Teichmuschel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anodonta cygnea (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Unionida (Flussmuscheln)
- Familie: Unionidae (Flussperlmuscheln i. w. S.)
- Gattung: Anodonta
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer – Teiche, Seen, Altarme, Kanäle
- Größe: 10–20 cm Schalenlänge, in Ausnahmefällen bis 25 cm
- Gewicht: 100–300 g (je nach Alter und Standort)
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre, unter günstigen Bedingungen bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Teichmuschel, auch als Große Teichmuschel oder Schwanenmuschel bekannt, gehört zu den größten einheimischen Süßwassermuscheln Europas. Ihre Schale ist dünnwandig, oval bis eiförmig und deutlich aufgebläht. Im Vergleich zu den Flussmuscheln der Gattung Unio fällt sofort auf, dass die Teichmuschel kein Schloss mit Zähnen besitzt – die beiden Schalenhälften werden allein durch das elastische Ligament am Dorsalrand zusammengehalten. Dieser Umstand spiegelt sich im Gattungsnamen Anodonta wider, der aus dem Griechischen stammt und „zahnlos" bedeutet.
Die Außenseite der Schale zeigt konzentrische Zuwachsstreifen, anhand derer sich das Alter des Tieres grob abschätzen lässt. Die Färbung variiert von olivgrün über gelbbraun bis dunkelbraun; bei älteren Exemplaren ist das Periostracum – die äußere organische Schalenschicht – häufig abgerieben und gibt den darunterliegenden Kalk frei. Die Innenseite glänzt perlmuttartig in bläulich-weißen Tönen. Der weiche Körper im Schaleninneren besteht aus dem großen, muskulösen Fuß, den paarigen Kiemen (Ctenidien), dem Mantel sowie den Eingeweideorganen. Zwei kurze Siphonen – ein Ein- und ein Ausströmsiphon – ragen am hinteren Schalenende hervor und steuern den Wasserstrom durch den Körper.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Anodonta cygnea erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht ostwärts bis nach Zentralasien. In Mitteleuropa kommt die Art von den Tieflandgewässern Norddeutschlands bis zu Seen im Alpenvorland vor. Ihr bevorzugtes Habitat sind stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit schlammigem bis sandigem Substrat: Teiche, Weiher, Altarme von Flüssen, Baggerseen und Kanäle. Stark strömende Fließgewässer meidet sie, da ihre dünne Schale wenig Widerstand bietet und das weiche Sediment fehlt, in das sie sich eingraben kann.
Die Muschel lebt halbvergraben im Gewässergrund, wobei meist nur das hintere Schalenende mit den Siphonen aus dem Sediment ragt. Sie toleriert mäßig eutrophe Bedingungen, ist aber gegenüber starker Gewässerverschmutzung und Sauerstoffmangel empfindlich. Ihr Vorkommen gilt als Indikator für eine noch intakte Gewässerökologie. Die nahe verwandte Kleine Teichmuschel (Anodonta anatina), auch Entenmuschel genannt, besiedelt ähnliche Biotope, ist aber etwas robuster und in Fließgewässern häufiger anzutreffen.
Ernährung
Teichmuscheln sind Filtrierer. Sie erzeugen mittels der Wimpern auf ihren Kiemen einen kontinuierlichen Wasserstrom, der durch den Einströmsiphon in die Mantelhöhle gelangt. Aus dem Wasser werden Schwebstoffe, Mikroalgen, Bakterien und feine organische Partikel herausgefiltert. Brauchbare Nahrungspartikel werden in Schleimfäden eingebettet und zu den Mundlappen (Labialpalpen) transportiert, die eine weitere Sortierung vornehmen. Unverdauliches wird als Pseudofäzes ausgeschieden, ohne den Verdauungstrakt zu durchlaufen. Eine einzelne adulte Teichmuschel kann pro Tag mehrere Dutzend Liter Wasser filtrieren und trägt damit erheblich zur biologischen Selbstreinigung eines Gewässers bei.
Verhalten & Lebensweise
Die Teichmuschel führt ein weitgehend sessiles Leben. Sie bewegt sich nur langsam mithilfe ihres kräftigen Fußes durch das Sediment, wobei sie eine charakteristische Kriechspur hinterlässt. Die Fortbewegung erfolgt bevorzugt in den wärmeren Monaten und dient der Suche nach geeigneteren Standorten – etwa bei Veränderung des Wasserstands oder der Sedimentqualität. Eine ausgeprägte Aktivitätsrhythmik ist bekannt: Die Filtrationsleistung steigt in den Nachtstunden leicht an, weshalb man die Muschel als überwiegend nachtaktiv bei der Nahrungsaufnahme einstufen kann.
Im Winter verlangsamt sich der Stoffwechsel deutlich. Die Muschel zieht den Fuß ein, schließt die Schalen und überdauert die kalte Jahreszeit in einer Art Ruhephase. Bei akuter Gefahr – etwa dem Zugriff eines Bisams oder Waschbären – kann sie die Schalen rasch schließen, verfügt aber über keine aktive Fluchtreaktion.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Teichmuschel ist eng an die Anwesenheit von Wirtsfischen gekoppelt. Teichmuscheln sind in der Regel getrenntgeschlechtlich, wobei sich die Geschlechter äußerlich kaum unterscheiden lassen. Die Befruchtung erfolgt intern: Das Männchen gibt Spermien ins freie Wasser ab, die über den Einströmsiphon des Weibchens in dessen Mantelhöhle gelangen. Die befruchteten Eier werden in speziellen Brutkammern innerhalb der äußeren Kiemenblätter – den sogenannten Marsupien – ausgebrütet.
Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die bei der Gattung Anodonta als Glochidien bezeichnet werden. Diese winzigen, nur etwa 0,3 mm großen Larven werden vom Weibchen