Spix-Ara
STierart – Vögel > Papageien
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cyanopsitta spixii
- Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
- Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
- Gattung: Cyanopsitta (monotypisch)
- Lebensraum: Caatinga-Trockenwald im Nordosten Brasiliens
- Größe: 55–57 cm (einschließlich Schwanz)
- Gewicht: 290–400 g
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn, bis über 40 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Der Spix-Ara ist ein mittelgroßer Papagei mit einem auffällig blauen Gefieder, das ihn deutlich von den meisten anderen Ara-Arten unterscheidet. Die Oberseite des Körpers zeigt ein tiefes Graublau, während Brust und Bauch etwas heller gefärbt sind und einen leichten Grünstich aufweisen können. Kopf und Nacken sind von einem helleren, silbrig-blauen Ton mit feiner grauer Tönung bedeckt. Die Gesichtshaut um die Augen herum ist unbefiedert und dunkelgrau, bei Erregung oder je nach Lichtverhältnissen auch bläulich schimmernd. Der kräftige Schnabel ist schwarz und seitlich abgeflacht – typisch für die Nahrungsaufnahme harter Samen und Nüsse. Die Iris ist bei adulten Tieren gelblich, bei Jungtieren dagegen dunkelbraun. Der lange, spitz zulaufende Schwanz macht etwa die Hälfte der Gesamtkörperlänge aus. Die Beine sind grau mit kräftigen Zehen in der für Papageien typischen Zygodaktylie, bei der je zwei Zehen nach vorne und zwei nach hinten weisen.
Im Vergleich zum deutlich größeren Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus) oder dem Lear-Ara (Anodorhynchus leari), mit dem der Spix-Ara sein Verbreitungsgebiet teilweise teilte, ist er schlanker gebaut und zeigt ein weniger gesättigtes Blau. Die Gattung Cyanopsitta ist monotypisch – der Spix-Ara ist also der einzige Vertreter seiner Gattung.
Lebensraum & Verbreitung
Das historische Verbreitungsgebiet des Spix-Aras beschränkte sich auf ein äußerst kleines Areal im Nordosten Brasiliens, genauer in der Region um den Rio São Francisco im Bundesstaat Bahia. Dort bewohnte die Art die Caatinga, ein semiarides Biotop aus Dornbuschsavanne und lichten Trockenwäldern. Entscheidend für das Habitat war das Vorkommen der Caraibeira-Bäume (Tabebuia aurea), die entlang saisonaler Wasserläufe wuchsen und dem Spix-Ara als Nist- und Nahrungsbäume dienten.
Bereits im 19. Jahrhundert, als der deutsche Naturforscher Johann Baptist von Spix die Art 1819 in der Nähe von Juazeiro sammelte und erstmals wissenschaftlich beschrieb, war die Population vermutlich klein. Im Laufe des 20. Jahrhunderts schrumpfte das ohnehin begrenzte Verbreitungsgebiet durch Abholzung, Überweidung und die Umwandlung von Buschland in Weideflächen dramatisch. Der letzte freilebende Spix-Ara, ein einzelnes Männchen, wurde im Oktober 2000 letztmals gesichtet. Danach galt die Art in der Natur als ausgestorben.
Ernährung
In freier Wildbahn ernährte sich der Spix-Ara überwiegend von Samen, Nüssen und Früchten verschiedener Baumarten der Caatinga-Vegetation. Bevorzugt wurden die Samen der Pinhão-Pflanze (Jatropha spp.), der Favela-Baum (Cnidoscolus quercifolius) sowie Früchte der Caraibeira. Ergänzend nahm er Blüten, Rinde und gelegentlich Kakteenfrüchte zu sich. Wie viele Papageienarten besuchte auch der Spix-Ara mineralhaltige Lehmstellen – sogenannte Salzlecken –, um seinen Mineralbedarf zu decken und möglicherweise pflanzliche Toxine zu neutralisieren.
Verhalten & Lebensweise
Der Spix-Ara war tagaktiv und lebte in kleinen Gruppen oder Paaren. Die Vögel zeigten eine starke Bindung an ihren Nistbaum und kehrten über Jahre hinweg zum selben Brutplatz zurück. Ihr Flug war schnell und direkt, mit kräftigen Flügelschlägen. Morgens und am späten Nachmittag suchten sie in Gruppen Nahrungsbäume auf, wobei sie mitunter weite Strecken zwischen Schlafplatz und Nahrungsquelle zurücklegten.
Wie bei vielen Ara-Arten war auch beim Spix-Ara die Paarbindung stark ausgeprägt. Partner blieben in der Regel über mehrere Brutperioden zusammen und pflegten ihre Bindung durch gegenseitiges Kraulen des Gefieders – ein Verhalten, das als Allopreening bezeichnet wird. Die Kommunikation erfolgte über laute, krächzende Rufe, die über weite Distanzen hörbar waren und der Reviermarkierung sowie dem Zusammenhalt der Gruppe dienten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit fiel in die regenreicheren Monate zwischen November und März. Zur Balz gehörten gegenseitiges Füttern und gemeinsames Sitzen auf exponierten Ästen. Der Spix-Ara brütete in natürlichen Baumhöhlen, bevorzugt in alten, hohlen Caraibeira-Bäumen. Das Gelege umfasste in der Regel zwei bis drei weiße Eier, die das Weibchen etwa 25 bis 28 Tage bebrütete. Während dieser Zeit wurde es vom Männchen mit Nahrung versorgt.
Die Nestlinge schlüpften nackt und blind und wurden von beiden Elternteilen gefüttert. Nach etwa 70 Tagen waren die Jungvögel flügge, blieben aber noch mehrere Monate in der Nähe der Elterntiere, bevor sie selbstständig wurden. Die geringe Reproduktionsrate – verbunden mit dem Verlust geeigneter Nisthöhlen durch die Abholzung alter Bäume – trug wesentlich zum Populationsrückgang bei.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN führt den Spix-Ara in der Roten Liste als „Extinct in the Wild