Totenkopfschwärmer
TTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Acherontia atropos (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Schwärmer (Sphingidae)
- Unterfamilie: Sphinginae
- Gattung: Acherontia
- Lebensraum: Offenlandschaften, Gärten, Agrarflächen, lichte Wälder
- Flügelspannweite: 90–130 mm
- Körperlänge: ca. 50–60 mm
- Gewicht: 2–6 g (Imagines), Raupen bis ca. 10–12 g
- Lebenserwartung: wenige Wochen als Falter; gesamter Entwicklungszyklus ca. 3–5 Monate
Aussehen & Merkmale
Der Totenkopfschwärmer ist der größte in Europa vorkommende Schwärmer und einer der schwersten Nachtfalter des Kontinents. Sein auffälligstes Merkmal ist die gelblich-weiße Zeichnung auf dem Thorax (Brustabschnitt), die an einen menschlichen Schädel erinnert – ein Muster, das dem Tier seinen deutschen wie auch seinen wissenschaftlichen Namen eingebracht hat. Der Gattungsname Acherontia verweist auf den Acheron, einen Fluss der griechischen Unterwelt, und das Artepitheton atropos bezieht sich auf die Schicksalsgöttin Atropos, die den Lebensfaden durchtrennt.
Die Vorderflügel sind dunkelbraun bis schwarzbraun marmoriert mit hellen und gelblichen Einsprenkelungen, die eine hervorragende Tarnung auf Baumrinde und im Laub bieten. Die Hinterflügel sind leuchtend ockergelb mit zwei dunklen Querbinden. Der massive Hinterleib (Abdomen) zeigt eine auffällige gelb-schwarze Bänderung, die an die Zeichnung von Honigbienen erinnert – eine mögliche Form der Mimikry. Der Rüssel ist mit etwa 10–15 mm ungewöhnlich kurz und kräftig gebaut, verglichen mit anderen Schwärmerarten, deren Saugrüssel oft mehrere Zentimeter misst.
Die Raupen erreichen eine Körperlänge von bis zu 130 mm und gehören damit zu den größten europäischen Schmetterlingsraupen. Sie treten in drei Farbvarianten auf: grün, gelb oder braun. Allen gemeinsam ist ein charakteristisches, S-förmig gebogenes Horn am Hinterleibsende, wie es für Schwärmerraupen typisch ist, sowie deutliche Schrägstreifen an den Körpersegmenten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Acherontia atropos erstreckt sich über weite Teile Afrikas, das als eigentliche Heimat der Art gilt. Von dort wandern die Falter alljährlich nach Norden und erreichen den Mittelmeerraum, Mitteleuropa und gelegentlich sogar Skandinavien. In Mitteleuropa ist der Totenkopfschwärmer kein Standschmetterling, sondern ein Wanderfalter, der die hiesigen Winter in der Regel nicht überlebt. Gelegentlich können Puppen an besonders geschützten Standorten überwintern, doch dauerhafte Populationen bestehen nördlich der Alpen nicht.
Als Habitat bevorzugt die Art offene bis halboffene Landschaften. Kartoffeläcker, Gärten, Brachen und Ruderalflächen zählen zu den bevorzugten Biotopen, da dort die Futterpflanzen der Raupen wachsen. In Afrika besiedelt die Art ein breites Spektrum an Lebensräumen von der Meeresküste bis in Höhenlagen von über 2.000 Metern.
Neben Acherontia atropos umfasst die Gattung zwei weitere Arten: den Orientalischen Totenkopfschwärmer (Acherontia styx) und Acherontia lachesis, die beide in Süd- und Ostasien verbreitet sind.
Ernährung
Die Raupen des Totenkopfschwärmers sind polyphag und fressen an einer Vielzahl von Pflanzenarten. Zu den bevorzugten Futterpflanzen gehören Nachtschattengewächse (Solanaceae) wie Kartoffel, Stechapfel und Tollkirsche, aber auch Ölbaum, Liguster, Schneeball und verschiedene Verbenaceae. Die Fähigkeit der Raupen, an giftigen Solanaceen zu fressen, deutet auf eine Toleranz gegenüber Alkaloiden hin.
Die erwachsenen Falter ernähren sich von zuckerhaltigen Substanzen. Eine biologische Besonderheit ist ihr Eindringen in Bienenstöcke, um dort Honig zu saugen. Der kurze, stabile Rüssel ist offenbar eine Anpassung an diese Ernährungsweise, da er die Wachsdeckel der Honigzellen durchstechen kann. Die bereits erwähnte Abdomen-Zeichnung sowie ein chemischer Tarnmechanismus – der Falter produziert Fettsäuren, die den Bienenpheromonen ähneln – schützen ihn teilweise vor Angriffen der Bienen. Dennoch fallen Falter gelegentlich den Abwehrmaßnahmen des Bienenvolkes zum Opfer.
Verhalten & Lebensweise
Der Totenkopfschwärmer ist streng nachtaktiv. Die Falter fliegen vorwiegend in den ersten Stunden nach Einbruch der Dunkelheit und werden von künstlichen Lichtquellen angelockt, was in Mitteleuropa die häufigste Beobachtungsweise darstellt. Tagsüber ruhen sie gut getarnt an Baumstämmen, Mauern oder am Boden.
Eine weitere Eigenheit ist die Fähigkeit der Falter zur Lautproduktion. Bei Störung pressen sie Luft durch den Rüssel und erzeugen dabei einen deutlich hörbaren, piepsenden Ton. Dieses Verhalten ist unter Schmetterlingen äußerst selten und dient vermutlich der Abschreckung von Fressfeinden. Auch die Raupen können bei Bedrohung Klicklaute erzeugen, indem sie die Mandibeln (Mundwerkzeuge) gegeneinanderreiben.
Die Wanderflüge der Art erfolgen über beträchtliche Distanzen. Einzelne Individuen legen mehrere tausend Kilometer zurück, wobei sie die Sahara und das Mittelmeer überqueren. In Mitteleuropa treffen die ersten Falter meist zwischen