmolch
- Lebenserwartung: Bis zu 25 Jahre in Gefangenschaft; in freier Wildbahn vermutlich deutlich kürzer
Aussehen & Merkmale
Sirenen gehören zu den ungewöhnlichsten Vertretern unter den Schwanzlurchen. Ihr Körper ist langgestreckt und aalförmig, was ihnen im englischen Sprachraum die Bezeichnung „siren" oder „mud eel" eingebracht hat. Ein sofort auffälliges Merkmal ist das vollständige Fehlen der Hintergliedmaßen. Lediglich ein Paar kurzer, schwach ausgebildeter Vorderbeine mit jeweils drei oder vier Zehen ist vorhanden – daher auch der deutsche Name Armmolch. Diese reduzierten Extremitäten dienen weniger der Fortbewegung als dem Greifen und Durchwühlen von Substrat.
Die Haut ist glatt, schleimig und schuppenlos, wie bei allen Amphibien. Die Grundfärbung variiert zwischen olivgrün, graubraun und nahezu schwarz, häufig mit dunklen Flecken oder einem feinen Punktmuster. Die Bauchseite ist in der Regel heller gefärbt. An beiden Seiten des Kopfes tragen Sirenen auffällige, büschelartige äußere Kiemen, die zeitlebens erhalten bleiben – ein Zustand, der als Neotenie bezeichnet wird. Zusätzlich besitzen sie einfache Lungen, die eine zusätzliche Luftatmung ermöglichen. Anstelle echter Zähne verfügen Sirenen über verhornte Schnabelplatten am Ober- und Unterkiefer, eine Eigenschaft, die innerhalb der Schwanzlurche einzigartig ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Familie Sirenidae beschränkt sich auf den Südosten Nordamerikas und reicht vom US-Bundesstaat Virginia südwärts bis Florida sowie westwärts bis Texas und in den Nordosten Mexikos. Sirenen besiedeln bevorzugt flache, pflanzenreiche Süßgewässer wie Sümpfe, Marschland, Gräben, Teiche, Altarme und die Uferzonen langsam fließender Flüsse. Entscheidend für die Habitatwahl sind dichte Unterwasservegetation und ein weicher, schlammiger Grund, in den sich die Tiere bei Gefahr oder Trockenheit eingraben können.
Innerhalb ihres Biotops bevorzugen Sirenen seichte Bereiche mit hoher Deckung durch Wasserpflanzen wie Hydrilla, Wasserhyazinthen oder Seerosen. In solchen Habitaten erreichen sie mitunter hohe Populationsdichten, obwohl sie als Einzelgänger leben und keine festen Reviere verteidigen.
Ernährung
Sirenen sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus wirbellosen Tieren wie Insektenlarven, Schnecken, kleinen Krebstieren und Würmern. Daneben fressen sie in erheblichem Umfang auch pflanzliches Material, darunter Algen und Teile von Wasserpflanzen. Dieses omnivore Ernährungsspektrum ist unter Schwanzlurchen ungewöhnlich, da die meisten Vertreter der Ordnung Caudata rein carnivor leben. Die verhornten Schnabelplatten ermöglichen es den Sirenen, pflanzliches Gewebe abzuraspeln und härtere Beutetiere wie Schneckengehäuse aufzubrechen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Saugschnappen, bei dem Wasser zusammen mit der Beute rasch in die Mundhöhle eingesogen wird.
Verhalten & Lebensweise
Sirenen sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich im Schlamm, unter Pflanzenmatten oder in dichter Unterwasservegetation. Erst nach Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv und durchstreifen den Gewässergrund auf der Suche nach Nahrung. Ihre Fortbewegung erfolgt durch schlängelnde Körperbewegungen, ähnlich wie bei Aalen; die kurzen Vorderbeine spielen beim Schwimmen eine untergeordnete Rolle.
Eine herausragende Anpassung zeigen Sirenen bei Trockenheit: Wenn ihr Gewässer austrocknet, graben sie sich in den feuchten Schlamm ein und bilden einen schützenden Kokon aus eingetrocknetem Schleim. In diesem Ruhezustand, einer Art Sommerruhe (Ästivation), können sie mehrere Monate ohne Wasser überdauern, bis erneute Regenfälle das Gewässer wieder füllen. Während der Ästivation wird der Stoffwechsel drastisch heruntergefahren, die Kiemen trocknen ein, und die Atmung erfolgt ausschließlich über die Lungen.
Sirenen können bei Bedrohung schrille, quietschende Laute von sich geben – eine bei Schwanzlurchen seltene Fähigkeit.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie der Sirenen ist bis heute nur lückenhaft erforscht. Die Paarung findet vermutlich im späten Winter oder frühen Frühling statt. Anders als bei den meisten Schwanzlurchen, bei denen das Männchen eine Spermatophore absetzt, die das Weibchen aufnimmt, wird bei Sirenen eine äußere Befruchtung vermutet – eine Annahme, die allerdings noch nicht abschließend bestätigt ist. Das Weibchen legt die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an Wasserpflanzen und Wurzeln ab. Die Gelegegröße variiert artabhängig und kann bei Siren lacertina mehrere hundert Eier umfassen.
Die Larven schlüpfen nach einigen Wochen und ähneln bereits den adulten Tieren. Eine echte Metamorphose, wie sie etwa bei Fröschen stattfindet, fehlt bei Sirenen weitgehend. Die Jungtiere durchlaufen lediglich geringe morphologische Veränderungen während des Wachstums.