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Sprossen

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Futter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich

Definition & Überblick

Sprossen – auch als Keimlinge oder Keimsprossen bezeichnet – sind junge Pflanzentriebe, die aus angekeimten Samen gewonnen werden. Botanisch betrachtet befindet sich die Pflanze dabei im frühesten Entwicklungsstadium zwischen der Quellung des Samens und der Ausbildung erster Blätter. In der Tierernährung gelten Sprossen als hochwertiges Ergänzungsfuttermittel, das die reguläre Futterration um wertvolle Nährstoffe bereichert. Häufig verwendete Ausgangsprodukte sind Weizen, Gerste, Hafer, Luzerne (Alfalfa), Mungobohnen, Buchweizen, Brokkoli, Sonnenblumenkerne, Klee und verschiedene Hülsenfrüchte. Durch den Keimvorgang verändern sich die biochemischen Eigenschaften des Saatguts grundlegend: Stärke wird abgebaut, Vitamingehalte steigen teils erheblich, und antinutritive Faktoren wie Phytinsäure werden reduziert. Sprossen lassen sich unkompliziert zu Hause ziehen und bieten damit eine kostengünstige Möglichkeit, die Ernährung von Heim-, Zier- und Nutztieren gezielt aufzuwerten.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Der Nährstoffgehalt von Sprossen variiert je nach Pflanzenart, Keimdauer und Anbaubedingungen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der Keimprozess die Bioverfügbarkeit vieler Nährstoffe deutlich erhöht.

  • Protein: Durch die Keimung werden Speicherproteine in freie Aminosäuren aufgespalten. Hülsenfruchtsprossen (z. B. Mungobohne, Linse) erreichen Rohproteingehalte von 20–30 % in der Trockenmasse. Getreidesprossen liegen bei etwa 10–15 %.
  • Fett: Der Rohfettgehalt ist bei den meisten Sprossen gering (1–5 % i. d. TM). Ausnahmen bilden Sonnenblumen- und Leinsamensprossen mit höheren Gehalten an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Rohfaser: Sprossen enthalten moderate Rohfasergehalte (3–8 % i. d. TM), wobei die Fasern in jungem Zustand besonders gut verdaulich sind.
  • Vitamine: Während des Keimvorgangs steigt der Gehalt an Vitamin C, B-Vitaminen (insbesondere B1, B2, B6, Folsäure), Vitamin E und Provitamin A (Beta-Carotin) signifikant an – teilweise um das Drei- bis Fünffache gegenüber dem ungekeimten Saatgut.
  • Mineralstoffe & Spurenelemente: Sprossen liefern Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink, Kalium und Phosphor. Durch den Abbau von Phytinsäure im Keimprozess verbessert sich die Resorption dieser Mineralstoffe erheblich.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Brokkolisprossen enthalten hohe Konzentrationen an Sulforaphan, Alfalfasprossen liefern Saponine und Isoflavone. Diese Stoffe besitzen antioxidative Eigenschaften, sind aber in großen Mengen nicht für alle Tierarten verträglich.

Aufgrund ihres hohen Wassergehalts von 85–95 % in frischem Zustand ist der absolute Nährstoffgehalt pro Gramm Frischmasse vergleichsweise niedrig. Sprossen ersetzen daher kein Alleinfuttermittel, sondern ergänzen die tägliche Futterration gezielt.

Für welche Tiere geeignet?

Sprossen können bei einer Vielzahl von Tierarten sinnvoll eingesetzt werden:

  • Ziervögel & Papageien: Wellensittiche, Nymphensittiche, Kanarienvögel, Großpapageien und Finken profitieren enorm von Keimfutter. In der Vogelernährung gehören Sprossen zu den wichtigsten Frischfutterkomponenten, da sie den natürlichen Nahrungsspektren näherkommen als trockene Saaten.
  • Hühner & Geflügel: Weizensprossen und Gerstensprossen dienen als vitaminreiches Zusatzfutter, besonders in den Wintermonaten, wenn kein frisches Grünfutter verfügbar ist.
  • Kaninchen & Meerschweinchen: In kleinen Mengen stellen Sprossen eine willkommene Abwechslung im Frischfutterangebot dar. Besonders Luzerne- und Weizensprossen werden gut vertragen.
  • Schildkröten: Herbivore Landschildkröten nehmen Klee-, Luzerne- und Weizensprossen gern an. Die Sprossen sollten nur einen kleinen Anteil der pflanzlichen Gesamtration ausmachen.
  • Hunde & Katzen: Im Rahmen einer BARF-Ernährung oder als Futterbeigabe können kleine Mengen Sprossen die Mahlzeiten bereichern. Der Nutzen ist hier allerdings geringer als bei herbivoren Tierarten.

Nicht geeignet sind Sprossen aus Nachtschattengewächsen (Kartoffel, Tomate) sowie rohe Bohnensprossen bestimmter Arten (Kidney-Bohne, Sojabohne), die Lektine und andere toxische Verbindungen enthalten können.

Fütterungsempfehlung

Sprossen sollten als Ergänzung und nicht als Hauptfutter angeboten werden. Folgende Richtwerte haben sich in der Praxis bewährt:

  • Ziervögel (klein): 1–2 Teelöffel pro Tier und Tag, idealerweise 3–5 Mal pro Woche.
  • Papageien (groß): 1–3 Esslöffel pro Tier und Tag. Das Fütterungsintervall kann täglich sein.
  • Kaninchen & Meerschweinchen: 1–2 Esslöffel pro Kilogramm Körpergewicht, 2–4 Mal pro Woche. Die Futtermenge langsam steigern, um den Verdauungstrakt an die frische Kost zu gewöhnen.
  • Hühner: Eine Handvoll pro Tier und Tag als Ergänzung zum regulären Legefutter.
  • Hunde: