Sumpfhirsch
STierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Blastocerus dichotomus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
- Gattung: Blastocerus
- Lebensraum: Sumpfgebiete, Überschwemmungsebenen und Feuchtwiesen Südamerikas
- Körperlänge: 180–200 cm
- Schulterhöhe: 100–120 cm
- Gewicht: 80–150 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Sumpfhirsch ist die größte Hirschart Südamerikas. Sein Fell ist im Sommer rötlich-braun gefärbt und nimmt im Winter einen dunkleren, bräunlich-grauen Ton an. An der Unterseite des Körpers, an der Innenseite der Ohren sowie um die Augen herum zeigt sich eine deutlich hellere, fast weißliche Färbung. Auffällig ist der schwarze Bereich um die Schnauze und an der Nasenspitze, der im Kontrast zu den hellen Gesichtspartien steht.
Männliche Tiere – Hirsche im engeren Sinne – tragen ein stattliches Geweih, das sich mehrfach gabelt und eine Gesamtlänge von bis zu 60 cm erreicht. Die Geweihstangen verzweigen sich in der Regel in zwei Hauptsprossen, die sich jeweils erneut teilen, sodass ein ausgewachsener Hirsch bis zu zehn Enden tragen kann. Der wissenschaftliche Artname dichotomus (griechisch: „zweigeteilt") bezieht sich auf diese charakteristische Gabelung. Das Geweih wird jährlich abgeworfen und neu gebildet.
Ein weiteres typisches Merkmal sind die breiten, durch Schwimmhäute zwischen den Hufen verbundenen Klauen. Sie vergrößern die Auftrittsfläche und verhindern so ein Einsinken in weichem, sumpfigem Untergrund – eine funktionelle Anpassung an das Feuchtgebiet-Habitat.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Sumpfhirschs erstreckt sich über weite Teile des südlichen Südamerikas. Historisch besiedelte die Art Feuchtgebiete von Südostperu und dem südlichen Amazonasbecken bis nach Nordargentinien und Uruguay. Heute sind die Bestände stark fragmentiert. Die größten Populationen finden sich im brasilianischen Pantanal, in den Überschwemmungsebenen des Rio Paraná und des Rio Paraguay sowie in Teilen Boliviens.
Als Biotop bevorzugt der Sumpfhirsch dauerhaft oder saisonal überflutete Gras- und Sumpflandschaften, Flussauen und Uferzonen von Seen. Er ist eng an Wasser gebunden und selten weiter als wenige Kilometer von offenen Wasserflächen entfernt anzutreffen. Trockene Savannen oder geschlossene Waldgebiete werden gemieden.
Ernährung
Der Sumpfhirsch ernährt sich als Pflanzenfresser hauptsächlich von Wasserpflanzen, Gräsern und Kräutern der Feuchtgebiete. Einen großen Teil seiner Nahrung nimmt er im Flachwasser oder an schlammigen Uferbereichen auf. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Wasserlinsen, Schilf, Seerosen und diverse Sumpfgräser. Während der Trockenzeit, wenn Überschwemmungsflächen zurückgehen, weicht er auf Gräser und junge Triebe höher gelegener Wiesenabschnitte aus. Saisonale Schwankungen im Nahrungsangebot beeinflussen die lokalen Wanderbewegungen der Tiere innerhalb ihres Lebensraums erheblich.
Verhalten & Lebensweise
Sumpfhirsche leben überwiegend einzelgängerisch oder in kleinen, lockeren Gruppen von zwei bis fünf Tieren. Größere Ansammlungen kommen gelegentlich an besonders nahrungsreichen Stellen oder auf Trockeninseln während Hochwasserphasen vor, stellen aber keine festen Rudel dar. Die sozialen Bindungen sind insgesamt gering ausgeprägt.
Die Art ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Während der heißen Tagesstunden ruhen die Tiere im Schutz von Schilfbeständen oder hohem Gras. In der Dämmerung und den Nachtstunden begeben sie sich auf Nahrungssuche, wobei sie sich häufig bis zur Brust ins Wasser begeben. Sumpfhirsche sind ausdauernde Schwimmer und durchqueren bei Bedarf selbst breitere Flussarme.
Männchen markieren ihr Revier mit Duftmarken aus Drüsen an der Stirn, die sie an Ästen und Stämmen abreiben. In der Brunftzeit tragen Rivalen Auseinandersetzungen mit dem Geweih aus, wobei ernsthafte Verletzungen selten sind. Die Tiere kommunizieren untereinander über leise Grunzlaute und Schnauben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit liegt überwiegend zwischen Oktober und Februar, wobei regionale Unterschiede auftreten. Nach einer Tragzeit von rund 250 bis 270 Tagen bringt das Weibchen – die Hirschkuh – in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten. Die Geburten fallen meist in die Trockenzeit, wenn der Wasserstand niedrig ist und erhöhte Landabschnitte als sichere Setzplätze zur Verfügung stehen.
Das Kalb ist bei der Geburt mit weißen Flecken auf rotbraunem Fell gezeichnet, die als Tarnung im hohen Gras dienen und innerhalb der ersten Lebensmonate verblassen. In den ersten Wochen verharrt das Jungtier versteckt im Dickicht, während die Mutter in der Nähe Nahrung aufnimmt und regelmäßig zum Säugen zurückkehrt. Mit etwa drei bis vier Monaten beginnt das Kalb, feste Pflanzennahrung aufzunehmen. Die Entwöhnung ist nach rund sechs Monaten abgeschlossen. Geschlechtsreife erreichen weibliche Tiere mit etwa einem Jahr, männliche Tiere mit etwa zwei Jahren.