T Tierlexikon.net
← Lexikon

Temminckstrandläufer

T

Tierart – Vögel > Vögel – heimisch (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Calidris temminckii
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
  • Gattung: Strandläufer (Calidris)
  • Lebensraum: Feuchtgebiete der arktischen und subarktischen Tundra; auf dem Zug Binnengewässer, Schlammflächen, Klärteiche
  • Größe: 13–15 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 34–37 cm
  • Gewicht: 17–32 g
  • Lebenserwartung: bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Temminckstrandläufer gehört zu den kleinsten Vertretern der Gattung Calidris und wird in seiner Größe nur vom Zwergstrandläufer (Calidris minuta) erreicht, mit dem er leicht verwechselt werden kann. Sein Gefieder ist im Brutkleid oberseits bräunlich-grau mit dunklen Schaftstrichen und rötlichen Federrändern. Die Unterseite ist weiß bis rahmfarben, die Brust zeigt eine diffuse, graubraune Bänderung. Im Schlichtkleid wirkt der Vogel insgesamt einförmiger graubraun, die Oberseite erscheint gleichmäßiger und weniger kontrastreich.

Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Zwergstrandläufer sind die Beinfarbe und das Flugbild: Der Temminckstrandläufer besitzt gelblich-grüne bis olivfarbene Beine, während der Zwergstrandläufer schwarze Beine hat. Im Flug zeigen sich weiße äußere Steuerfedern – ein Merkmal, das bei keinem anderen kleinen Strandläufer in Europa vorkommt. Der Schnabel ist kurz, gerade und dunkel gefärbt. Die Augen sind dunkelbraun mit einem undeutlichen hellen Überaugenstreif.

Lebensraum & Verbreitung

Das Brutgebiet des Temminckstrandläufers erstreckt sich als breiter Gürtel über die subarktische und arktische Zone Eurasiens – von Skandinavien ostwärts durch Sibirien bis zur Beringstraße. In Norwegen, Schweden und Finnland brütet die Art bereits auf Meeresniveau, weiter östlich bevorzugt sie höher gelegene Tundra- und Waldtundrahabitate. In Mitteleuropa tritt der Temminckstrandläufer als regelmäßiger, aber nicht häufiger Durchzügler auf. In Deutschland wird er vor allem während der Zugzeiten im April/Mai sowie im Juli bis September an geeigneten Rastplätzen beobachtet.

Als Habitat nutzt er im Brutgebiet feuchte Wiesen, Flussufer und mit niedriger Vegetation bestandene Uferzonen von Seen und Teichen. Auf dem Durchzug und im Winterquartier bevorzugt er schlammige Ufer von Binnengewässern, Klärteiche, Reisfelder und flache Überschwemmungsflächen. Im Gegensatz zu vielen anderen Strandläufern meidet er offene Meeresküsten und salzhaltige Biotope weitgehend. Die Überwinterungsgebiete liegen in Afrika südlich der Sahara, im Nahen Osten sowie in Süd- und Südostasien.

Ernährung

Der Temminckstrandläufer ernährt sich überwiegend von kleinen Wirbellosen. Auf dem Speiseplan stehen Insekten und deren Larven – insbesondere Zuckmückenlarven, Käfer und Fliegen –, daneben Spinnen, kleine Schnecken und Würmer. Die Nahrungssuche erfolgt meist in geduckter Haltung am Rand flacher Gewässer und auf Schlammflächen. Der Vogel pickt dabei rasch und gezielt nach Beutetieren an der Oberfläche oder stochert im weichen Substrat. Gelegentlich nimmt er auch pflanzliche Kost wie Samen auf, wobei tierische Nahrung klar überwiegt.

Verhalten & Lebensweise

Der Temminckstrandläufer ist überwiegend tagaktiv, kann aber während der Zugperioden auch nachts Nahrung aufnehmen. Er wirkt im Vergleich zum Zwergstrandläufer ruhiger und weniger hektisch in seinen Bewegungen. Bei Störungen drückt er sich häufig flach auf den Boden und nutzt seine Tarnfärbung, bevor er bei weiterer Annäherung in einem steil aufsteigenden, turmartig wirkenden Abflug davonfliegt – ein Verhalten, das an eine Bekassine erinnert.

Auf dem Zug tritt die Art oft einzeln oder in kleinen Trupps von wenigen Individuen auf. Große Schwärme, wie sie bei anderen Strandläufern üblich sind, bildet der Temminckstrandläufer nur selten. Auch im Brutgebiet zeigt er kein ausgeprägtes Kolonialverhalten, sondern brütet in lockeren Ansammlungen mit teils beträchtlichen Abständen zwischen den einzelnen Nestern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Das Fortpflanzungssystem des Temminckstrandläufers weicht erheblich von dem der meisten Watvögel ab. Die Art praktiziert ein Paarungssystem, das als sukzessive Bigamie beider Geschlechter beschrieben wird. Sowohl Männchen als auch Weibchen paaren sich nacheinander mit verschiedenen Partnern. Das Weibchen legt in der Regel zwei Gelege: Das erste wird vom Männchen bebrütet, das zweite übernimmt das Weibchen selbst. Auf diese Weise kann ein einzelnes Weibchen innerhalb einer Brutsaison zwei unabhängige Bruten mit zwei verschiedenen Männchen produzieren.

Die Balz des Männchens besteht aus einem auffälligen Singflug, bei dem der Vogel in der Luft steht oder langsam über dem Revier kreist und einen trillernden, insektenartigen Gesang hören lässt. Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, spärlich mit Pflanzenteilen ausgelegt und meist gut in der Vegetation verborgen. Ein Gelege umfasst in der Regel vier Eier. Die Brutdauer beträgt 21–22 Tage. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlupf, um selbstständig nach Nahrung zu suchen. Sie werden vom jeweils brütenden Elternteil geführt und gehudert, bis sie nach etwa 15–18 Tagen flugfähig sind.

Bedrohung & Schutzstatus