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Sturmmöwe

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Möwen & Seeschwalben

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Larus canus
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Möwen (Laridae)
  • Gattung: Larus
  • Lebensraum: Küsten, Binnengewässer, Feuchtgebiete, Agrarlandschaften
  • Größe: 40–46 cm Körperlänge, Flügelspannweite 100–120 cm
  • Gewicht: 300–550 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 24 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Sturmmöwe ist eine mittelgroße Möwenart, die in ihrer Gestalt zwischen der kleineren Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) und der deutlich größeren Silbermöwe (Larus argentatus) einzuordnen ist. Adulte Vögel im Prachtkleid zeigen ein reinweißes Kopf-, Brust- und Bauchgefieder, das mit einem hellen Blaugrau auf Rücken und Oberflügeln kontrastiert. Die Flügelspitzen sind schwarz gefärbt und tragen auffällige weiße Spitzenflecken, sogenannte „Spiegel", die im Flug gut erkennbar sind.

Der Schnabel ist im Vergleich zu anderen Großmöwen relativ kurz und zierlich, von grünlich-gelber Farbe und ohne den roten Gonysfleck, der für die Silbermöwe typisch ist. Die Beine sind grünlich-gelb bis gelblich gefärbt. Die Augen sind dunkelbraun mit einem schmalen, dunklen Orbitalring. Im Schlichtkleid zeigt der Kopf eine graubraune Strichelung, besonders an Hinterkopf und Nacken.

Jungvögel im ersten Jahr sind überwiegend bräunlich gefleckt mit einer dunklen Schwanzbinde, einem fleischfarbenen Schnabel mit dunkler Spitze und fleischfarbenen Beinen. Das vollständige Adultkleid wird erst im dritten Lebensjahr erreicht. Die Mauser verläuft über mehrere Zwischenkleider, was die Altersbestimmung im Feld ermöglicht.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Sturmmöwe erstreckt sich über die gesamte Paläarktis. Sie brütet von Island und den Britischen Inseln ostwärts über Skandinavien, das Baltikum und Mitteleuropa bis nach Sibirien und Kamtschatka. In Nordamerika wird die nah verwandte Form Larus canus brachyrhynchus von manchen Autoren als eigenständige Art – die Kurzschnabelmöwe – geführt.

In Deutschland ist die Sturmmöwe ein verbreiteter Brutvogel an Nord- und Ostseeküste, tritt aber auch im Binnenland als Brutvogel auf, etwa an größeren Seen, Flussauen und Stauseen. Als Habitat bevorzugt sie offene, flache Küstenlandschaften, Inseln, Salzwiesen, Moore und Feuchtwiesen. Außerhalb der Brutzeit ist sie häufig auf Agrarflächen, Mülldeponien und in Hafenanlagen anzutreffen. Die nördlichen und östlichen Populationen sind Zugvögel, die im Winter an die atlantischen Küsten Westeuropas und ans Mittelmeer ausweichen. Mitteleuropäische Brutvögel sind überwiegend Teilzieher oder Standvögel.

Ernährung

Die Sturmmöwe ist ein ausgesprochener Nahrungsgeneralist. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Insekten und deren Larven, Regenwürmer, kleine Fische, Krebstiere, Muscheln und andere marine Wirbellose. Auf Agrarflächen folgt sie häufig dem Pflug, um freigelegte Bodenlebewesen aufzusammeln – ein Verhalten, das sie mit der Lachmöwe teilt.

Pflanzliche Nahrung wie Beeren und Getreidekörner wird gelegentlich aufgenommen. In Küstennähe erbeutet sie Kleinfische durch flaches Eintauchen von der Wasseroberfläche oder nimmt Strandgut auf. Wie viele Möwenarten nutzt sie auch anthropogene Nahrungsquellen und sucht Mülldeponien, Fischereiabfälle und städtische Bereiche nach verwertbarer Nahrung ab. Gelegenheitsraub von Eiern und Küken anderer Vogelarten kommt vor, spielt aber eine untergeordnete Rolle.

Verhalten & Lebensweise

Die Sturmmöwe ist tagaktiv und ausgesprochen gesellig. Außerhalb der Brutzeit bildet sie oft große Schlafgemeinschaften an Gewässern, die mehrere Tausend Individuen umfassen können, häufig vergesellschaftet mit Lach- und Silbermöwen. Der Flug ist leicht und elegant, mit regelmäßigen Flügelschlägen und häufigem Gleiten.

Ihr Stimmrepertoire ist vielfältig. Der namensgebende Ruf ist ein durchdringendes, hoch klingendes „kiiaa" oder „giiäh", das an stürmische Küstenstimmung erinnert und zur Namensgebung beigetragen hat. Am Brutplatz sind komplexe Rufreihen zu hören, die der Revierverteidigung und Paarbindung dienen.

Die Balz umfasst ritualisierte Verhaltensweisen: Kopfnicken, „Futterhochwürgen" als symbolische Fütterung des Partners sowie gemeinsames Rufen in aufrechter Körperhaltung. Sturmmöwen verteidigen ihr Brutrevier energisch gegen Artgenossen und potenzielle Nesträuber, einschließlich gezielter Sturzflüge auf Eindringlinge.

Fortpflanzung & Aufzucht

Sturmmöwen brüten in lockeren Kolonien, gelegentlich auch in Einzelpaaren. Die Koloniegröße variiert von wenigen Paaren bis zu mehreren Hundert Brutpaaren. Die Brutzeit erstreckt sich von Ende April bis Juli. Das Nest wird am Boden angelegt, bevorzugt auf Inseln, Dünen, Salzwiesen oder in Mooren. Als Nistmaterial dienen Gras, Moos, Flechten und Algen.

Das Gelege besteht in der Regel aus zwei bis drei Eiern, die olivbraun gefärbt und dunkel gefleckt sind. Beide Elternvögel bebrüten das Gelege über einen Zeitraum von 24 bis 28 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter und tragen ein graubraunes Dunenkleid mit dunkler Fleckung, das hervor