Stummelaffe
STierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Colobinae (Unterfamilie); zahlreiche Gattungen, darunter Colobus, Piliocolobus, Procolobus (Afrika) sowie Trachypithecus, Presbytis, Nasalis u. a. (Asien)
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
- Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
- Lebensraum: Tropische Regen-, Berg- und Mangrovenwälder in Afrika und Asien
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge je nach Art 40–80 cm, Schwanzlänge bis 100 cm
- Gewicht: 5–25 kg, artabhängig; Männchen meist deutlich schwerer als Weibchen
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft vereinzelt über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Bezeichnung „Stummelaffe" leitet sich vom stark reduzierten Daumen ab, der bei den afrikanischen Arten der Gattung Colobus nur noch als kleiner Stummel vorhanden ist oder vollständig fehlt. Bei den asiatischen Vertretern – oft als Languren oder Schlankaffen bezeichnet – ist der Daumen zwar verkürzt, jedoch noch funktionsfähig. Diese anatomische Besonderheit steht im Zusammenhang mit der baumbewohnenden Lebensweise: Die vier langen, hakenförmig gebogenen Finger bilden einen effektiven Greifapparat, der das Schwingen und Klettern in den Baumkronen erleichtert.
Das Fell der Stummelaffen variiert erheblich zwischen den Arten. Der Schwarzweiße Stummelaffe (Colobus guereza) trägt ein kontrastreiches schwarz-weißes Haarkleid mit langen, weißen Haarbüscheln an den Flanken und einer auffälligen weißen Schwanzquaste. Die Roten Stummelaffen (Piliocolobus) zeigen dagegen rotbraune bis kastanienbraune Fellfärbungen. Asiatische Vertreter wie der Nasenaffe (Nasalis larvatus) fallen durch eine markant vergrößerte Nase auf, während Haubenlanguren (Trachypithecus) teils silbergraues oder goldenes Fell besitzen. Neugeborene einiger Arten weisen eine auffallend abweichende Fellfärbung auf – etwa leuchtend weiß oder orange –, die sich im Laufe der ersten Lebensmonate in die Adulttönung wandelt.
Ein weiteres gemeinsames Merkmal aller Stummelaffen ist der mehrkammrige Magen, der an den Wiederkäuermagen von Huftieren erinnert. Dieser sogenannte sakkiforme Magen ermöglicht die mikrobielle Fermentation pflanzlicher Nahrung und unterscheidet die Colobinae grundlegend von anderen Altweltaffen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Stummelaffen erstreckt sich über zwei große Regionen: die tropischen Wälder Afrikas und Süd- bis Südostasiens. Die afrikanischen Gattungen Colobus, Piliocolobus und Procolobus besiedeln Habitate vom westafrikanischen Tieflandregenwald bis zu den Bergwäldern Ostafrikas in Höhen von über 3.000 Metern. Der Schwarzweiße Stummelaffe etwa kommt in Äthiopien, Kenia, Uganda, Tansania und dem Kongobecken vor.
In Asien reicht das Verbreitungsgebiet von Indien und Sri Lanka über Südchina bis nach Borneo und Java. Dort besiedeln die Tiere neben dichten Regenwäldern auch Mangroven, Sumpfwälder und sekundäre Waldgebiete. Der Nasenaffe ist auf die Insel Borneo beschränkt und bewohnt bevorzugt Küsten- und Flusswälder. Der Goldstumpfnasenaffe (Rhinopithecus roxellana) hingegen lebt in den gemäßigten Bergwäldern Zentralchinas und toleriert Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.
Allen Arten gemeinsam ist die enge Bindung an Waldgebiete. Offene Savannen oder baumlose Landschaften werden gemieden, da die Tiere auf Bäume als Nahrungs- und Rückzugsraum angewiesen sind.
Ernährung
Stummelaffen sind überwiegend Pflanzenfresser mit einer starken Spezialisierung auf Blätter (Folivorie). Ihr komplexer, mehrkammeriger Magen beherbergt symbiotische Bakterien, die Zellulose aufspalten und so den Nährstoffgewinn aus schwer verdaulicher Blattnahrung erhöhen. Diese Verdauungsstrategie erlaubt es den Tieren, auch reifes, gerbstoffhaltiges Laub zu verwerten, das für die meisten anderen Primaten ungenießbar wäre.
Neben Blättern fressen viele Arten Knospen, Blüten, unreife Früchte und Samen. Einige Spezies nehmen gelegentlich auch Rinde, Flechten oder Erde zu sich – letzteres vermutlich zur Aufnahme von Mineralien oder zur Neutralisierung pflanzlicher Toxine. Der Anteil an Früchten in der Nahrung variiert je nach Art und Lebensraum: Rote Stummelaffen konsumieren vergleichsweise mehr Samen und junge Blätter, während die asiatischen Languren teilweise auch blütenreiche Kost bevorzugen.
Verhalten & Lebensweise
Stummelaffen sind tagaktiv und verbringen den Großteil des Tages in den Baumkronen, wo sie fressen, ruhen und sich sozial pflegen. Die Fortbewegung erfolgt durch Klettern, Laufen auf Ästen und gelegentliche weite Sprünge zwischen Bäumen. Einige Arten wie der Hanuman-Langur (Semnopithecus entellus) begeben sich regelmäßig auf den Boden.
Die Sozialstruktur unterscheidet sich zwischen den Gattungen. Afrikanische Stummelaffen der Gattung Colobus leben häufig in kleinen Gruppen von 5 bis 15 Tieren, bestehend aus einem oder wenigen Männchen und mehreren Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Rote Stummelaffen (Piliocolobus