Stroh
SFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Stroh bezeichnet die getrockneten Halme und Blätter von Getreide- und Ölpflanzen, die nach dem Dreschen als Nebenprodukt der Körnergewinnung anfallen. In der Tierernährung nimmt Stroh eine Sonderstellung ein: Es ist weder ein klassisches Alleinfuttermittel noch ein hochwertiges Ergänzungsfuttermittel, sondern wird in erster Linie als strukturreiches Raufutter, Beschäftigungsmaterial und Einstreu eingesetzt. Dennoch kann Stroh in bestimmten Futterrationen eine wichtige ernährungsphysiologische Funktion erfüllen – vor allem als Rohfaserlieferant und zur Regulierung der Energieaufnahme.
Die gebräuchlichsten Stroharten in der Tierfütterung stammen von Weizen, Gerste, Hafer, Roggen und Raps. Je nach Getreideart unterscheiden sich Nährstoffgehalt, Schmackhaftigkeit und Verdaulichkeit zum Teil erheblich. Haferstroh gilt beispielsweise als das schmackhafteste und am besten verdauliche Futterstroh, während Roggenstroh von vielen Tieren ungern gefressen wird.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Stroh ist ein ausgesprochen nährstoffarmes Futtermittel. Sein Hauptmerkmal ist der extrem hohe Rohfasergehalt bei gleichzeitig niedrigem Gehalt an Protein, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen. Die folgenden Durchschnittswerte beziehen sich auf Weizenstroh (bezogen auf die Trockensubstanz):
- Trockensubstanz: ca. 86–90 %
- Rohfaser: 38–45 % – davon überwiegend Cellulose, Hemicellulose und Lignin
- Rohprotein: 3–5 % – biologisch gering verfügbar
- Rohfett: 1–2 %
- Rohasche (Mineralstoffe): 5–8 %
- Energiegehalt: ca. 3,5–4,5 MJ ME/kg Trockensubstanz (je nach Strohart)
- Vitamine: praktisch nicht vorhanden; Vitamin A, D und E fehlen nahezu vollständig
Der hohe Ligninanteil ist der Hauptgrund für die geringe Verdaulichkeit von Stroh. Lignin verkrustet die Cellulosefasern und macht sie für die Mikroorganismen im Pansen oder Dickdarm schwer zugänglich. Die Verdaulichkeit der organischen Substanz liegt bei Weizenstroh nur bei etwa 40–45 %, bei Haferstroh etwas höher bei rund 48–50 %.
Für welche Tiere geeignet?
Stroh kommt vor allem bei Wiederkäuern zum Einsatz, deren Vormagensystem in der Lage ist, faserreiches Material zumindest teilweise aufzuschließen:
- Rinder: Stroh ist ein gängiger Bestandteil der Futterration von Mutterkühen, Trockensteherinnen und extensiv gehaltenen Mastrindern. Es dient der Strukturversorgung, fördert das Wiederkauen und stabilisiert den Pansen-pH-Wert.
- Schafe und Ziegen: Beide Tierarten verwerten Stroh vergleichsweise gut. Besonders in der Winterfütterung ergänzt Stroh die Heuvorlage.
- Pferde: Stroh wird Pferden häufig als Einstreu angeboten, aber auch gezielt als Futterstroh eingesetzt – insbesondere bei leichtfuttrigen Rassen, Ponys oder Pferden mit Neigung zu Übergewicht. Es verlängert die Fresszeiten und sättigt bei niedriger Energiedichte.
- Schweine und Geflügel: Hier dient Stroh weniger als Futtermittel, sondern hauptsächlich als Beschäftigungsmaterial und Einstreu. Schweine nehmen Stroh durchaus oral auf, eine nennenswerte Nährstoffversorgung ergibt sich daraus jedoch nicht.
- Kaninchen und Meerschweinchen: Stroh kann als Strukturfutter neben Heu angeboten werden, ersetzt dieses aber keinesfalls.
Fütterungsempfehlung
Da Stroh kein Alleinfuttermittel ist, muss es immer in eine ausgewogene Futterration eingebettet werden, die den Bedarf an Protein, Energie, Vitaminen und Mineralstoffen über andere Komponenten deckt.
- Milchkühe: 1–3 kg pro Tier und Tag als Strukturergänzung, gehäckselt in die Mischration (TMR) integriert. Zu hohe Strohmengen senken die Energiekonzentration der Ration und beeinträchtigen die Milchleistung.
- Trockensteher und Mutterkühe: 3–5 kg pro Tag, kombiniert mit Grassilage oder Heu und einer angepassten Mineralstoffergänzung.
- Schafe: 0,3–0,8 kg pro Tier und Tag, ergänzend zu Heu und Kraftfutter.
- Pferde (500 kg Lebendgewicht): bis zu 2–3 kg Futterstroh täglich, wobei Heu den Hauptanteil der Raufutterversorgung ausmachen muss. Das Fütterungsintervall sollte so gestaltet sein, dass über den Tag verteilt stets Raufutter zur Verfügung steht.
Die Futtermenge richtet sich immer nach dem individuellen Energie- und Nährstoffbedarf des Tieres, dem Leistungsniveau und der Zusammensetzung der übrigen Ration.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Hervorragender Rohfaserlieferant – fördert die Kautätigkeit und die Speichelproduktion bei Wiederkäuern und Pferden
- Günstig verfügbar und gut lagerfähig
- Verlängert die Fresszeit und wirkt als natürliche Beschäftigung
- Hilfreich zur Verdünnung energiereicher Rationen und zur Gewichtskontrolle
- Stabilisiert die Pansenfermentation durch Strukturwirkung
Nachteile:
- Sehr geringe Nährstoffdichte –