Skua
STierart – Vögel > Wasservögel – Möwen & Seeschwalben
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Stercorarius skua (Skua / Große Raubmöwe)
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Raubmöwen (Stercorariidae)
- Gattung: Stercorarius
- Lebensraum: Offene Ozeane, Küstengebiete, Tundra und subantarktische Inseln
- Größe: 50–58 cm Körperlänge, Flügelspannweite 125–140 cm
- Gewicht: 1.200–1.900 g
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Skuas sind kräftig gebaute Seevögel, die auf den ersten Blick an große, dunkel gefärbte Möwen erinnern. Das Gefieder der Großen Raubmöwe (Stercorarius skua) ist überwiegend dunkelbraun mit hellen Streifen an den Flanken und einem auffälligen weißen Feld an der Basis der Handschwingen, das im Flug deutlich sichtbar wird. Die Oberseite zeigt warme, rostbraune Töne, während die Unterseite etwas heller ausfällt. Kopf und Nacken sind meist von einem dunkleren Braun gezeichnet.
Der Schnabel ist kräftig, hakenförmig gebogen und dunkel gefärbt – ein typisches Merkmal von Raubvögeln unter den Seevögeln. Die Beine sind kurz und schwarz, die Füße mit Schwimmhäuten versehen. Im Flug wirkt die Skua gedrungen und breitflügelig, mit einem kurzen, keilförmigen Schwanz. Im Gegensatz zu den kleineren Raubmöwenarten der Gattung Stercorarius – etwa der Schmarotzerraubmöwe (S. parasiticus) oder der Falkenraubmöwe (S. longicaudus) – fehlen der Großen Raubmöwe die verlängerten mittleren Steuerfedern. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden, wobei die Weibchen im Durchschnitt geringfügig größer sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Großen Raubmöwe erstreckt sich über den Nordatlantik. Brutkolonien finden sich vor allem auf Island, den Färöer-Inseln, den Shetland- und Orkney-Inseln sowie an der Nordküste Schottlands und in geringerer Zahl in Norwegen. Ihr bevorzugtes Habitat zur Brutzeit sind baumlose, windexponierte Küstenlandschaften, Moorgebiete und grasbewachsene Hänge in Meeresnähe.
Außerhalb der Brutzeit leben Skuas pelagisch, also auf offener See. Sie überwintern weit verstreut über dem Nordatlantik und ziehen dabei bis in subtropische Gewässer vor die Küsten Westafrikas und Südeuropas. Gelegentlich werden Einzeltiere auch im westlichen Mittelmeer oder vor der nordamerikanischen Ostküste gesichtet. Die südliche Hemisphäre wird von der nahe verwandten Antarktikskua (Stercorarius antarcticus) besiedelt, die ein vergleichbares Biotop in den subantarktischen Regionen nutzt.
Ernährung
Skuas sind opportunistische Nahrungsgeneralisten. Ein wesentlicher Teil ihrer Ernährung besteht aus Fisch, den sie auf unterschiedliche Weise erbeuten. Bekannt und namensgebend für die Familie ist der Kleptoparasitismus: Skuas verfolgen andere Seevögel – insbesondere Tölpel, Dreizehenmöwen und Papageitaucher – im Flug und bedrängen sie so lange, bis diese ihren Fang wieder herauswürgen. Die Skua fängt die fallengelassene Beute häufig noch in der Luft auf.
Darüber hinaus erbeuten Skuas während der Brutzeit regelmäßig kleinere Seevögel, deren Eier und Küken. In den dichten Kolonien von Sturmschwalben, Lummen und Papageitauchern treten sie als effektive Prädatoren auf. Auch Aas, Fischereiabfälle, kleine Säugetiere wie Lemminge sowie Insekten und Beeren ergänzen den Speiseplan je nach Verfügbarkeit. Auf See jagen sie gelegentlich selbstständig an der Wasseroberfläche nach kleinen Fischen und Tintenfischen.
Verhalten & Lebensweise
Skuas sind tagaktive Vögel, die einzeln oder in lockeren Gruppen auftreten. Zur Brutzeit verteidigen Paare ihr Revier aggressiv gegen jede Art von Eindringling – einschließlich des Menschen. Nähert man sich dem Nest, stößt die Skua im Sturzflug herab und kann dabei mit den Füßen zutreten, was ihr den Ruf eines der aggressivsten Brutvögel eingebracht hat. Diese Territorialverteidigung erstreckt sich auf einen Radius von mehreren hundert Metern um das Nest.
Außerhalb der Brutzeit führen Skuas ein einzelgängerisches Leben auf offener See. Sie sind ausdauernde, wendige Flieger, die auch bei starkem Wind souverän manövrieren. Der Kleptoparasitismus erfordert hohe Fluggeschwindigkeit und große Ausdauer, da die Verfolgungsjagden mitunter mehrere Minuten dauern. Bei der Balz zeigen Paare rituelle Flugmanöver und rufen mit lauten, rauen Schreien, die an ein heiseres Lachen erinnern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Skuas führen monogame Saisonehen, wobei viele Paare über mehrere Jahre zusammenbleiben und denselben Nistplatz erneut aufsuchen. Die Brutzeit beginnt im Mai und erstreckt sich bis Juli. Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, die kaum mit Pflanzenmaterial ausgelegt wird. Das Gelege umfasst in der Regel zwei olivbraune bis grünliche Eier mit dunkler Fleckung.
Beide Elternvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von etwa 26 bis 32 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter und tragen ein dichtes, graues Daunenkleid. Trotz des gleichzeitigen Schlüpfens überlebt häufig nur ein Küken, da das ältere Geschwister das jüngere durch Aggression und Nahrungskonkurrenz verdrängt – ein Phänomen, das als Kainismus bezeichnet wird. Nach rund