Teichmolch
TTierart – Amphibien > Schwanzlurche – Salamander & Molche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lissotriton vulgaris (früher Triturus vulgaris)
- Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
- Familie: Echte Salamander und Molche (Salamandridae)
- Gattung: Lissotriton
- Lebensraum: Kleingewässer, Teiche, Weiher, Gräben; an Land: feuchte Wälder, Gärten, Heckenlandschaften
- Größe: 7–11 cm (Gesamtlänge einschließlich Schwanz)
- Gewicht: 1,5–4 g
- Lebenserwartung: 10–14 Jahre in freier Natur, in Gefangenschaft bis 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Teichmolch ist die kleinste und häufigste heimische Molchart in Mitteleuropa. Die Oberseite ist olivbraun bis graubraun gefärbt und mit dunklen Flecken übersät. Die Unterseite zeigt eine hellgelbe bis orangefarbene Grundfärbung mit deutlichen dunklen Punkten oder Flecken – ein individuelles Muster, das ähnlich einem Fingerabdruck zur Identifikation einzelner Tiere herangezogen werden kann.
Die Haut ist glatt und feucht, während der Wasserphase leicht schleimig. Wie alle Molche besitzt der Teichmolch keine Schuppen, sondern eine nackte, drüsenreiche Haut, die an der Atmung beteiligt ist. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich deutlich, besonders zur Fortpflanzungszeit. Männchen entwickeln dann einen gewellten oder gezackten Hautkamm, der vom Hinterkopf über den Rücken bis zum Schwanz verläuft. Zusätzlich zeigen sie an den Hinterfüßen verbreiterte Zehen mit dunklen Schwimmhäuten sowie eine auffällige Zeichnung aus abwechselnd hellen und dunklen Streifen am Schwanz. Weibchen bleiben unauffälliger gefärbt und tragen keinen Rückenkamm.
Im Landkleid – also außerhalb der Laichzeit – sind beide Geschlechter schlichter gefärbt. Die Haut wirkt dann samtiger und trockener, der Kamm der Männchen bildet sich vollständig zurück.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Teichmolchs erstreckt sich über weite Teile Europas. Es reicht von den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel im Westen bis nach Westsibirien im Osten. Nach Norden kommt die Art bis Südskandinavien vor, im Süden bis Nordgriechenland und die Türkei. Innerhalb dieses großen Areals werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Lissotriton vulgaris vulgaris in Mitteleuropa und Lissotriton vulgaris meridionalis in Südeuropa.
Als Habitat bevorzugt der Teichmolch stehende oder langsam fließende Kleingewässer: Gartenteiche, Tümpel, Weiher, wassergefüllte Gräben und Überschwemmungsflächen. Fischfreie Gewässer werden bevorzugt, da Fische Eier und Larven fressen. An Land hält sich die Art in feuchten Biotopen auf – lichte Laubwälder, Heckenlandschaften, Gärten, Parks und Friedhöfe. Verstecke unter Steinen, Totholz, Laub oder in Erdlöchern dienen als Tagesquartier und Winterquartier.
Ernährung
Der Teichmolch ernährt sich carnivor. Im Wasser stehen Kleinkrebse (Daphnien, Wasserflöhe), Mückenlarven, Würmer, Schneckenlaich und Insektenlarven auf dem Speiseplan. An Land frisst er Regenwürmer, Nacktschnecken, Asseln, Spinnen und verschiedene Insekten. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch schnelles Zuschnappen, wobei die Beute durch Kieferbewegungen und Rückziehen der Augen in den Schlund befördert wird – ein für Amphibien typischer Mechanismus. Larven ernähren sich zunächst von Kleinstlebewesen wie Rädertierchen und gehen mit zunehmender Größe zu größerer Beute über.
Verhalten & Lebensweise
Der Teichmolch ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich in feuchten Verstecken an Land oder hält sich am Gewässergrund auf. Die Wasserphase dauert in Mitteleuropa von etwa März bis Juni, kann sich aber je nach Witterung und Region verschieben. In dieser Zeit sind die Tiere eng an ihr Laichgewässer gebunden und können auch tagsüber beobachtet werden, wenn sie zum Luftholen an die Wasseroberfläche steigen.
Die Landphase erstreckt sich über den Sommer und Herbst. Die Überwinterung erfolgt an frostfreien Stellen an Land – unter Baumstümpfen, in Steinhaufen, Kellern oder Erdlöchern. Gelegentlich überwintern einzelne Tiere auch im Gewässer. Der Teichmolch lebt solitär; es gibt keine Revierverteidigung oder soziale Strukturen im engeren Sinne. An geeigneten Laichgewässern können sich jedoch große Populationen mit Hunderten von Individuen einfinden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung beginnt nach der Frühjahrswanderung zum Laichgewässer, meist zwischen März und Mai. Die Balz ist ein komplexes Ritual: Das Männchen positioniert sich vor dem Weibchen, knickt den Schwanz seitlich ab und fächelt diesem durch rhythmische Bewegungen Duftstoffe (Pheromone) zu. Zeigt das Weibchen Interesse und folgt dem Männchen, setzt dieses ein Samenpaket (Spermatophore) am Gewässergrund ab. Das Weibchen nimmt die Spermatophore mit der Kloake auf – die Befruchtung erfolgt also intern, aber ohne direkte Kopulation.
Das Weibchen legt über mehrere Wochen hinweg insgesamt 100 bis 300 Eier einzeln ab. Jedes Ei wird sorgfältig in ein Blatt einer Wasserpflanze eingewickelt, was Schutz vor Fressfeinden bietet. Die Larven schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und besitzen äußere Kiemenbüschel, die sie deutlich von adulten Tieren unterscheiden. Die Metamorphose – also die Umwandlung von der wasserlebenden Larve zum lungenatmenden Landtier