T Tierlexikon.net
← Lexikon

Stabschrecke

S

Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Carausius morosus (Indische Stabschrecke, häufigste Art in Haltung); Ordnung umfasst über 3.000 Arten
  • Ordnung: Phasmatodea (Gespenstschrecken)
  • Familie: Lonchodidae (für C. morosus); weitere Familien: Phasmatidae, Phylliidae (Gespenstschrecken im weiteren Sinne)
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Buschland, Hecken
  • Größe: Je nach Art 5–35 cm Körperlänge; C. morosus ca. 8–10 cm; Phryganistria chinensis bis 64 cm mit ausgestreckten Beinen
  • Gewicht: 1–5 g (kleine bis mittelgroße Arten); große Arten bis ca. 65 g
  • Lebenserwartung: 6–18 Monate, je nach Art und Geschlecht

Aussehen & Merkmale

Stabschrecken gehören zu den am stärksten auf Tarnung spezialisierten Insekten überhaupt. Ihr langgestreckter, zylindrischer Körper imitiert in Form, Farbe und Oberflächenstruktur dünne Zweige oder Ästchen. Die Cuticula – die äußere Körperhülle – ist häufig mit feinen Höckern, Dornen oder Rillen versehen, die die Ähnlichkeit mit Pflanzenteilen verstärken. Die Färbung reicht von verschiedenen Braun- und Grüntönen bis hin zu Grau, wobei manche Arten ihre Körperfarbe in begrenztem Maß an die Umgebung anpassen können.

Der Körperbau folgt dem typischen Insektenbauplan mit drei Brustsegmenten (Prothorax, Mesothorax, Metathorax) und einem langen, segmentierten Hinterleib (Abdomen). Die sechs Beine sind dünn und lang, die Antennen je nach Art kurz oder fadenförmig verlängert. Viele Stabschreckenarten sind flügellos; bei einigen Arten besitzen jedoch die Männchen verkürzte oder voll ausgebildete Flügel, die zum kurzen Gleitflug dienen können. Die Mundwerkzeuge sind kauend-beißend und typisch für pflanzenfressende Insekten.

Verwandte Formen innerhalb der Ordnung Phasmatodea sind die Gespenstschrecken im engeren Sinne sowie die Wandelnden Blätter (Familie Phylliidae), die statt Zweigen Laubblätter imitieren.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Stabschrecken erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Regionen aller Kontinente, mit einem Schwerpunkt in Südostasien, Australien, Mittel- und Südamerika sowie Afrika. Einige wenige Arten kommen auch in gemäßigten Zonen vor, etwa im Mittelmeerraum (Bacillus rossius, die Europäische Stabschrecke) oder in Neuseeland.

Als Habitat bevorzugen Stabschrecken dicht bewachsene Biotope: tropische Regenwälder, Sekundärwälder, Buschland und Heckenlandschaften. Sie leben fast ausschließlich auf Bäumen und Sträuchern, in deren Blattwerk sie sich tagsüber verbergen. Die Indische Stabschrecke Carausius morosus stammt ursprünglich aus den feuchten Bergwäldern Südindiens und ist heute die weltweit am häufigsten in Terrarien gehaltene Phasmatodea-Art.

Ernährung

Stabschrecken sind ausschließlich herbivor. Sie ernähren sich von den Blättern verschiedener Laubbäume und Sträucher. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet fressen sie an einer Vielzahl tropischer Pflanzen. In europäischer Haltung akzeptiert Carausius morosus bevorzugt Brombeer-, Himbeer- und Efeu-Blätter, daneben auch Eiche, Haselnuss und Rosengewächse.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt fast ausschließlich in der Dunkelheit. Die Tiere fressen, indem sie sich mit den Beinen an einem Blattrand festklammern und mit ihren Mandibeln halbkreisförmige Stücke aus der Blattfläche herausbeißen. Der Fraß hinterlässt charakteristische Buchten am Blattrand – ein Merkmal, das in der Freilandökologie zur Identifikation von Phasmiden-Aktivität herangezogen wird.

Verhalten & Lebensweise

Stabschrecken sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verharren sie regungslos in einer Ruhestellung, bei der die Vorderbeine eng an den Kopf angelegt und nach vorne gestreckt werden. Diese Haltung, die als Katalepsie oder Schreckstarre bezeichnet wird, verstärkt die ohnehin täuschende Ähnlichkeit mit einem Zweig. Die Tiere können diese Starre über Stunden aufrechterhalten, selbst wenn sie berührt oder leicht angestoßen werden.

Werden Stabschrecken dennoch entdeckt oder gestört, setzen sie verschiedene Abwehrmechanismen ein. Manche Arten lassen sich abrupt fallen und bleiben am Boden reglos liegen (Thanatose, also Totstellreflex). Andere wiegen ihren Körper rhythmisch hin und her, was ein im Wind schaukelndes Ästchen simuliert. Einige tropische Arten, etwa Vertreter der Gattung Anisomorpha, können ein reizendes Wehrsekret aus Drüsen am Prothorax versprühen, das bei Feinden Augenreizungen verursacht.

Ein weiterer Verteidigungsmechanismus ist die Autotomie: Stabschrecken können bei Gefahr einzelne Beine an vorgegebenen Sollbruchstellen abwerfen. Bei juvenilen Tieren, also noch nicht ausgewachsenen Nymphen, können verloren gegangene Gliedmaßen in den folgenden Häutungen teilweise regeneriert werden.

Stabschrecken sind Einzelgänger ohne Revierverhalten oder soziale Strukturen. In günstigen Habitaten können sie jedoch in hoher Individuendichte vorkommen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung der Stabschrecken weist einige ungewöhnliche Merkmale auf. Viele Arten, darunter Carausius morosus, vermehren sich überwiegend oder ausschließlich durch Parthenogenese – also Jungfernzeugung ohne Beteiligung eines